3. Tag

Nach dem „White Peak“, dem südlichen Teil des Peak District-Nationalparks mit hellem Kalkstein, den wir am Vortag erkundet hatten, führte die heutige Route durch den „Dark Peak“ im Norden, mit dunklem Sandstein, aus dem früher Mühlsteine gehauen wurden. Das erste Ziel war Castleton, ein kleiner Ort mit schönen Sandsteinhäusern und einer normannischen Burgruine an der Grenze zwischen White Peak und Dark Peak. In der Umgebung gibt es auch mehrere Tropfsteinhöhlen. Die Speedwell Cavern wartet dabei mit einem unterirdischen See auf und die Treak Cliff Cavern mit einem Bergwerk für Flussspat, auch Fluorit genannt. Dieses Mineral ist in der Region als „Blue John“ bekannt und wird zu Schmuck verarbeitet.

Die Weiterfahrt führte mit bis zu 28% Steigung über den kurzen Winnats Pass, der ein prähistorisches Korallenriff durchschneidet, hinauf auf die Hochebene zum 571 m hohen Mam Tor. Über Generationen als „Mother Hill“ bekannt, war der Hügel schon vor 3.000 Jahren die Heimat eines Kelten-Stammes, der dort eine befestigte Siedlung mit Grabhügeln errichtete.

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg ins Lake District, vorbei an Manchester, wo es am Vorabend bei einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande einen Terroranschlag mit 22 Toten gegeben hatte. Die Schilderbrücken an den Ausfahrten der Autobahn in die Stadt wiesen deshalb auf Verkehrsbeeinträchtigungen in der Innenstadt hin. Dieses schreckliche Ereignis passte überhaupt nicht zu unserem Tagesziel: Ein schön im Grünen gelegenes Cottage bei Kirkby Lonsdale. Dort setzten wir uns bei strahlendem Sonnenschein gleich auf die Terrasse hinter dem Haus und schauten den Schafen auf der Weide zu. Dabei stieg uns der Duft von Rosen in die Nase und am Himmel kreisten die Schwalben.

Als wir später die umliegenden Weiden erkundeten, kamen wir mit einem hemdsärmeligen Landwirt ins Gespräch, der sich mit britischem Humor gern über Gott und die Welt unterhielt. Er sei gegen den Brexit gewesen, denn er sähe keinen Sinn darin. Außerdem sei es grundsätzlich besser in einem Kreis von Leuten bzw. Ländern zu stehen und hinaus zu pinkeln als umgekehrt. Politikern können man ohnehin grundsätzlich nicht trauen, auch Premierministerin Theresa May nicht. Dann fragte er scherzhaft woran man erkennen könne, dass ein Politiker lüge. Daran, dass er die Lippen bewegt.

Zu den allgegenwärtigen Schafen erzählte der Landwirt, dass sich ihre Haltung garnicht mehr lohne. Die Lämmer könne man schlachten, aber das Scheren der Mutterschafe sei teurer als der Preis, der sich mit der Wolle erzielen lasse. Das Fleisch sei heutzutage nur noch während des Ramadan begehrt, sonst werde oft Tierfutter daraus. Zum Abschluss erklärte er noch, dass er früher begeisterter Schütze gewesen sei, gerne Zielschießen gemacht hätte und auf Fasanenjagd gegangen wäre. Doch aufgrund der strengen Waffengesetze sei beides inzwischen schwierig geworden. Sein Schwiegersohn habe daher extra nach Polen reisen müssen, um Wildschweine zu jagen. Dort hätte ihn aber letztlich ein Abend mit viel Wodka um den Jagderfolg gebracht.

Im „White Peak“, dem südlichenn Teil des Peak District-Nationalparks, führt der Winnats Pass hinauf auf die Hochebene zum Mam Tor.

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