2. Tag

Die Rundfahrt durch den Peak District-Nationalpark begann mit einem Stopp im idyllischen Örtchen Ashford in the water mit der mittelalterlichen Sheepwash Bridge über den Wye. Dort wurden früher die Mutterschafe zum Waschen in den Fluss getrieben und untergetaucht. Dann schwommen sie flussabwärts, um am gegenüberliegenden Ufer ihre Lämmer wieder zu treffen. Dort wurden die Tiere anschließend in steinerne Gehege gebracht und geschoren.

Auf der Weiterfahrt zum Chatsworth House folgte die Straße dem Fluss Derwent über das 5.000 Hektar große Anwesen. Das Haus mit 300 Zimmern ist seit 400 Jahren im Besitz der Familie Cavendish, die traditionell den Herzog von Devonshire stellt. Die zu besichtigenden Räume der im 18. und 19. Jh zu den mächtigsten Dynastien Englangs zählenden Familie sind teilweise sehr protzig gestaltet. So entschied beispielsweise der 1. Duke Ende des 17. Jh. das Haus eindrucksvoller zu machen, denn er hoffte auf einen Besuch des neuen Königspaares William III. und Mary II., der letztlich jedoch nie stattfand. Für diesen Zweck hatte aber der französische Künstler Louis Laguerre die Eingangshalle schon mit Szenen aus dem Leben von Julius Cäsar gestaltet, weil sich der König mit dem römischen Kaiser und Feldherrn identifizierte. Getreu dem Motto „Dress to impress“ bewunderten und sammelten die Cavendishs zudem Juwelen und edle Kleider. Stella Tennant, die Nichte des 11. Duke Andrew Cavendish, der 2004 starb, ist zudem ein relativ bekanntes Model und war mehrfach auf dem Cover der Vogue. In den Räumen sind daher neben historischen Roben, zum Beispiel für den Hosenbandorden bzw. „Order of the garter“, auch viele Schaufensterpuppen mit Designerroben ausgestellt, die die Räume oft überladen und vollgestopft wirken lassen. Zu besichtigen sind zudem die Gästezimmer, die der 8. Duke Spencer Cavendish Anfang des 20. Jh. renovieren ließ, im goldenen Zeitalter der Hauspartys auf dem Land während der edwardianischen Epoche. Seine Frau Louise Friedericke Auguste Gräfin von Alten hatte der Duke 1892 nach einer 30 Jahre dauernden Affäre geheiratet. Sie organisierte gerne Partys und andere Events, wie Autoausfahrten, Jagden oder Golfturniere, auch für König Edward VII.. Eines der Gästezimmer ist als „Königin der Schotten-Gemach“ bekannt, weil dort Maria Stuart Ende des 16. Jh auf Chatsworth House gefangen gehalten worden sein soll.

Die Bibliothek des Hauses zählt mit etwa 30.000 Büchern zu den größten und bedeutendsten in privater Hand. Zudem ist der Garten im englischen Landschaftsstil ein Frühwerk des berühmten Landschaftsarchitekten Lancelot „Capability“ Brown, der vom 4. Duke engagiert wurde. Die Gartenarbeiten dauerten von 1758 bis 1766, kosteten mehr als 40.000 Pfund und erforderten mehr als 25.000 Manntage.

Nach der Rückfahrt nach Buxton reichte die Zeit am Nachmittag noch für einen Stadtrundgang durch den kleinen Kurort. In gut einer Stunde hatten wir den schönen Pavillon Garden am Wye, das Opernhaus von 1903 und die Innenstadt gesehen. Der nach dem Vorbild von Bath errichtete Crescent wurde gerade renoviert. William Cavendish, der 5. Duke, hatte das Gebäudeensemble 1790 mit den Gewinnen aus seiner Kupfermine in Staffordshire finanziert. Die aufgewendete Gesamtsumme von gut 44.000 Pfund entspricht einem heutigen Gegenwert von 55,2 Millionen Pfund. Zu dieser Zeit war Buxton aber noch nicht mehr ein Weiler mit 200 Einwohnern, einen Tagesritt von Chatsworth House entfernt.

Buxton im Peak District sollte nach dem Vorbild des südenglischen Bath eine mondäne Bäderstadt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor *:

Webseite: