4. Tag

Unser heutiges Tagesziel war der 7 Meilen entfernte Camden Hills State Park, wo eine Straße auf den 260 m hohen Mount Battie führte. Von dort oben hatte man einen tollen Panoramablick auf den Hafen und die Stadt Camden, sowie die 30 Meilen breite und 30 Meilen tiefe Penobscot Bay, in der einige Schoner mit weißen Segeln unterwegs waren. In der entgegengesetzten Richtung zeigten sich ausgedehnte Waldflächen, die größtenteils noch grün, aber auch schon mit dekorativen orangenen oder tiefroten Sprenkeln durchsetzt waren. Aufgrund des wolkenverhangenen, grauen Himmels leuchtete die Farbenpracht jedoch nur bedingt. Zurück am Fuß des Berges parkten wir am Anfang des 1,5 Meilen langen Wanderwegs zum Adam’s Lookout auf dem 462 m hohen Mount Megunticook. Der Anstieg war stellenweise recht steil und im Wald entdeckten wir viele Pilze, aber auch zwei Spechte und zahlreiche Streifenhörnchen, die bei unserem Anblick oft laut Alarm schlugen. Oben angekommen begrüßte uns dann Batho schwanzwedelnd, und kurz darauf trat Joern aus den Bäumen heraus und beruhigte uns, dass der kräftige schwarze Hund nur spielen wolle. Wir unterhielten uns dann auf Deutsch, denn die Eltern des Mitfünfzigers waren in den 1930-er Jahren aus Danzig und Wismar stammend in die USA eingewandert. Joern erzählte, dass er sich eine zweite Amtszeit von Obama wünsche und zuletzt vor 30 Jahren in Europa gewesen sei, als er zwei Jahre in Salzburg studiert habe. Er würde aber gerne wieder hinfliegen, hätte jedoch kein Geld, da er als Lehrer zurzeit keine Anstellung finde. Deshalb wandere er oft in der Umgebung, häufig auch im vielen Anwohnern garnicht bekannten State Park. Aufgrund der noch nicht überwundenen Krise würden viele Amerikaner zurzeit allgemein weniger Urlaub machen, deshalb seien auch im Indian Summer weniger Leute unterwegs als üblich. Aufgrund der höheren Wassertemperaturen hätten die Fischer in Maine, die 70% aller Hummer von ganz Neu-England fingen, allerdings in diesem Jahr eine „Rekordernte“ von mehr als den 104 Mio. Tonnen von 2011 gehabt.  Dadurch seien die Preise aber stark gefallen, obwohl man schon eine Woche Fangpause eingelegt habe. Ergänzend dazu las ich später in einem Magazin, dass die Kette „The Red Lobster“ mit insgesamt 700 Standorten trotzdem gerade in Malaysia eine Hummerfarm aufbaut. Die drei Lokale, die sich in Maine befunden hatten, wurden allerdings schon in den späten 1990-er Jahren wieder geschlossen, weil die Einheimischen dort einfach viel lieber in die urigen, örtlichen Lobster-Shacks gehen.

Nach der Wanderung fuhren wir bei einsetzendem Nieselregen zunächst nach Camden, vorbei an sehr gepflegten Anwesen mit großen Häusern, von denen einige Wände aus grauem Stein statt des üblichen Holzes hatten und eines sogar aussah wie eine Burg. Auch die Innenstadt mit vielen Geschäften machte einen tadellosen Eindruck, unterschied sich aber nicht wesentlich von Portsmouth oder Concord. Als es noch immer regnete, machten wir nur einen kurzen Schaufensterbummel und fuhren dann zurück ins Motel, wo wir uns im Fernsehen von 21-22.30 Uhr die erste Presidential Debate ansahen.

Blick vom Adam’s Lookout auf dem 462 m hohen Mount Megunticook im Camden Hills State Park.
Blick vom Adam’s Lookout auf dem 462 m hohen Mount Megunticook im Camden Hills State Park.

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