15. Tag:

Beim Frühstück beklagte sich unser Gastgeber über die Chinesen, die dabei seien halb Namibia aufzukaufen und sich dabei an keine Gesetze hielten. Außerdem gelte für die schwarzen Mitarbeiter eine traurige Gewissheit: Irgendwann klauen sie alle. Das würde dann jedoch nicht als Diebstahl sondern als Teilen verstanden, wie es in den Großfamilien, die oft von einem einzigen arbeitenden Mitglied finanziert werden, bis heute üblich ist. Auslöser seien häufig plötzliche finanzielle Engpässe, etwa für einen Krankenhausbesuch. Daher sagt Hans-Jürgen seinen Angestellten immer, sie sollten ihm einfach sagen, wenn sie etwas brauchen würden, und es sich nicht einfach nehmen. Das sei die pragmatischste Lösung.

Bei starkem Nebel wurden wir dann um 8 Uhr zur Bootstour abgeholt und zum Hafen von Walvis Bay gebracht. Dort schob ein Landrover gerade das kleine Boot von Levotours auf einem Hänger ins Wasser. Der Wagen blieb dann in Schlamm stecken und musste erst mit einem Traktor wieder auf die Rampe gezogen werden. Skipperin Christel fuhr anschließend mit uns durch den Hafen und erklärte, dass die Chinesen gerade einen neuen, größeren Hafen bauen würden, der bis 2020 fertig sein soll. Als diese die erste Ausschreibung gewonnen hätten, sei noch von Korruption die Rede gewesen, bei der Wiederholung der Ausschreibung hätten die Chinesen aber erneut den Zuschlag bekommen.

Vor dem alten Hafen ankerten mehrere schrottreife Schiffe. Der Grund dafür war die auf sie ausgestellte Fischereilizenz, die solange galt, wie sie noch schwimmen konnten, und deshalb von den Besitzern gewinnbringend weiter vermietet werden konnte. Nach dem Besuch einer Robbe an Bord, die auf das Boot kletterte, um sich ein paar Fische abzuholen und sich dabei streicheln ließ, und der Fütterung einiger Möwen, die sich im Flug Fisch aus Christels Hand holten, fuhren wir weiter zu der 17.000 m2 großen Guano-Plattform „Bird Island“. Mit dem Bau der auf 1.000 Stahlpfählen ruhenden Holzplattform hatte der Tischler Adolf Winter 1923 begonnen und war erst acht Jahre später fertig geworden. Die Plattform sollte dann eigentlich sofort wieder abgerissen werden, weil die darauf weilenden Kormorane und die anderen Seevögel den Fischern angeblich ihren Fang wegfressen würden. Daraufhin gab Winter eine Studie in Auftrag, die ergab, dass nur 20% des Vogelkots auf der Plattform bleiben, die anderen 80% aber das Meer darunter düngen, dadurch das Algenwachstum fördern und somit auch die gesamte Nahrungskette bis zum Fisch bzw. Seevogel. Daher durfte „Bird Island“ dann stehen bleiben, aber nicht mehr erweitert werden.

Nach einer zehnminütigen Stippvisite in den Gewässern mit den Delfinen, bei denen nur 3-4 Tiere für wenige Sekunden auftauchten, und einem kurzen Stop vor der Robbenkolonie am Pelican Point, gab es an Bord von Christel frisch geöffnete Austern mit Champagner. Anschließend ging es zurück zum Hafen, wo uns bereits Peter erwartete. Der pensionierte Mitarbeiter der namibischen Parkverwaltung sollte uns zusammen mit einem neuseeländischen Ehepaar nach Sandwich Harbour fahren. Mit einem schon etwas klapprigen Defender ging es vorbei an einer Salzfabrik über eine abenteuerliche Sandpiste, die teilweise nur 2-3 m breit war und auf der einen Seite von hohen Dünen und der anderen von der Brandung des Atlantik eingerahmt war, zu der 40 km südlich von Walvis Bay gelegenen Süßwasser-Lagune. Diese war ursprünglich von einem englischen Kapitän entdeckt und nach seinen Schiff benannt worden, ein Hafen war sie aber nie. Zudem versandet die Lagune heute allmählich, so dass immer weniger Vögel dort sind.

Unterwegs kamen wir an einem toten Buckelwal vorbei, der vor zwei Wochen auf den Strand gespült worden war, wie Peter über Funk erfuhr. Als wir die Lagune erreichten, brach endlich die Sonne durch die grauen Wolken und sorgte doch noch für blauen Himmel. Für einen tollen Ausblick erklommen wir barfuß eine ca. 80 m hohe Düne. Dann ging es mitten durch die Dünen zurück. Unser Fahrer erklärte bei der Fahrt durch die Wüste sei der Reifendruck entscheidend. Von den üblichen 2-2,5 bar sollte er auf 1,5 bar reduziert werden, bei tiefem Sand auch auf ein bar, dann gebe es kaum Probleme. Die Dünen könne man allerdings grundsätzlich nur auf der dem Wind zugewandten Seite mit entsprechend verdichtetem Sand hinauffahren, wenn man vorher genug Schwung geholt hat. Die Abfahrt über die gegenüberliegende Seite mit dem weichen Sand, in den sich auch die Wüstentiere eingraben, sei dann nicht mehr schwierig, wenn man den Hang geradeaus hinunterfährt. Bei einem Stopp an einem großen Nara-Busch zeigte uns Peter wie um die Pflanze herum eine kleine Düne entsteht. Zuerst verankert sich der Sprößling im Boden und beginnt zu wachsen, dabei verfängt sich immer mehr Sand in der Pflanze, die daraufhin weiter in die Höhe wächst, um ihren Platz an der Sonne zu behalten, so dass noch mehr Sand hängen bleibt. Die Nara-Melonen sind zudem sehr wasserhaltig und bei Springböcken aber auch Afrikanischen Streifenmäusen sehr beliebt, von denen mindestens ein Dutzend im Geäst der blätterlosen Pflanze lebte. Nachdem wir wie die Mäuse noch ein paar Melonenkerne zum Probieren bekommen hatten, fuhren wir zurück nach Walvis Bay. Von insgesamt vier Fahrern war Peter der einzige gewesen, der sich getraut hatte die Piste am Strand zu befahren. Alle anderen hatten den Weg über die Dünen gewählt, so dass ihre Passagiere die Lagune nur von oben aus der Ferne betrachten konnten, sie aber garnicht selbst erreichten.

Wüstenlandschaft bei Sandwich Harbour.
Wüstenlandschaft bei Sandwich Harbour.

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