6. Tag

Der erste Blick aus dem Fenster zeigte die Bucht im Nebel, die Umrisse eines neu angekommenen Kreuzfahrtschiffes waren aber immerhin zu erkennen. Nach dem Frühstück starteten wir dann zu unserer Runde auf der Loop Road durch den Acadia-Nationalpark, der 1919 als erster östlich des Mississippi eröffnet wurde. Erste Station war Sieur de Monts, wo ein Steg mehrere hundert Meter durch einen sumpfigen Wald mit buntem Herbstlaub führte. Dort kam uns eine kleine Gruppe mit Kameras und Stativen entgegen, die auf Fotoexkursion war. Nach weiteren Stopps am Sandy Beach, dem Thunder Hole, das aber aufgrund geringer Brandung selbst bei Flut stumm blieb, und dem Otter Point, dessen Namensgeber schon die ersten Siedler Anfang des 17. Jh. ausgerottet hatten, wollten wir im Jordan Pond House zum Mittagessen einkehren. Da jedoch alle drei Parkplätze voll waren, mussten wir erst eine Extra-Runde drehen, um dann festzustellen, dass man sich im Restaurant nur noch auf die Warteliste setzen lassen konnte. Angesichts dieses Ansturms bei mäßigem Wetter und wenige Wochen vor der Winterpause erhielt man eine Ahnung davon, wie es dort wohl im Sommer zuging, wenn der größte Teil der jährlich 3 Mio. Besucher in den Park strömen. Nach einem kurzen Spaziergang zum Ufer des 2,6 km langen Jordan Pond fuhren wir deshalb zurück nach Bar Harbour und fanden dort reichlich Plätze in den Restaurants. Weil sich inzwischen die Sonne am blauen Himmel zeigte, kehrten wir anschließend in den Park zurück, wo der Gipfel des 466 m hohen Mount Cadillac aber nach wie vor in dichtem Nebel lag, der die Sicht auf wenige Dutzend Meter begrenzte.

Auf der abendlichen Rückfahrt bemerkte ich dann, dass auf dem Schild des Hotels direkt gegenüber von unserem Motel „Meeting of the Northamerican Nature Photographer“ stand. An der Rezeption konnte man mir aber lediglich empfehlen, am nächsten Morgen um 5 Uhr in die Lobby zu kommen, wo sich die Fotografen treffen würden. Auf dem Parkplatz kam mir jedoch Kevin W. FitzPatrick entgegen, den ich von unserer morgendlichen Begegnung wiedererkannte. Der untersetzte Mittsechziger mit grauem Vollbart und auffälliger roter Brille mit kleinen runden Gläsern, sowie einem National Geographic-Basecap erzählte, ein Mitglied seines Kurses hätte nur wenige Meter neben dem Bohlenweg einen Hirsch fotografiert. Kevin selbst kommt 2-3 Mal pro Jahr nach Acadia und ist auch in vielen anderen Nationalparks unterwegs, teilweise für National Geographic, um einen Biodiversity Flash zu dokumentieren, bei dem viele Freiwillige an einem Tag eine Bestandsaufnahme der Artenvielfalt in einem Testgebiet machen und dabei regelmäßig unbekannte Pflanzen oder Tiere entdecken. Er wohnt in North Carolina, nahe den „Smokies“ und dem Great Smokie Mountain-Nationalpark. Weil er nicht nur dort, sondern im ganzen Land viele National Park Service-Mitarbeiter und Wissenschaftler kennt, weiß er immer recht genau wann er wo welche Tiere finden kann und darf oft selbst in Bereiche, die Besuchern nicht zugänglich sind. Beim Abschied lud mich Kevin, der auch die GDT kennt, ein, doch beim Treffen im Hotel vorbeizuschauen, das noch bis Sonntag dauern sollte.

Nebliger Morgen auf dem Gipfel des Mount Cadillac im Acadia-Nationalpark.
Nebliger Morgen auf dem Gipfel des Mount Cadillac im Acadia-Nationalpark.

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