7. Tag

Morgens schien über der Bucht die Sonne, aber der Mount Cadillac hüllte sich in noch dichteren Nebel als am Vortag. Deshalb brachen wir gleich nach Greenville auf, die Strecke führte ab Bangor auf der ME-15 immer nach Nordwesten und wir näherten uns der Region, wo sich der Indian Summer auf dem Höhepunkt befand. Das Laub leuchtete in immer intensiverem Gelb, Orange und tiefem Rot, aber teilweise waren die Bäume auch schon halb oder ganz kahl. Die bunten Waldstücke wechselten sich ab mit saftigen, grünen Wiesen, zahlreichen Friedhöfen mit Grabsteinreihen auf einer großen Grasfläche und einigen Maisfeldern. Die Gegend wirkte allerdings keineswegs menschenleer, wie es der Reiseführer beschrieben hatte, denn wir passierten in wenigen Meilen Abstand ein Dorf nach dem anderen und mit der Low’s Bridge, die den Piscataquis River zwischen Guilford und Sangerville überspannt, auch die erste Covered Bridge.

Nachdem wir in Greenville unser Motel bezogen hatten, das ganz ruhig am Ende einer etwa eine Meile langen Schotterpiste auf einer kleinen Anhöhe lag, starteten wir um 15 Uhr zu einer kleinen Suchexpedition, denn auf jeden der 1.600 Einwohner von Greenville sollten drei Elche im Umland kommen. Wir waren aber gerade erst los gefahren, als zunehmend heftiger werdender Dauerregen einsetzte. Nach 20 Meilen auf der Lily Bay Road, auf der uns fast im Minutentakt Autos entgegenkamen, erreichten wir dann die kleine Gemeinde Kokadjo und lasen auf dem Ortsschild: Population „not many“. Dort wurde die Asphaltstraße zur Schotterpiste und als wir 10 Meilen später zum Spencer Pond Camp abbogen, gab es kaum noch Verkehr. Da es noch immer stark regnete, parkten wir nach wenigen Minuten an einem kleinen Seitenweg so, dass wir die Piste in beiden Richtungen im Blick hatten. Weil nichts passierte, machten wir uns aber schließlich auf den Rückweg und waren kaum losgefahren, als von rechts eine Elchkuh mit Nachwuchs aus dem Unterholz kam und vor uns die Piste überquerte, nach 1-2 Min. gefolgt von einem kapitalen Bullen mit mächtigem Geweih. Die Tiere verschwanden gleich wieder auf der anderen Seite im Gestrüpp, blieben aber dort noch für ein paar Minuten in Sichtweite stehen. Auf der Weiterfahrt sahen wir dann noch einen Trupp Truthähne und ein Reh mit Kitz am Straßenrand. Kurz vor der Ankunft im Motel hörte der Regen schließlich auf und gegen 18.30 Uhr ging schon die Sonne unter, so dass wir kurzzeitig einen roten Himmel mit dramatischen Wolkenbildern bewundern konnten, bevor es bald darauf dunkel war.

Stürmischer Abend in Greenville.
Stürmischer Abend in Greenville.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Autor *:

Webseite: