2. Tag

Aufgrund der unübersichtlichen Parksituation warfen wir nur im Vorbeifahren einen kurzen Blick auf das Gelände des MIT und den Campus von Harvard in Bostons Schwesterstadt Cambridge. Bei trockenem aber bedecktem Wetter erreichten wir dann Lexington. Der wohlhabende Vorort von Boston war zusammen mit dem 5 Meilen weiter westlich liegenden Concord einer der entscheidenden Schauplätze des Unabhängigkeitskrieges. In der Nacht des 18. April 1775 hatte General Thomas Gage, der königliche Gouverneur von Massachusetts, 700 britische Soldaten über den Charles River setzen lassen, die in den frühen Morgenstunden des 19. April nach Concord aufbrachen, um dort die Waffen, die die Kolonisten gesammelt haben sollten, zu finden und zu zerstören. Als der Aufbruch der Truppen in Boston von den Rebellen bemerkt worden war, schickten sie mit Paul Revere und William Davis zwei Reiter ins auf der Strecke der Soldaten liegende Lexington. Dort hielten sich im Haus des Pfarrers Jonas Clarke die Anführer der Patrioten Samuel Adams und John Hancock auf, und man fürchtete die Armee würde sie festnehmen wollen. Als diese im Morgengrauen auf der Dorfweide von Lexington eintraf, hatte Milizkapitän John Parker dort 77 Minutemen versammelt, die so hießen, weil sie binnen weniger Minuten einsatzbereit zu sein hatten. Als sich die Truppen gegenüber standen, fiel ein Schuss. Niemand weiß, wer ihn abgefeuert hatte, aber es begann ein Feuergefecht, das acht Milizionären das Leben kostete. Danach setzen die Briten ihren Marsch nach Concord fort. Die Nachricht von den Kämpfen verbreitete sich währenddessen in Windeseile und immer mehr Minutemen versammelten sich in Concord, wo sie die königlichen Soldaten schließlich an der North Bridge stellten. Diese zogen sich daraufhin hinter die Brücke zurück und als sie zwei weitere Milizionäre erschossen, gab Rebellenmajor John Buttrick dann seinen Leuten zum ersten Mal den Befehl auf die Briten zu schießen. Nach schweren Gefechten begann die Armee schließlich mit dem Rückzug nach Boston, verfolgt von den Milizen, die aus der Deckung von Bäumen, Mauern und Häusern heraus auf sie schossen. Die Soldaten erhielten schließlich Unterstützung von 1.000 ausgerückten Kameraden, die Kanonen mitgebracht hatten, und konnten sich so in den Schutz der Geschütze der im Hafen von Boston liegenden HMS Somerset retten.

In Lexington besichtigten wir erst einen alten Eisenbahnschuppen, dann das Battle Green, die alte Dorfweide mit dem Denkmal des Minutemen John Parker, und ließen uns schließlich im Hancock-Clarke House von den beiden älteren, ehrenamtlichen Museumsmitarbeiterinnen zu einer Führung für 7 US$ pro Person überreden. Dabei erfuhren wir sehr viele Details über die Familie des Pfarrers, seine 12 Kinder und die Ereignisse der Nacht, die eine seinerzeit 12-jährige Enkelin 60 Jahre später in einem Brief geschildert hatte. Zum Beispiel versuchte man Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen.

Als wir schließlich eine gute halbe Stunde später als geplant zu unserem Auto zurückkehrten, war die Parkuhr abgelaufen und hinter dem Scheibenwischer klemmte ein Strafzettel über 10 US$, weil wir 25 Cent zu wenig eingeworfen hatten. Also mussten wir erst zur Polizeistation, um das Knöllchen zu bezahlen, und konnten dann auf der „Battle Road“, über die einst die britischen Soldaten marschiert waren, nach Concord fahren. Einem kleinen Ort mit hübsch renovierten Häusern und vielen Geschäften, sowie teilweise leuchtend roten Laubbäumen. Dort gab es in einem Bistro an der Hauptstraße als Mittagessen Paninis mit hausgemachten Pommes aus Süßkartoffeln und einen Bio-Salat mit Cranberries, Mandarinen, Walnüssen und Roquefort-Käse. Nach einem kurzen Spaziergang zum Nachbau der North Bridge mit einem kostümierten Minutemen fuhren wir zurück über die Battle Road mit zahlreichen historisch mehr oder weniger bedeutsamen Sehenswürdigkeiten und dann weiter über die Interstate nach Portsmouth bzw. zu unserem Motel im Nachbarort Kittery. Wir waren fast die einzigen Gäste und der Manager erklärte es sei Nebensaison und bei grauem Wetter kämen nur wenige „leaf peeper“. Der abendliche Kurzbesuch in den Outlets an der Straße war erwartungsgemäß enttäuschend. Es waren nur wenige Kunden dort, im Levis Store gab es nicht eine einzige Jeans in Länge 38 und auch das Angebot der anderen Shops war mäßig attraktiv. Wir fuhren dann noch weiter nach York, wo wir auf der Suche nach einem Supermarkt erst eine Drogerie mit kleiner Lebensmittelabteilung fanden. Die Kassiererin war sehr nett und schrieb uns für den nächsten Tag eine Wegbeschreibung zu einem günstigen Parkhaus in der Innenstadt von Portsmouth auf, denn die Polizei sei bei abgelaufenen Parkuhren sehr streng. Im großen Supermarkt einen Block weiter gab es dann sogar rote Bananen und ein Becken mit lebenden Hummern.

Die historische Buckman Tavern an der Battle Road in Lexington.
Die historische Buckman Tavern an der Battle Road in Lexington.

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