14. Tag

An diesem sonnig-warmen Samstag zeigte sich das berühmt-berüchtigte englische Wetter zum Abschluss der Reise noch einmal von seiner besten Seite. Allerdings war das nicht nur uns aufgefallen, wie wir nach der Ankunft in der altehrwürdigen Universitätsstadt Cambridge feststellen sollten. Dort waren die Straßen und die Bürgersteige total voll. Durch einen scheinbar glücklichen Zufall fanden wir aber schließlich noch eine Pay&Display-Parkbucht. Als wir das gelöste Parkticket jedoch auf das Armaturenbrett legen wollten, sprach uns der Fahrer des benachbarten Autos an, der gerade zu diesem zurückgekehrt war. Er hatte ein gültiges Parkticket, aber trotzdem einen Strafzettel über 70 £ hinter dem Scheibenwischer. Darauf stand, er habe an dieser Stelle mit dem falschen Fahrzeugtyp geparkt, und der Mann wollte von uns wissen, was das wohl bedeuten sollte. Bei genauerem Hinsehen stellten wir fest, dass der Parkbereich auf den ersten Blick zwar aussah wie alle anderen, aber vor den auf den Boden gezeichneten Parkboxen in ausgeblichener Schrift „Coaches“ stand. Ohne dieses Gespräch hätten auch wir im kaum erkennbaren Busbereich geparkt, so aber fuhren wir schnell weiter. Wir bewegten uns dann im Stop-and-go-Verkehr durch die völlig verstopften Straßen, vorbei an mehreren vollen Parkplätzen, und entschieden uns schließlich nicht noch mehr Zeit mit der relativ hoffnungslosen Stellplatzsuche zu vergeuden, um uns anschließend mit den Besuchermassen durch die Innenstadt zu schieben.

Stattdessen fuhren wir durch das ehemalige Feuchtgebiet „The Fens“ in den kleinen Ort Ely, 25 km nördlich von Cambridge. Dort verließ gerade ein Auto den vollen kostenlosen Parkplatz, so dass wir schon wenige Minuten später vor der berühmten Kathedrale standen. Diese geht ursprünglich auf eine Abtei zurück, die Königin Etheldreda von Northumbria 673 gegründet hatte. In dem mehrfach aus- und umgebauten Gotteshaus kann man unter anderem ein Oktogon im östlichen Vierungsturm bewundern. Dieser stürzte 1322 ein und wurde dann als achtseitiger Kuppelraum neu errichtet. Die beeindruckende Holzlaterne mit 23 m Spannweite und 400 Tonnen Gewicht unter der Decke konstruierte William Hurley, der Zimmermann des Königs. Die hölzernen Rippen darunter sehen aus wie aus Stein.

Auf der Wiese vor der Kirche fand ein Markt statt und in der Kirche eine Messe anläßlich der jährlichen Graduiertenfeier der „Open University“, der britischen Fernuni. Manche Studenten brauchten berufsbegleitend bis zu 15 Jahre für den Abschluss, erfuhren wir. Wir warfen dann noch einem kurzen Blick auf das Haus von Oliver Cromwell, der im Bürgerkrieg gegen Karl I. Feldherr des Parlamentsheeres war und den König schließlich hinrichten ließ. In der kurzen republikanischen Periode ab 1653 war er zudem Lordprotektor von England, Schottland und Irland. Nach leichten Irritationen aufgrund eines dreifach gestaffelten Kreisverkehrs erreichten wir dann am Abend Harwich, wo wir unsere letzten Pfunde im Supermarkt ausgaben.

Die beeindruckende Holzlaterne der Kathedrale von Ely hat eine Spannweite von 23 m und wiegt 400 Tonnen.

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