8. Tag

Der erste Stopp des Tages war der Kirby Storter Roadside Park, wo ein Bohlenweg in ein Feuchtgebiet mit vielen Sumpfzypressen führte. Im klaren Wasser um die Bäume herum konnte man viele Fische sehen und auf einem Baumstamm sonnte sich eine schwarze Wassermokassinotter. Von den im Gebiet lebenden Eulen ließ sich aber keine sehen oder hören. Der Namensgeber Kirby Storter war Mitglied der Pionierfamilie Storter aus Everglades City und als Ingenieur für den westlichen Teil des Tamiami-Trails verantwortlich. Vom Baubeginn 1915 dauerte es aufgrund mehrerer Pleiten beteiligter Firmen dann insgesamt 13 Jahre bis die Straße offiziell eröffnet wurde. Die Bautrupps hatten sich zuvor ihren Weg durch das Sägegras gehackt, Pinien und Zypressen gefällt sowie Millionen von Dynamitstangen benutzt, um den örtlichen Kalkfelsen in Schotter für die Straße zu verwandeln. Dabei entstand ein tiefer Kanal parallel zum Tamiami-Trail.

Nach einem weiteren kurzen Fotostopp am kleinsten Postamt der USA, das mit 2,1 x 2,4 m Fläche in Ochopee steht, erreichten wir Everglades City, das als Arbeitersiedlung für den Bau des Tamiami-Trails entstand. 1923 wurde es zum Sitz des Bezirks Collier County ernannt, den man aber nach 1960 als Folge des verheerenden Hurrikans Donna ins sichere Naples verlegte. In der alten Wäscherei des Ortes besuchten wir das Museum of the Everglades, das die Lokalgeschichte dokumentiert und z.B. vom Unternehmer Baron Collier berichtet, der seinerzeit Kirby Storter einstellte und 1920 mit der Rod & Gun Lodge im Ort einen Privatclub errichten ließ, um seine Freunde bei Angel- und Jagdausflügen angemessen bewirten zu können. Als Manager warb er einen Deutschen aus Baden-Baden ab.

Über eine Brücke erreichten wir 5 km weiter südlich den Ort Chokoloskee auf einer Muschelinsel, die vor Jahrhunderten von den Calusa-Indianern aufgeschüttet worden war. Dort steht das Smallwoods Store Museum, ein original Stelzenbau von 1906, in dem der Florida-Pionier Fred Smallwood einen Handelsposten eingerichtet und den Indianern Felle, Schildkröten und Wild abgekauft hatte. Wieder zurück in unserem B&B unterhielten wir uns dann an der Rezeption mit Nancy, die im Winter aus Ohio zum Arbeiten nach Everglades City kommt. Sie berichtete, dass Alligatorfleisch inzwischen wieder auf der Speisekarte vieler Restaurants steht, weil sich die Reptilien, seit sie in den 1960-er Jahren aufgrund der drohenden Ausrottung unter Schutz gestellt wurden, auf geschätzt zwei Millionen Exemplare vermehrt haben. Ihr Fleisch, das geschmacklich zwischen Huhn und Fisch liegt, sei aber so zäh, dass es gut frittiert werden muss. Obwohl die Alligatoren stellenweise schon als Plage gelten und in Pools und Gärten auftauchen, habe es kaum Angriffe auf Menschen gegeben. Haustiere, wie Hunde oder Katzen, stünden aber sehr wohl auf dem Speiseplan, so dass es z.B. eine Attacke auf eine ältere Dame gegeben habe, die ihren Hund verteidigen wollte.

Airboat in den Kanälen von Everglades City.
Airboat in den Kanälen von Everglades City.

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