3. Tag

Pünktlich um 8 Uhr kam ich am Dive Center des „John Pennekamp Coral Reef State Parks“ an. Dort sagte man mir aber, dass die See heute mit bis zu 2 m hohen Wellen unruhig sei, ob ich da wirklich um 9 Uhr mit dem Tauchboot rausfahren wolle. Ich entschied mich dagegen, fuhr zurück zum Resort, um den Rest der Gruppe und das Gepäck abzuholen, und dann wieder in den Park. Dort liefen wir zwei kleine Trails ab, wo wir in den Bäumen Florida-Baumschnecken und Seidenspinnen entdeckten. Beim Besuch des Aquariums im Visitor Center erfuhren wir außerdem, dass z.B. dem lokalen „Spiny Lobster“ die mächtigen Scheren seines entfernten nördlichen Verwandten, dem „New England Lobster“, fehlen. Stattdessen bedeckten zur Verteidigung scharfe Stacheln seinen ganzen Panzer. In Schutzgebieten lässt er sich selbst von ungeübten Tauchern in großer Zahl beobachten und ist im Riff nicht nur Räuber, sondern auch Aasfresser, der den Meeresboden sauber hält.

Die Seegraswiesen, die weite Teile des Meeresbodens in den seichten Uferbereichen des südlichen Florida bedecken, sind dagegen die Weidegründe der Großen Fechterschnecke (Queen Conch), sowie von Schildkröten und Seeigeln. Zudem sorgen die Pflanzen für klares Wasser, indem sie die Bodensedimente an ihrem Platz halten. Nicht mehr an seinem Platz ist der Rotfeuerfisch, der eigentlich im Indo-Pacific und im Roten Meer heimisch ist, und an Floridas Küsten und in der Karibik eine invasive Spezies ohne natürliche Feinde darstellt.

Nachdem wir erfahren hatten, dass die nachmittäglichen Fahrten mit dem Glasboden- und dem Tauchboot aufgrund der Wettervorhersage abgesagt worden waren, machten wir uns auf den Weg nach Süden. Kurz darauf begann ein lang anhaltender Platzregen, so dass wir ohne Besichtigungsstopps bis Little Torch Key durchfuhren. Als wir dort gegen 16 Uhr ankamen, hatte es erst kurz zuvor aufgehört zu regnen. Also nutzten wir die verbleibende Zeit bis zum Sonnenuntergang gegen 18 Uhr, um zum benachbarten Big Pine Key zurückzufahren und das „National Key Deer Refuge“ zu besuchen. Der erste Stopp war dort das „Blue Hole“, ein kleiner, gefluteter Steinbruch, der in den 1930-er Jahren das Baumaterial für die örtlichen Straßen lieferte. Direkt unterhalb der Beobachtungsplattform dösten ein großer und ein halbwüchsiger Alligator im klaren Wasser. Ein kleines Stück weiter führte der „Jack C. Watson Wildlife Trail“ durch ein Gebiet mit dem typischen porösen Kalksteinboden, der nur ganz dünn mit Erde bedeckt war. Darauf wuchsen Elliot-Kiefern, von denen viele schon abgestorben waren, und ein dichtes Unterholz aus Sägepalmen, deren große Wedel im Wind raschelten. Diese Vegetation ist das wichtigste Habitat für die endemischen Zwerghirsche der Insel. Ihre einzige Frischwasserquelle auf den Lower Keys ist der Regen, den die Sedimente über dem alten Korallenriff im Untergrund speichern. Für eine gewisse Zeit können die Tiere aber auch Brackwasser trinken. Für genügend frische Triebe, die sie mit durchschnittlich 66 cm Schulterhöhe erreichen können, sorgen regelmäßige Brände. Die kleinste Unterart der nordamerikanischen Weißwedel-Hirsche hat aber nur eine sehr niedrige Reproduktionsrate. Sie wurde bereits 1575 in den Erzählungen des spanischen Schiffbrüchigen Hernando de Escalante Fontaneda erwähnt.

Als wir in der schnell einsetzenden Dämmerung langsam den Key Deer Boulevard bis zum Ende entlangfuhren, sahen wir mehr als ein Dutzend Hirsche am Straßenrand stehen oder durch die Vorgärten laufen. Auch in der Nähe des „No Name Pub“, dessen Wände lückenlos mit ca. 200.000 Dollarnoten tapeziert sind und den wir zum Abschluss kurz besuchten.

Der „No Name Pub“ auf Big Pine Key.
Der „No Name Pub“ auf Big Pine Key.

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