14. Tag

Am Morgen fuhren Vanessa, Richard und Walter, Werner mit seiner Tochter Lara und Harried aus Neuseeland zurück nach Cuzco. Harried war eine Woche als Volunteer in der Lodge gewesen und hatte ein wenig enttäuscht berichtet, dass sie kaum etwas zu tun gehabt habe. Während alle an der Straße auf den Bus warteten, filetierte Walter den am Vortag gekauften Fisch und wickelte ihn in Bananenblätter, die er verschnürte und dann ungekühlt in einem verschließbaren Plastikfass verstaute. Ich blieb mit Raul, einer Art Hausmeister, und drei Spaniern in der Lodge zurück. Pepe war Mitte vierzig und Hobby-Ornithologe, Gisela war Mitte zwanzig und studierte Tourismus und Martha war Anfang zwanzig und auf großer Weltreise.

Als ich in die Küche kam, um beim Spülen des Frühstücksgeschirrs zu helfen, erblickte ich ein ziemliches Chaos. Überall lagen Kochutensilien und teilweise schon überreifes Obst und Gemüse herum. Richard hatte die drei Spanier immer nur geringschätzig als „Los fumadores“, die Raucher, bezeichnet, die sich in der Lodge eine schöne Zeit machen würden. Später gingen Raul, Pepe und ich ins 20 Minuten Fußmarsch entfernte Chontachaca, wo Rauls Ehefrau Marie, die tageweise auch in der Lodge mithalf, einen kleinen Laden betrieb, der sogar eine Kühltruhe hatte. Nachdem wir eine kalte Sprite getrunken hatten, gingen wir zur Lodge zurück, dabei entdeckte Raul einen farbenprächtigen Berg-Tukan in einem leider sehr weit entfernten Baum.

Am Abend notierte sich Martha auf einem kleinen Notizblock einige Stichpunkte aus einem Manu-Buch, das ein peruanischer Tourguide geschrieben hatte, und aus „Birds of Peru“, einem Standardwerk der Princeton University. Am nächsten Tag sollte sie eine fünfköpfige spanische Touristengruppe durch die Zona Cultural führen. Darüber dass die drei Spanier schon nach ein paar Tagen Selbststudium als Guides auftraten, hatte sich Richard ebenfalls missbilligend geäußert. In Peru dauerte die offizielle Ausbildung zum Guide nämlich zwei Jahre und beinhaltete ein mehrmonatiges Praktikum im Urwald. Richard war dazu im Camp Cocha Cashu in der nur für Wissenschaftler zugänglichen Zona Natural gewesen.

Ein Siebenfarbentangar oder Paradiestangar (Tangara chilensis).

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