7. Tag

Wir fuhren ins nur 13 km entfernte Durham. Die 40.000 Einwohner-Stadt ist seit 1832 nach Oxford und Cambridge die drittälteste Universitätsstadt des Landes. Die Burg und die Kathedrale gehören zudem seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die historische Altstadt liegt auf einer kleinen, vom Wear umflossenen Landzunge. Der gut zu verteidigende Ort wurde 995 zur Ruhestätte für den heiligen Cuthbert, den Mönche von der Gezeiteninsel Lindisfarne aus Chester-le-Street hergebracht hatten. So entstand in Durham schnell eine erste Pilgerkirche und am 11. August 1093 wurde der Grundstein für die Kathedrale im normannischen Stil gelegt, die halb Kirche und halb Festung ist. 1104 bettete man die Gebeine von Cuthbert in die Apsis hinter dem Hochaltar um und 1133 war der Bau fast vollendet, als erste englische Kathedrale mit einem Dach nur aus Steingewölben. Der Schrein des Heiligen war bis zur Reformation unter Heinrich VIII. einer der schönsten des Landes, bedeckt mit Gold, Silber und Edelsteinen, die Pilger gespendet hatten. 1448 besuchte König Heinrich VI. den Schrein, 1483 Richard III. und 1503 auch Margaret Tudor. Als Heinrich VIII. den Schrein 1537 öffnen ließ, fand man im Sarg angeblich keine Knochen und keinen Staub, sondern den nicht mumifizierten, frisch aussehenden Körper von Cuthbert. Schon 1542 wurde ein neuer Schrein gebaut, der bis heute in der Kirche steht.

Vom Kloster auf Lindisfarne stammt auch der Grundstock für die Bibliothek, die die vollständigste mittelalterliche Büchersammlung von Großbritannien besitzt, mit Manuskripten aus dem 6. Jh.. Einer der größten Schätze sind die Lindisfarne Gospels, die der Mönch Eadfrith, der 698 Bischof von Lindisfarne wurde, verfasst und illustriert hat. Die Schriften sind berühmt für ihre schönen Dekore, die keltische und angelsächsische Designs kombinieren. Dabei kamen über 40 Farben zum Einsatz, hergestellt aus Pflanzenfasern und Mineralien, teilweise von weit her, gebunden mit Eiweiß. Das Rot bestand zum Beispiel aus zerstoßenen Insekten, die auf Eichenbäumen im Mittelmeerraum lebten, und das Blau aus Lapislazuli vom Fuß des Himalaya. Geschrieben wurde das Manuskript auf Pergament aus 129 Kalbshäuten, die teilweise aus der Gemeinde stammten oder Geschenke von anderen Gemeinden, Königen und Adligen waren.

Das mittelalterliche Kloster der Kathedrale hat die Reformation besser überstanden als alle anderen in England. Die Burg von Durham ließ Wilhelm der Eroberer 1071 als Befestigung gegen die Schotten bauen, die die Stadt bereits 1006 und 1038 vergeblich belagert hatten. Die Burg wurde nie eingenommen und gehört heute der Universität.

Lange belagert wurde auch Dunstanburgh Castle, die wir nach der Weiterfahrt nach Seahouses am späten Nachmittag während eines Wolkenbruchs ansteuerten. Als wir auf dem Fußweg zur malerisch über dem Meer bei Craster gelegenen Ruine unterwegs waren, schien aber schon wieder die Sonne. Heinrich IV. hatte die Burg zur königlichen Festung ausgebaut, die Schäden der Belagerung von 1461 wurden aber nie repariert und so verfällt das Gemäuer seit 400 Jahren.

Die historische Altstadt von Durham mit Kathedrale und Burg liegt auf einer kleinen, vom Wear umflossenen Landzunge.

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