2. Tag

Zuerst fuhren wir in die Innenstadt, um bei der im Internet empfohlenen ABSA-Bank Geld zu wechseln. Beim Eintreten wurde ich sofort freundlich begrüßt, nach meinen Wünschen gefragt, dann herzlich in Südafrika willkommen geheißen und zum richtigen Schalter geführt. Dort wollte die Kassiererin unter anderem wissen, ob Deutschland eigentlich ein Teil Grossbritanniens sei. Als ich nach gut 45 Min. die Bank mit einem dicken Bündel Scheine wieder verlassen hatte, fuhren wir an der Atlantikküste entlang nach Süden. Nach einem Stop in einer noblen Siedlung, deren Häuser fast bis ans Meer reichten, so dass man vom Pool aus durch eine als Zaun fungierende Glasscheibe hindurch die Brandung beobachten konnte, erreichten wir Hout Bay, wo wir im Supermarkt einkauften. An einem Aussichtspunkt mit Blick über die gleichnamige Bucht, sprachen uns danach drei Straßenverkäufer aus Simbabwe an, die filigrane Schlüsselanhänger, Giraffen, Zebras, Schildkröten und andere aus einem Drahtskelett mit aufgezogenen kleinen Perlen gefertige Tiere anboten. Aus Gründen der Gerechtigkeit sollten wir jedem von ihnen ein Teil abkaufen, argumentierten sie, und so erstanden wir drei Schlüsselanhänger in Form der südafrikanischen Flagge. Nachdem sie erfahren hatten, dass wir aus Deutschland kamen, holten sie noch ein ganz besonderes Stück hervor, dessen Namen sie stolz nannten: „Marienkäfer“.

Einige Kilometer weiter erreichten wir den Chapman’s Peak Drive, eine spektakuläre Panoramastraße durch die Sheer Mountains, mit deren Bau 1915 begonnen worden war. Sieben Jahre später konnte der Governor General der Union von Südafrika, Prinz Arthur von Connaught, dann die enge, gewundene Schotterpiste eröffnen. An einem Aussichtspunkt an der längst asphaltierten Straße entdeckten wir nach einer Weile tief unter uns in der Brandung nur wenige Dutzend Meter von den steilen Felsen der Küste entfernt zwei Wale, die sich in den Wellen vergnügten.

Am Ferienort Kommetjie vorbei, erreichten wir schließlich das Tor zum Cape of Good Hope-Reserve, wo man uns mitteilte eine Wildcard gebe es nur im Visitor Center im Park. Um dorthin zu gelangen, müssten wir aber erst den Eintritt bezahlen, der nicht mit der Jahreskarte verrechnet werden könnte. Im Besucherzentrum dauerte es dann aufgrund von Druckerproblemen eine halbe Stunde bis man uns endlich zwei Wild Card Confirmation Letter aushändigen konnte. An der Straße zum Cape Point saß später eine ganze Pavian-Sippe und klaubte eifrig Samen aus dem Boden, was in beiden Richtungen zu einer kurzzeitigen Blockade durch haltende Autos führte. Am Kap, wo bei blauem Himmel und Sonnenschein zwar ein kräftiger Wind, aber bei weitem kein Sturm wehte, stiegen wir zum Leuchtturm hinauf. Dort wurde ein Wegweiser, der die Entfernungen zu verschiedenen Weltmetropolen anzeigte, von einer Horde mit Kameras bewaffneter Asiaten für eine Erinnerungsfoto-Orgie regelrecht belagert. Der 1860 aus vorgefertigten Eisenteilen 249 m über dem Meeresspiegel auf dem Gipfel des Cape Point errichtete Leuchtturm hatte zwar ein lichtstarkes Signalfeuer mit 67 km Reichweite, erwies sich aber trotzdem als ineffektiv, weil er häufig von Wolken oder Nebel verhüllt war. Als 1911 das portugiesische Linienschiff „Lusitania“ auf Grund lief, beschloß man deshalb auf dem vorgelagerten Dias Point nur 87 m über den Wasser einen neuen Leuchtturm bauen zu lassen, der seit 1919 in Betrieb ist.

Natürlich statteten wir auch noch dem wirklichen Kap einen Besuch ab. Über den Parkplatz vor dem Felsen stolzierten dort ganz gemächlich drei Strauße und zupften Gras. Für die Rückfahrt nach Kapstadt wählten wir dann den schnellsten Weg über den Red Hill Drive, den Glencairn Expressway sowie die Autobahn M3, die am Flughafen vorbeiführte. Dieses Mal fanden wir jedoch auch aus dieser Richtung ohne Umwege unser Hotel sofort wieder.

Edle Strandhäuser in Seapoint vor der Kulisse der Zwölf Apostel.
Edle Strandhäuser in Seapoint vor der Kulisse der Zwölf Apostel.

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