3. Tag

Wir fuhren in wenigen Minuten über die Bucht zurück nach Portsmouth. In der Altstadt mit  ihren roten Backsteinhäusern öffneten die zahlreichen kleinen Geschäfte erst um 10 Uhr, und so spazierten wir bald vom Market Square am kostenlosen städtischen Parkplatz vorbei weiter ins ehemalige Rotlichtviertel. Auf dem Gelände der ersten Siedlung, benannt nach den dort gefundenen wilden Erdbeeren, befindet sich heute das Strawberry Banke Museum mit 42 Häusern aus 300 Jahren Stadtgeschichte. Ehrenamtliche Helfer oder Schauspieler in historischen Kostümen schilderten in den 20 von innen zu besichtigenden Gebäuden die Geschichte ihrer Bewohner und erläuterten die Einrichtung. Das Goodwin Mansion, in dem von 1832-1896 der Gouverneur Ichabod Goodwin gewohnt hatte, stand ursprünglich in der Islington Road, wurde in vier Teile zerlegt, auf Tiefladern ins Museum gebracht und dort wieder aufgebaut, um es vor dem Abriss zu retten. Zum Haus gehört ein schöner, viktorianischer Garten mit vielen Blumen und einigen Monarch-Faltern, der nach den Tagebuch-Aufzeichnungen der Gouverneursgattin Sarah Parker Rice Goodwin angelegt wurde. Im Cotton Tenant House von 1835 konnten die Besucher an einigen Webstühlen selbst Hand anlegen und erfahren, dass die ersten Kolonisten keine Webstühle und keine Merino-Schafe besitzen durften, damit sie abhängig von den aus England importierten Textilien blieben und selbst nur schlechte Wolle hatten. Baumwolle war damals eine sehr teure Alternative, weil die Samen noch von Hand entfernt werden mussten, bevor man sie zu Fäden spinnen konnte. Im Shapiro House, das im 19. Jh. eine Russisch-Jüdische-Einwandererfamilie bewohnte, kochte eine Schauspielerin gerade Kartoffelsuppe und im Wheelwright House gab es eine Küchendemonstration aus dem 18. Jh.. Zu dieser Zeit war die Bevorratung von Lebensmitteln ein großes Problem, da aber Kabeljau nur wenig Öl enthält, war dieser Fisch zum Beispiel geeignet für 1-2 Wochen in Salz eingelegt und so getrocknet zu werden. Danach war er bis zu 10 Jahre lang haltbar, allerdings musste man ihn vor dem Verzehr erst für mehrere Tage in Wasser einweichen. Auch die Funktionsweise eines Toe-Toasters wurde gezeigt. Dieses Gerät bestand aus einem senkrechten Rost, in den man Brotscheiben legte und der so auf einem Fuß montiert war, dass man ihn mit dem Zeh anstoßen und um 180° drehen konnte, um das Brot am Feuer von beiden Seiten zu rösten.

Gegen Mittag fuhren wir weiter zur kleinen Hafenstadt Rockland an der Penobscot Bay, wo wir im für sein Seafood bekannten Rockland Café einkehrten. In einem extra aufgestellten Aquarium war dort als Rarität ein halbseitig gelb und blau gefärbter Hummer zu bewundern, der vor wenigen Tagen in der Bucht gefangen worden war. Für 13,99 US$ stand ein ganzer Hummer mit Pommes und Coleslaw auf der Speisekarte und für je 7 US$ mehr konnte man eine zweiten und dritten Hummer dazu bestellen, die aus einem weiteren Aquarium direkt in den Topf kamen. Mir reichte aber einer, den die Serviererin dann mit einer Plastikschürze, einer Art Nussknacker mit geraden Armen und einer kleinen Gabel brachte. Zum fachgerechten Verzehr bricht man am Hinterleib und den großen Scheren der Greifarme jeweils den Panzer auf, zieht dann mit der Gabel das weiße, leicht süßlich schmeckende Fleisch heraus und taucht es in zerlassene Butter mit etwas Zitrone.

Am späten Nachmittag spazierten wir noch eine 7/8 Meile über einen Wellenbrecher zum in der Hafeneinfahrt stehenden Breakwater Lighthouse hinaus. Dabei konnten wir ein kleines Fischerboot beobachten, das seine beidseitig nur ein paar Meter neben dem Steindamm versenkten und mit roten Bojen markierten Hummerfangkörbe kontrollierte und mit neuen Ködern bestückte. Die gefangenen Hummer wurden vermessen und die zu kleinen Tiere gleich ins Wasser zurück geworfen, denn abhängig von der Wassertemperatur sind sie erst nach 5-7 Jahren ausgewachsen. Die Weibchen legen zudem erst neun Monate nach der Paarung ihre Eier ab und tragen sie dann weitere 9-12 Monate an der Unterseite ihres Schwanzes mit sich herum. Wenn die jungen Hummer schließlich schlüpfen, sind sie nicht größer als ein Stecknadelkopf und haben noch keine Scheren.

Fischer kontrollieren ihre Hummerkörbe am Breakwater Lighthouse in Rockport.
Fischer kontrollieren ihre Hummerkörbe am Breakwater Lighthouse in Rockport.

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