13. Tag

Ein Anruf bei Avis ergab, dass wir ins Büro nach Swakopmund kommen sollten. Nach dem Frühstück hieß es dann Abschied nehmen von Irmelien und Horst. Auf der Weiterfahrt über die C19 war recht viel Verkehr und so waren wir kilometerweit in die weißen Staubwolken von vorausfahrenden Autos gehüllt. Die Piste durch die bis zu 2.000 m hohen Naukluft-Berge war dabei schlechter als die vorangegangenen. In Solitaire herrschte sogar regelrechter Hochbetrieb, als wir dort zum Tanken stoppten. Der berühmte Apfelkuchen sah allerdings nicht besonders ansprechend aus und im General Store waren alle Kuriositäten, wie das Löwenfell, verschwunden, so dass es nur noch ein ganz normaler Laden war. Als wir unseren Problemreifen, der seit dem ersten Tag immer wieder Luft verlor, aufpumpen lassen wollten, entdeckte der Service-Mitarbeiter eine Schraube, die darin steckte, und weitere schadhafte Stellen, so dass wir für 100 N$ den ebenfalls schon recht abgefahrenen Ersatzreifen aufziehen ließen. Das Kaufangebot für einen neuen Reifen schlugen wir allerdings aus.

Auf dem Streckenabschnitt über den Gaub-Pass hatten wir eine staubende Kolonne von Südafrikanern mit Geländewagen und schweren Anhängern vor uns, als die von Tempo 60-Schildern flankierte Piste in Serpentinen hinab zu einer kleinen Betonbrücke über den Trockfluss führte. Als wir die Brücke erreichten, lagen ein Fahrbahnbegrenzungsblock aus Beton und die Frontpartie eines Autos auf der Fahrbahn. Der Wagen vor uns hatte die Brückenseite durchbrochen und war gut 2 m in die Tiefe gestürzt. Mit eingeknickten Dachstreben und zersplitterter Frontscheibe sah er nach Totalschaden aus. Die Airbags hatten aber ausgelöst, so dass die Passagiere unverletzt geblieben waren. Nur der Fahrer hatte eine kleine Schnittwunde auf der Stirn. Die Ladung des Hängers lag im Sand verstreut.

Da wir nicht helfen konnten, fuhren wir bald weiter durch ein Gebiet mit einem Trockental mit blattlosen Bäumen nach dem nächsten. Später kamen wir an der Abfahrt zum Kuiseb Canyon vorbei, wo sich die deutschen Geologen Henno Martin und Hermann Korn mit Hund Otto während des zweiten Weltkriegs für zweieinhalb Jahre versteckt und später ein Buch über ihr primitves Leben dort geschrieben hatten. Dann führte die C14-Piste schnurrgerade durch eine flache, eintönige und karge Wüstenlandschaft und erreichte schließlich die Dünen des Dorob-N.P. vor Walvis Bay. Kurz vor der Stadt standen in zahlreichen kleinen Tümpeln, die von goldgelben, ca. 1 m hohen Sicheldünen gesäumt und von einer Stromleitung überspannt waren, einige hundert Flamingos. Die B2 nach Swakopmund führte dann zuerst durch ein Neubaugebiet mit hunderten von einfachen Häusern und Lehmstraßen für die einfache Bevölkerung und später vorbei an besseren Wohngegenden direkt am Strand mit modernen Designervillen mit Meerblick aber auch einigen Hochhäusern.

Im B&B angekommen begrüßte uns unser Gastgeber Hans-Jürgen, der früher einen Schrauben- und Werkzeughandel in Schwaben geführt hatte und schließlich nach Namibia übergesiedelt war, wo das Leben ruhiger und entspannter war. Dann telefonierte er dankenswerterweise erstmal etwa eine Stunde herum, um unser Programm für die beiden nächsten Tage zu organisieren. Für den Samstag buchte er die Little Five bzw. Living Desert-Tour, aber nicht bei Tommy Collard, dem Erfinder dieser in den vergangenen 7 Jahren zur beliebtesten Rundfahrt gewordenen Tour, der bereits 16 Buchungen hatte und mit drei Autos unterwegs sein würde, sondern bei einem anderen Veranstalter, der bisher nur uns drei auf der Liste hatte. Zwar sind alle Touranbieter im selben Gebiet unterwegs, um die kleinen Wüstenbewohner gut sehen und fotografieren zu können, sollte die Gruppe jedoch möglichst überschaubar sein. Für den Sonntag reservierte Hans-Jürgen für uns Plätze für die Walvis Bay-Kombitour bei Levotours, weil diese das kleinste Boot hatten. Der angedachte Rundflug entfiel, weil die einzelnen „Airlines“ die fünf Plätze in der Cessna entweder schon komplett vergeben, oder noch keinen einzigen Interessenten hatten, was den ohnehin nicht günstigen Preis weiter in die Höhe getrieben hätte.

Als alles geklärt war, fuhren wir zu Avis, wo man uns bat in einer Stunde wieder zu kommen, da der Ersatzwagen noch nicht da sei. Wir spazierten also zum nahen Cafe Anton im Hotel „Schweizer Hof“, um dort die berühmte Schwarzwälder Kirschtorte zu probieren, die allerdings kaum Kirschwasser enthielt und aus ungetränkten Schokoböden bestand. Nachdem uns Avis eine weitere halbe Stunde vertröstet hatte, war der angeforderte Toyota RAV4 endlich eingetroffen und wir mussten unseren großen, innen und außen total verstaubten Toyota Fortuner mit Allradantrieb abgeben, der zur Serviceuntersuchung sollte.

Das koloniale Woermann-Haus in Swakopmund.
Das koloniale Woermann-Haus in Swakopmund.

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