7. Tag

Auch die Anfahrt in den nördlichen Teil des Nationalparks führte wieder meilenweit an einem Kanal entlang, vorbei an vielen Schleusen. Außerhalb des Schutzgebiets gab es auf beiden Straßenseiten außerdem zahlreiche Anbieter von Airboat-Touren. Vom Shark Valley Visitor Center führte dann ein 15 Meilen langer, asphaltierter Rundweg durch das Gebiet. Die erste Hälfte, die an einem kleinen Kanal entlang zu einem Beobachtungsturm führte, hatte seinerzeit der Ölkonzern Exxon bauen lassen. Weil sich die örtliche Erdölqualität jedoch als zu schlecht erwies, kam es nie zu einer Förderung, nur die Straße blieb erhalten. Während sich meine Mitreisenden für die Rundfahrt mit einer Tram entschied, mietete ich mir ein klappriges Fahrrad, das zwar keinen Komfort aber die Möglichkeit bot jederzeit anzuhalten. Beide Rundfahrt-Varianten dauerten etwa 2 Stunden. Dabei erfuhren wir, dass vor allem das sogenannte Periphyton wichtig für das Ökosystem ist. Es besteht aus Algen, die nur in nährstoffarmem Wasser wachsen, und bildet schwammartige, an Erdnussflips erinnernde Strukturen, die sich zu schwimmenden Matten formen, aber auch den Gewässergrund überziehen. Im trockenen Winter sieht das Periphyton oft grau und tot aus, es beherbergt aber mikroskopisch kleines Leben, das mit den einsetzenden Sommerregen wieder erwacht. Auf den Algen grasen z.B. Apfelschnecken, die ihre Eier außerhalb des Wassers auf Pflanzenstengeln ablegen und selbst als Nahrung für andere Tiere dienen, wie z.B. der bedrohten Schneckenweihe, die sich fast nur von ihnen ernährt. Die gesamte Nahrungskette der Everglades basiert auf nährstoffarmem Wasser. Die von der Landwirtschaft eingetragenen Nitrate und Phosphate führen jedoch dazu, dass statt Periphyton und Sägegras vielerorts dicke Büschel von Rohrkolben wachsen, die nördlich der Parkgrenzen bereits großflächig die ursprüngliche Vegetation verdrängt haben. Um den natürlichen „River of Grass“ zu schützen, muss deshalb die Wasserqualität unbedingt erhalten bleiben.

Bei der Weiterfahrt auf der loop road durch den östlichen Teil des Big Cypress National Preserve standen auf dem ersten Stück links der Straße die Häuser, während sich rechts davon eine Wasserlandschaft mit mehr Alligatoren als im Nationalpark selbst erstreckte. Später war die Straße dann nicht mehr asphaltiert und auf beiden Seiten von natürlicher, waldähnlicher Vegetation umgeben, in der viele Reiher, Anhingas und auch Alligatoren zu sehen waren. Andere Autos begegneten uns dagegen kaum. Unser Stopp an den Resten des Städtchen Pinecrest, das seine Blüte in den 1920-er Jahren erlebt hatte, war nur kurz, denn es gab nur noch ein rostiges Autowrack mit Puppen hinter dem Steuer und zwei alte Zapfsäulen zu sehen, die auf dem Grundstück eines etwas heruntergekommenen Hauses standen, das Unbefugte nicht betreten durften. Nach 24 Meilen hatten wir dann wieder den Tamiami-Trail erreicht und hielten noch kurz am Oasis Visitor Center, wo unter anderem zwei Rosalöffler zu sehen waren. Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir schließlich wieder im Hotel an.

Rundweg am Shark Valley Visitor Center in den Everglades.
Rundweg am Shark Valley Visitor Center in den Everglades.

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