5. Tag

Die heutige Rundfahrt über die St. George-Halbinsel, südlich von Rockland, begann mit dem Owl’s Head Lighthouse, einem von 66 Leuchttürmen in ganz Maine. Die Straße nach Port Clyde an der Südspitze führte anschließend durch kleine Orte und vorbei an vielen Häusern mit großen Grundstücken und sehr gepflegtem Rasen. Man könnte die Atmosphäre verträumt oder einsam nennen, denn trotz des bunten Herbstlaubs wirkte die Landschaft unter dem grauen, wolkenverhangenen Himmel etwas trostlos, und man dachte unweigerlich an die „Schiffsmeldungen“ von Annie Proulx, auch wenn diese Geschichte weiter nördlich in Neufundland spielt. Bei Port Clyde besuchten wir dann das kleine Marshall Point Lighthouse, das dazugehörige Museum wurde aber gerade renoviert und war geschlossen. Auch der örtliche Lobstershack „Dough’s Seafood“ hatte die Saison schon beendet, ebenso wie Watermans Beach Lobster in South Thomaston im Norden. Dort fanden wir jedoch an der Spitze des kleinen Spruce Head Island mit McLoons einen Lobstershack, der noch geöffnet hatte und sehr authentisch hinter einem Schuppen und einem Berg von Fangkörben dem Pier der Hummerfischer direkt gegenüber lag. Man wolle noch das kommende, lange Columbus Day Weekend mitnehmen, aber auf jeden Fall vor Halloween am 31.10. ebenfalls in die Winterpause gehen. Ganze Hummer gehörten zwar nicht zum Angebot und auch keine Pommes, aber Burger, Hot Dogs, Clam Chowder und Lobster Rolls mit „All natural Cape Cod“ Kartoffelchips, die für 13,95 US$ reichlich belegt waren.

Auf der Weiterfahrt zum Acadia-Nationalpark machte uns auf der N1 ein Schild „Art and Espresso“ neugierig und so stoppten wir an der Northport Landing Gallery, wo Besitzerin Joy Armbrust ihrem Vornamen alle Ehre machte, denn sie lachte laut und häufig. Als wir den guten Kaffee lobten, führte sie das auf ihre italienischen Wurzeln zurück und bestätigte unseren Eindruck, dass in der Region nur wenig Touristen unterwegs seien. Sie erklärte das mit den stark gestiegenen Benzinpreisen. Deshalb würden die Amerikaner seltener und auch weniger weit verreisen. Aber es sei doch gut, dass nicht viel los sei, so könnten wir uns schließlich nett unterhalten. Die Galerie stellte vielfältige Kunstwerke aus, von bronzenen Tierfiguren über Gemälde, Wildlife-Fotos und Holzarbeiten, bis hin zu Silberschmuck. Als wir schließlich einen kleinen Anhänger kauften, sagte Joy die beiden doppelten Espressi gingen aufs Haus und meinte wir würden uns später in Greenville wiedersehen, denn der Ort sei klein und sie am Wochenende auch dort.

In Bar Harbour fuhren wir schließlich an unzähligen Motels vorbei und als wir gerade eingecheckt hatten, begann es heftig zu regnen. Der Wetterbericht hatte aber schon für den ganzen Tag Schauer angekündigt. Von unserem Zimmerfenster konnten wir die Norwegian Dawn in der Bucht ankern sehen und im Wochenblatt des Nationalparks war aufgelistet, dass jeden Tag mindestens ein weiteres Kreuzfahrtschiff einlaufen würde. Aus den TV-Nachrichten erfuhren wir dann, dass sich die Presse einig war, dass Romney die Debatte am Vorabend dominiert habe und sich Obama zu sehr in die Defensive hatte drängen lassen.

Schuppen und McLoons Lobstershack auf Spruce Head Island in Maine.
Schuppen und McLoons Lobstershack auf Spruce Head Island in Maine.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: