15. Tag

Da es stürmte, fand das Frühstück nicht auf der Terrasse, sondern in unserem Zimmer statt. Als wir uns danach bei bedecktem Himmel auf den Weg ins Death Valley machten, hatten wir bei einem Einkaufsstopp um kurz nach acht den großen Supermarkt ganz für uns allein.

Über die Interstate 15 fuhren wir anschließend zunächst zurück nach Las Vegas. Die Autobahn, die wir von unserem Zimmer im Bellagio hatten sehen können, führte parallel zum Strip hinter den Hotelkomplexen entlang. Beim Mittagsimbiss entdeckten wir im Eingangsbereich von Burger King einen Aufsteller mit vielen Coupon-Heften für vergünstigte Hotels, die wir aber nie benutzen sollten. Auf der Weiterfahrt begegneten uns dann im Gegensatz zum Vortag kaum Autos. Aufgrund des wolkenverhangenen Tages entschieden wir uns nicht über Death Valley Junction mit dem Amargosa Opera House, das die inzwischen über 80-jährige Künstlerin Marta Becker 1967 gegründet hatte, und den Aussichtspunkt Dante’s View zu fahren, sondern wählten die Route über Shoshone.

Auf der Fahrt durch das 50 Meilen lange Tal des Todes mit einer großen Salzpfanne in der Mitte tauchte plötzlich ein Kojote am Straßenrand auf. Als wir 20 m weiter anhielten, trottete er ohne Zögern zu unserem Auto, blieb direkt daneben stehen, schaute uns mit großen Augen an und leckte sich das Maul. Dann kam aus der Gegenrichtung ein weiteres Fahrzeug und bremste ebenfalls. Sofort lief der clevere Opportunist dorthin und wir sahen, wie ihm aus dem Fenster ein paar Happen zugeworfen wurden. Dann kam er wieder zu uns und verschmähte auch eine stückchenweise servierte Scheibe Vollkorntoast nicht. Bettelnde Kojoten solle man auf gar keinen Fall füttern, lasen wir später im Visitor Guide des Parks. Die Tiere seien sowohl Räuber als auch Resteverwerter und würden genau wie ein Mensch im Zweifelsfall den einfachsten Weg zur Nahrungsbeschaffung wählen. Doch es entspreche nicht ihrer Natur an den Straßen herumzulungern und deshalb ist es in allen Nationalparks bei Strafe verboten die wilden Tiere dort zu füttern.

Von Süden kommend erreichten wir schließlich Badwater, mit 85,5 m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt der USA. Direkt neben der Straße befindet sich dort ein kleiner Pool, wer aber zum tatsächlichen Tiefpunkt mit 86 m unter Null möchte, muss 4 Meilen über den Salzsee und anschließend denselben Weg wieder zurück laufen. Von allen Anwesenden tat das an diesem Tag aber niemand, denn es herrschten immerhin Temperaturen von 101°Fahrenheit (39°C), wie unser Autothermometer anzeigte, und inzwischen brannte auch die Sonne wieder vom wolkenlosen Himmel. Auf einer Infotafel war nachzulesen, dass die Durchschnittstemperatur im Juli sogar bei 115°F (46 °C) liegt und im Juli 1913 mit 234°F (57°C) den höchsten, jemals in den USA gemessenen Wert erreicht hatte. Mit durchschnittlich weniger als 5 cm Niederschlag ist das Tal des Todes außerdem der trockenste Ort in Nordamerika.

Nachdem wir den Artist Drive mit seinen bunten, in Rot, Violett, Grün, Braun und Grau gefärbten Felsen durchfahren und einen kurzen Spaziergang im Golden Canyon gemacht hatten, erreichten wir am Nachmittag Furnace Creek. Ganz in der Nähe warfen wir vom windigen Zabrisky Point dann einen Blick auf die absolut vegetationsfreie, sehr gleichmäßig zerklüftete Mondlandschaft direkt hinter der Anhöhe. Vorbei an den Sanddünen von Stovepipe Wells, wo ein feiner Sandschleier über die Straße wehte, ging es später weiter nach Panamint Springs. Da uns das dortige Motel nicht gefiel, fuhren wir aus dem Tal heraus und bis zum nächsten auf der Karte verzeichneten Ort. Keeler erwies sich allerdings als Nest mit 50 Einwohnern und recht heruntergekommenen Häusern, in denen scheinbar nur die Arbeiter des benachbarten Sulfatwerks wohnen. Außer einer Tankstelle gibt es dort nämlich keine weitere Infrastruktur, und so erreichten wir schließlich Lone Pine am Fuß des Mount Whitney, dem mit 4.418 m höchsten Berg der USA außerhalb Alaskas.

Beim späten Abendessen um 20.30 Uhr entschieden für uns in der Pizza Factory für den zweitgrößten der angebotenen Durchmesser. Die Pizza war aber so großzügig belegt, dass wir, wie in Amerika üblich, die beiden restlichen Stücke in einem Karton mit ins Motel nahmen, um sie zum Frühstück mit der zimmereigenen Mikrowelle wieder aufzuwärmen.

Kojote im Tal des Todes.

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