21. Tag

Nach dem guten Frühstück deponierten wir unsere Koffer im Gepäckraum des Hotels und setzen uns zunächst eine Weile an den Hotelstrand. Dann machten wir noch einen letzten Rundgang durch Stonetown. Nach nur wenigen Meter kamen wir am Geburtshaus von Freddy Mercury vorbei, der dort 1946 als Farrokh Bulsara geboren wurde und mit seinen aus Indien stammenden, parsischen Eltern Bomi und Jer sowie seiner Schwester in Stonetown wohnte, bis er acht Jahre alt war und auf die St. Peter’s english boarding school in Indien geschickt wurde. In dieser Zeit begannen seine Freunde ihn Freddie zu nennen. In den Ferien besuchte er oft seine Eltern und kehrte 1962 nach Sansibar zurück. 1964 verließen aber die Bulsaras wie viele andere britische und indische Familien die Insel und Freddie gelangte auf eine andere Insel: Großbritannien. Dort begann sein Leben als Rockstar, nachdem er an der Uni mit seinen Kommilitonen die Band „Queen“ gegründet hatte, die bald zu Weltruhm gelangte. Auch als Star besuchte Mercury weiterhin Verwandte und einen alten Freund in Stonetown und wohnte dabei in seinem Elternhaus, wie dort eine Tafel an der Hauswand berichtet.

Obwohl es ein heißer Tag war, war es im Schatten der engen Gassen angenehm kühl. Da dort kein Auto hindurchpasste, sahen wir an einem Zugang zur Altstadt, wie ein Träger eine ganze Europalette Wasserflaschen auf seinen einachsigen Handkarren umlud, um sie damit die letzten Meter zum Laden zu transportieren.

Wir gingen dann weiter zur Anglikanischen Kathedrale, die 1887 auf dem ehemaligen Sklavenmarkt im Zentrum von Stonetown erbaut wurde. Auf dem Gelände (Eintritt 5 US$) gibt es auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Sklaven auf Sansibar. Dort erfuhr man zum Beispiel, dass der berühmte und gefürchtete Sklavenhändler Tippu Tip, dessen imposantes, inzwischen aber ziemlich baufälliges Haus man heute noch von außen anschauen kann, von 1837 bis 1905 lebte. Geboren als Hamad bin Muhammad bin Jumah bin Rajab bin Mohammad bin Said al-Murghabi bekam er seinen Spitznamen nach dem Geräusch, das seine Pistolen machten. Sein Vater war ein erfolgreicher Händler auf den Karawanenrouten und seine Mutter gehörte der herrschenden Klasse der Omani an. Tippu Tip selbst wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der mächtigste Händler in Zentralafrika und der führende Elfenbeinlieferant. Michel W. Shepard, ein Händler, der Sansibar 1844 besuchte, vermerkte dazu in seinem Tagebuch: … Es ist üblich zu einem Stoßzahn einen Sklaven dazu zu kaufen, der ihn zum Hafen trägt. Dann wird beides nach Sansibar gebracht und dort verkauft.

Tippu Tip hatte auf dem Höhepunkt seiner Macht mehr Männer und Waffen unter seinem Kommando als alle anderen Händler und Stammeschefs der Umgebung zusammen. Aufgrund seiner geschäftlichen und politischen Fähigkeiten traf er auch viele europäische Entdecker und unterstützte sie bei ihren Expeditionen, so dass er in ihren Kreisen einen guten Ruf genoss. Ganze Gegenden unter seiner Kontrolle wurden aber komplett entvölkert, um den Nachschub an Sklaven und Elfenbein zu sichern. Seine Macht sicherte auch eine Gruppe von loyalen arabischen und Swahili-Führern. Zu letzteren zählte zum Beispiel Rumaliza, der Sultan von Ujiji in Nyasaland an den großen Seen.

Die Abschaffung der Sklaverei im und am Indischen Ozean trieben letztlich ironischerweise ausgerechnet die Briten voran, die den atlantischen Sklavenhandel 250 Jahre zuvor eingeführt und seit Mitte des 16. Jahrhunderts für 200 Jahre dominiert hatten. Am 5. Juni 1873 wurde der Sklavenhandel auf Sansibar verboten und alle Märkte geschlossen. Auch der Schiffstransport war verboten und bald darauf untersagte ein Abkommen zwischen Großbritannien und dem Sultan Barghash auch alle Sklavenkarawanen an Land. In einem Keller neben der Kathedrale kann man aber noch heute eine kleine, niedrige Zelle für 75 Sklaven besichtigen.

Im Anschluss besichtigte ich noch das Beit el Ajaib bzw. das House of Wonders an den Forodhani Gardens. Der ehemalige Palast des sansibarischen Sultans beherbergt heute das Museum of History and Culture mit einer sehr überschaubaren Ausstellung im 1970-er Jahre Stil mit vergilbten Fotos und verstaubten Exponaten. Im riesigen Foyer des herunter gekommenen Hauses, das aber gerade renoviert wird, steht eine alte Dhau. An der Wand befindet sich der erste Aufzug Ostafrikas, eines der Wunder des Hauses, der aber nicht mehr funktionstüchtig ist. Auch das offizielle, recht unscheinbare Auto des ersten Präsidenten der Sansibarischen Revolutionsregierung, Sheikh Abeid Amani Karume, der 1964-1972 amtierte, ist zu sehen. Der Palast selbst war in den kürzesten Krieg der Geschichte involviert, der am 27. August 1896 von 9 Uhr bis 9.38 Uhr dauerte. Sansibar war 1890 Britisches Protektorat geworden, aber sechs Jahre später versuchte sich Sheikh Khalid bin Barghash Al-Busaid, der älteste Sohn des zweiten Sultans von Sansibar, selbst zum Sultan auszurufen. Daraufhin beschossen die Briten das House of Wonders für eine gute halbe Stunde. Dabei wurde der Palast schwer beschädigt und viele Menschen getötet. Der „Sultan“ flüchtete deshalb ins Deutsche Konsulat und der „Blitzkrieg“ war zu Ende.

Zum Abschluss der Reise ging ich für einen Sundowner noch ins noble Hotel „Emerson on Hurumzi“. Da nur wenige Gäste zum Dinner angemeldet waren, durfte ich nach Rücksprache mit dem Manager auf die luxuriöse Dachterrasse und trank dort eine Cola zum sehr fairen Preis von 1 US$. Zum Abendessen gingen wir dann in ein sansibarisches Restaurant mit einem 3 Gang-Menü mit Meeresfrüchten, wahlweise auch mit einem halben Hummer. Die Zeit bis Mitternacht verbrachten wir anschließend auf der Terrasse unseres Hotels.

In diesem Haus wurde Freddy Mercury 1946 als Farrokh Bulsara geboren. Er lebte in Stonetown bis er acht Jahre alt war.

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