4. Tag

Die erste Station im Lake District-Nationalpark mit 16 großen Seen und den fünf höchsten Bergen Englands mit bis zu 978 m hohen Gipfeln war der Doppelort Windermere und Bowness-on-Windermere am gleichnamigen See. Mit 18 km ist er der längste See Englands und ein Touristen-Zentrum. Südlich des Doppelortes quert ihn eine Fähre an einer nur 500 m breiten Stelle und bringt Autos und Besucher nach Far Sawrey. An der Straße zum Anleger standen Schilder: „Von hier 60 Minuten zur Fähre“, “… 40 Minuten …“ und „… 20 Minuten…“. Da die Hauptsaison aber noch nicht begonnen hatte, standen vor uns nur zwei Fahrzeuge in der Schlange. Am gegenüber liegenden Ufer angekommen, fuhren wir weiter nach Hawkeshead, einem hübsch herausgeputzten Dorf mit vielen Pubs und Geschäften sowie der St.Michael and All Angels Church auf einem Hügel mit schönem Ausblick. In dem Ort gibt es auch die Beatrix Potter Gallery mit Zeichnungen der in England berühmten Kinderbuchautorin, die von Peter Hase erzählte und viele weitere Tiergeschichten erfand. Als wir der Straße weiter folgten, kamen wir dann an Hill Top vorbei, dem Anwesen mit dem Farmhaus der Schriftstellerin. Ein paar Kilometer weiter stoppten wir an einem Fußweg, der zum Tarn Hows führte. Wir passierten mehrere Gatter und einen kleinen Laubwald, der von einer mit Moos und Flechten bewachsenen Schiefermauer gesäumt war, wie es zehntausende in der Region gibt. Nach einer halben Stunde erreichten wir eine grasbewachsene Hügellandschaft. Dort stand das einsame Rose Castle Cottage mit einigen Schafen im verwaisten Garten und hinter dem Haus lag der malerische See in einer Senke.

Auf der Weiterfahrt am Lake Coniston vorbei sahen wir das kleine Dampfboot „Gondola“ auf dem Wasser. Es hatte von 1859 bis 1937 im Liniendienst den See befahren, wurde 1980 restauriert und ist seitdem wieder mit Touristen unterwegs. Die Straße zurück nach Ambleside am Nordufer des Lake Windermere führte am Abzweig zum Hartknott Pass vorbei. Dieser ist mit 30% Steigung die steilste Straße Englands und schlängelt sich als schmale Piste in Serpentinen hinauf in die raue Bergwelt. Da wir schon von unten gesehen hatten, dass die Gipfel in dichte Wolken gehüllt waren, die wie Trockeneis sehr schnell und in der Bewegung deutlich sichtbar in die Täler hinab waberten, verzichteten wir auf diesen Abstecher, der bei freier Sicht einen tollen Ausblick bis zur irischen See im Westen bietet.

Zurück am Cottage spazierten wir nach dem Abendessen noch über eine alte und zugewucherte Eisenbahntrasse durch die Schafweiden nach Cowan Bridge. In dem kleinen Ort war früher ein Mädchenpensionat gewesen, das die Brontë-Schwestern besucht hatten, die als Schriftstellerinnen und durch ihre tragische Familiengeschichte bekannt wurden. Die beiden ältesten Mädchen Maria und Elisabeth fielen der in der Schule ausgebrochenen Tuberkulose zum Opfer. Ihre drei Schwestern schrieben zuerst Gedichte und später Romane, die zu den Klassikern der englischen Literatur gehören. Die beiden bekanntesten sind „Jane Eyre“ und „Wuthering Heights“. Aber auch sie starben früh, so dass ihr Vater sein jüngstes Kind letztlich um neun Jahre überlebte.

Im Lake District-Nationalpark liegt der malerische Tarn Hows in einer kleinen Senke.

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