15. Tag

Am Morgen besichtigten wir die Oficina Humberstone. Heute gehört die Industrieanlage mit der dazugehörigen Kleinstadt zum Weltkulturerbe, noch bis 1960 war dort Salpeter abgebaut worden. Die Arbeiter erhielten ihren Lohn seinerzeit in Form von sog. fichas, diese Münzen waren nur in der jeweiligen Salitera und nirgendwo sonst gültig. Auf diese Weise gelangten die ausgezahlten Gelder direkt wieder in die Hände des Minenbesitzers, dem die ganze Siedlung in der Regel gehörte. Noch heute hängt auf dem ganzen Gelände ein leichter Geruch nach dem weißen oder hellgrauen Salz der Salpetersäure in der Luft, das hauptsächlich zur Herstellung von Düngemitteln und Schießpulver verwendet wurde.

Vor der Weiterfahrt ließen wir unseren Reifen flicken. Mit einem dicken Vorschlaghammer wurden Mantel und Schlauch von der Felge entfernt. Wie sich dann schnell herausstellte, hatte ein winziger, aber spitzer Stein ein kleines Loch in den Schlauch gepiekst. Nach einem Abstecher von der Panamericana in die Oase Pica durchquerten wir das Reserva Nacional Pampa de Tamarugal, das von den namensgebenden Tamarugo-Bäumen abgesehen einen genauso trostlosen Eindruck machte wie die Atacama-Wüste außerhalb des Schutzgebiets. An einer Tankstelle trafen wir mit unserem Nissan von 1993 auf ein halbes Dutzend der neuesten Landrover-Modelle, die im Rahmen des „Vuelta Mundo Aventura“, einer von zwei Spaniern organisierten Geländewagentour um die Welt, gerade in Südamerika unterwegs waren.

Nachdem wir weitere stillgelegte und zwei noch aktive Salpeterminen passiert hatten, verließen wir bei der Mine Santa Maria Elena die Ruta 5 und folgten der Straße nach Westen, die zusammen mit je zwei Überlandleitungen auf jeder Seite nach Chuquicamata führte, der größten offenen Kupfermine der Welt. Schon von der Straße, die das Gelände umrundete und auf der Dutzende von Firmenjeeps unterwegs waren, konnte man die quadratkilometergroßen Abraumhalden erkennen, riesige Hügel von Menschenhand. Die Mine wird seit 1915 ausgebeutet und bietet noch Vorräte für zwei oder drei Jahrzehnte. Möglicherweise werden also in fernerer Zukunft Touristen die stillgelegte Anlage genauso besichtigen, wie wir es heute in Humberstone getan hatten.

Im 12 km entfernten Calama war unübersehbar, dass die Minenarbeiter mit einem Durchschnittsverdienst von 1.500 US$ zu den bestbezahlten Leuten in Chile gehören. Nicht nur schmucke Einfamilienhäuser und der Glaspalast der staatlichen Kupfergesellschaft Codelco deuteten auf einen gewissen Wohlstand hin. Unter dem Dach des riesigen Einkaufszentrums, das den Vergleich mit Alto las Condes in Santiago oder europäischen Malls nicht zu scheuen braucht, befanden sich neben Restaurants und einem Multiplex-Kino auch zahlreiche Shops weltbekannter Modemarken.

Das Weltkulturerbe Oficina Humberstone in der Atacama-Wüste.

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