16. Tag

Nach einem Stopp an der Post, die aufgrund der jährlichen Inflation keine Briefmarken mit einem Nennwert, sondern mit dem aufgedruckten Wort „Postcard“ verkaufte, änderten wir spontan die geplante Route und fuhren über die B2 in Richtung Spitzkoppe. Das Gelände rund um das „Matterhorn Namibias“ wurde mit Fördergeldern der EU zu einem der schönsten Campingplätze des Landes ausgebaut und wird nun von den örtlichen Damara verwaltet, die im benachbarten Ort Spitzkoppe wohnen. Der Eintritt beträgt 40 N$ pro Person und 50 N$ pro Fahrzeug, dafür gibt es einen Felsbogen wie im Arches-Nationalpark in den USA zu sehen und drei Stellen mit Buschmann-Felszeichnungen. Dass man diese aber nur mit einem örtlichen Guide besuchen darf, der weitere 50 N$ pro Person kostet, erfuhren wir erst als wir den Eintritt schon bezahlt hatten. Wir verzichteten jedoch auf den Führer, liefen ein wenig zwischen den imposanten, durch Verwitterung entstandenen Granitformationen herum und sahen uns dann die Felszeichnungen des „Little Bushman’s Paradise“ an. Das Tor zu der Felswand unter einem Überhang stand offen und gewährte uns Zugang zu einer Jagdszene, einem Löwen, einem Nashorn und einigen anderen schon recht verblichenen Motiven. Das bekanntere „Bushman’s Paradise“ auf einem etwa 50 m hohen Felsplateau, das nur über einen steilen, mit einer Eisenkette gesicherten Aufstieg zu erreichen ist, sahen wir uns aber nur von unten an.

Auf der Weiterfahrt kehrten wir dann bei Uis auf die ursprüngliche Route zurück und folgten der C35 bis Kamanjab. Mehrfach querten Ziegen und Rinder die Straße, wir passierten mehrere Schilder, die vor Elefanten warnten, und sahen einen PKW, der von der holperigen, kurvenreichen Schotterpiste abgekommen war und sich aufs Dach gelegt hatte. Wie am Vortag waren die Insassen aber mit dem Schrecken davon gekommen.

Im Alpec Bushcamp wurden wir von zwei barfüßigen Herren begrüßt, beide Anfang zwanzig, einer mit Vollbart, die sich als Campmanager und Safariguides vorstellten. Sie hatten sich auf der Uni in Südafrika kennengelernt und zeigten uns die Tented Chalets, die aus einer gemauerten Plattform mit Dach, einem halboffenen Bad und einem Kuppelzelt mit gut 2 m Kantenlänge bestanden, in das so gerade zwei Betten passten. Alles war viel einfacher als etwa die komfortablen Safarizelte im südafrikanischen Pilanesberg-N.P. Wir sollten erst ausladen und dann an die Bar kommen, deren Wände mit ein paar hundert leeren Jägermeister-Flaschen verziert waren. Ein Abendessen könnten wir nicht mehr bekommen, da wir keines vorbestellt hätten. Erst auf Nachfrage wurden uns wenigstens ein paar Sandwiches angeboten, doch letztendlich bekamen wir dann doch noch Reis mit Hähnchenschenkeln. Später feierte der stämmige Campbesitzer mit zwei Freunden und seinen beiden Managern feucht-fröhlich an der Bar. Außer uns waren zwei deutsche Mitfünfzigerinnen die einzigen Gäste, die sich aber früh zurückzogen. Als wir auch zu Bett gehen wollten, mussten wir noch einen eisgekühlten Jägermeister mittrinken und dann zum „Judge“.  Dieses war eine Vorrichtung, auf die man seine Nase legte, um dann beim Einatmen über eine mit Schnupftabak präparierte Schiene, die mit einem kleinen Hammer nach oben katapultiert wurde, eine volle Dosis verabreicht zu bekommen.

Felszeichnungen im „Little Bushman’s Paradise“ nahe der Spitzkoppe.
Felszeichnungen im „Little Bushman’s Paradise“ nahe der Spitzkoppe.

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