5. Tag

Das heutige Ausflugsziel, der Yorkshire Dales-Nationalpark, ist 1.773 km2 groß, wird aber nur von 22.000 Menschen bewohnt, die in kleinen Dörfern leben. Das Schutzgebiet umfasst den mittleren Teil des Pennine-Gebirges mit diversen Tälern, die in Nordengland „Dales“ heißen. Die Hänge der Täler präsentierten sich uns zuerst kahl und felsig, nur an einigen Stellen gab es ältere Aufforstungen mit schnell wachsenden Nadelbäumen für die moderne Holzwirtschaft. Neuere Aufforstungen waren dagegen mit ursprünglich dort heimischen Laubbäumen bepflanzt, die durch Röhren um die Stämme vor Wildfraß geschützt waren.

Unsere Route führte zuerst ins Ribblesdale, wo das Ribblehead Viadukt steht. In den Jahren 1870-1875 erbaut, war es die letzte von Streckenarbeitern überwiegend mit Muskelkraft errichtete Eisenbahnbrücke in Großbritannien. Für den Bau des 400 m langen und 32 m hohen Viadukts und des dazugehörigen Blea Moor Tunnels in einer der wildesten Gegenden Englands, lebten Tausende von Arbeitern jahrelang in unkontrollierten Camps. Diese erinnerten mit ihren Holzhütten und schlammigen Wegen an die Pionierstädte des Wilden Westens in den USA. Die beim Bau umgekommenen Männer sind auf dem winzigen Friedhof von Chapel le Dale begraben. Wir hatten das Viadukt an einem sonnigen Tag mit angenehmen 25 °C gesehen, ein Engländer, den wir trafen, erzählte jedoch er sei jetzt zum fünften Mal in diesem Nationalpark und normalerweise sei es immer nass und kalt gewesen.

Die nächste Station war Hawes im Wensleydale. Dort produziert die Wensleydale Creamery den berühmten weißen, leicht säuerlichen Wensleydale Cheese, der durch die Trickfilme mit Wallace und Gromit als Wallace Lieblingsspeise bekannt geworden ist. Wir kauften auch zwei kleine Stücke und fuhren dann weiter zum Hadraw Force, dem mit 30 m höchsten ununterbrochenen Wasserfall Englands. Er ist eigentlich nicht besonders spektakulär, war aber 1991 ein Drehort von „Robin Hood – König der Diebe“. In dem Hollywoodfilm badete dort Kevin Costner nackt und gedoubelt. Wer den Wasserfall sehen möchte, muss zweieinhalb Pfund Eintritt bezahlen, denn er liegt auf dem Grundstück des „The Green Dragon Inn“, einem Pub aus dem 13. Jh., der eigentlich sehenswerter ist als der Hadraw Force. Zurück auf der Hauptstraße durch das Wensleydale stoppten wir gegen Mittag am Fluss Ure bei einer alten Mühle und den dreistufigen Aysgarth Falls, die eher größere Stromschnellen sind.

Zum Abschluss der Rundfahrt besuchten wir noch das Dorf Malham. Die kleine Straße dorthin war nur für „light vehicles“ geöffnet und führte durch saftig grüne Hänge mit hunderten von Kilometern der für den Nationalpark charakteristischen, teilweise Jahrhunderte alten Schiefermauern und noch mehr Schafen. Die Sehenswürdigkeit von Malham sind die Kalksteinklippen „Malham Cove“, die ein fast 100 m hohes natürliches Amphitheater bilden. Die Gesteinsformation entstand vor 50.000 Jahren als ein gewaltiger Gletscher auf dem Kalksteinplateau schmolz und einen großen Wasserfall speiste. Durch das Eis und Verwitterung entstand auch das „Limestone Pavement“, zu dem man über einige hundert Stufen vom Fuß des Malham Cove hinaufsteigen kann. Der Fels ist dort von vielen großen Spalten durchzogen und sieht aus wie ein riesiges Kopfsteinpflaster. Vom „Peregrine Point“ hatten wir zudem einen tollen Blick über das Tal. Die namensgebenden Wanderfalken ließen sich zwar nicht blicken, aber immerhin viele Raben und Dohlen. Später entdeckten wir auf dem Rückweg ins Dorf auch noch zwei Fasane mit ihren Hennen in den Wiesen.

Im Yorkshire Dales-Nationalpark bilden die Kalksteinklippen „Malham Cove“ ein fast 100 m hohes natürliches Amphitheater.

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