6. Tag

Wir fuhren über die Autobahn bis Carlisle und wechselten dann auf die alte Militärstraße B6318, die von dort dem UNESCO-Weltkulturerbe „Hadrian’s Wall“ durch die Landschaft folgt. Die Pläne für die 117,5 km lange nördliche Grenzbefestigung der römischen Provinz Britannia entstanden nach der schwierigen Eroberung Nordenglands durch Feldzüge in den Jahren zwischen 78 und 84 n.Chr.. Entlang der 5 m hohen und 3 m breiten Mauer entstanden schließlich 13 Forts mit 80 kleineren Kontrollposten mit Wachtürmen dazwischen. Mit 10.000 Soldaten waren in Britannia so im 2. Jh. n. Chr. mehr Legionäre stationiert als in jeder anderen Provinz. Der Grenzwall verläuft auf den Kämmen der Cheviot-Hügel, begann aber nach dem Rückzug der Römer Anfang des 5. Jh. zu verfallen und wurde dann auch als Steinbruch benutzt. Daher ist heute auf weiten Teilen der Strecke nichts mehr von dem historischen Bauwerk zu sehen. In Willowford East ist jedoch noch ein großes Stück des von 122 bis 410 n.Chr. bemannten Grenzwalls mit dem Fundament des Wachturms 48a zu besichtigen.

Unser nächster Stopp war dann der Cawfields Quarry. Dort hat der spätere Abbau von Dolorit, örtlich Whinstone genannt, die römische Mauer zerstört. Der alte Steinbruch ist aber auch einer der dunkelsten Orte Northumberlands und gehört zum International Dark Sky Park, einem, zumindest bis zum verkündeten Brexit, von der EU vor Ort geförderten Projekt.

Auf den nächsten 15 Kilometern folgte die Straße dem Fernwanderweg „Hadrian’s Wall Path“, vorbei an vielen noch erhalten gebliebenen Mauerresten. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten sind dort das römische Militärlager Vindolanda und Fort Housesteads. Vindolanda gehörte zu den frühesten Befestigungen an der römischen Militärstraße und entstand schon 40 Jahre vor dem Bau des Walls. Fort Housesteads ist dagegen das besterhaltene römische Fort in ganz Großbritannien. Es umfasst auch die Reste der Stadt, in der die Familien der Soldaten lebten. Wir verzichteten jedoch auf einen Besuch der beiden ärchäologischen Stätten, denn mit Xanten am Niederrhein und dem Römermuseum in Haltern gibt es nur eine Fahrstunde von Bochum entfernt zwei mindestens genauso sehenswerte Museen.

Am Nachmittag fuhren wir weiter über Heddon-on-the-Wall nach Chester-le-Street zur Lumley Castle. Die historische Kastellburg über dem Fluss Wear ist nach Ralph Lumley benannt, der das Herrenhaus seiner Familie aus dem 9. Jh im Jahr 1389 zur Burg umbauen ließ. Nach der Sage „The Lily of Lumley“ soll Ralph Lumley vor seiner Ehe mit Eleanor Neville mit einer Frau namens Lily verheiratet gewesen sein, die ermordet wurde. Zwei Geistliche sollen sie in einen Brunnen geworfen haben, als sie nicht die katholische Konfession annehmen wollte. Ihrem Mann hätten sie erzählt, seine Frau hätte ihn verlassen, um Nonne zu werden. Lilys Geist soll bis heute aus dem Brunnen in die Burg kommen. 1976 wurde die Burg zum Hotel gemacht.

Am Abend stand dort ein „Elizabethan Banquet“ auf dem Programm, fünf Gänge deftige Hausmannkost, die man nur mit einem Messer und den Händen essen sollte. Auch bei den Gästen ging es dabei teilweise deftiger und lauter zu. Für das Verspeisen der Gemüsesuppe ohne Löffel gab der Zeremonienmeister unter anderem den Tipp, dass der Schotte „Dunk-in Suck-it“ dazu mit Hilfe einer Scheibe Brot ein praktikables Verfahren entwickelt habe.

Zwischen den Gängen gab es Gesangs- und Schauspieleinlagen der kostümierten Lords und Ladies of the Court. Die Burg, mit moderaten Preisen für ein 4 Sterne Hotel, bietet für Geld so ziemlich alles an, vom Geschäftsmeeting über eine Geburtstagsfeier bis hin zur Hochzeit. Das Exklusivpaket für mindestens 80 Gäste mit 16 Doppelzimmern, Frühstück und Abendbüffet gibt es ab 12.995 £.

Das UNESCO-Weltkulturerbe „Hadrian’s Wall“ bildete früher die 117,5 km lange nördliche Grenzbefestigung der römischen Provinz Britannia.

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