3. Tag

Am Morgen besuchten wir die V&A Waterfront im sehr schön restaurierten Werft- und Hafenviertel von Kapstadt. Als immer mehr Schiffe das Kap anliefen hatte Anfang des 19. Jh. die Diskussion begonnen, ob in der Tafelbucht nicht endlich ein sicherer Hafen gebaut werden sollte. Die britische Kolonialregierung zögerte zwar angesichts der Kosten, als sich Lloyds aber 1860 weigerte weiterhin Schiffe mit dem Ziel Kapstadt zu versichern, weil diese bei Unwettern immer wieder in der Tafelbucht sanken, schüttete der zweite Sohn der britischen Königin Victoria, der noch minderjährige Prinz Alfred, noch im selben Jahr an einem stürmischen Septembertag die erste Schaufel Erde für den neuen Hafen ins Wasser.

Weil 1990 weite Teile des Hafens aufgrund des internationalen Boykotts der Apartheid brach lagen, entstanden dort in wenigen Jahren zahlreiche Restaurants und Geschäfte, die z.B. originelle Lampen aus Straußeneiern mit eingefrästen Motiven anbieten und schon 1995 mehr als 15 Mio. Besucher aus aller Welt anzogen. Im Hintergrund läuft aber noch immer der Hafenbetrieb und so konnten wir beobachten, wie ein Schlepper einen rostigen Seelenverkäufer aus Asien mit einer über das halbe Deck gespannten bunten Wäscheleine unter einer Drehbrücke hindurch an seinen Liegeplatz bugsierte. Die Brücke verbindet den Pierhead mit dem Fish Quay, auf dem der 1882 als Büro des Hafenmeisters erbaute achteckige Uhrturm und das Museum „Nelson Mandela Gateway to Robben Island“ stehen. Hinter diesem Gebäude befindet sich der Anleger, von dem aus der berühmteste Häftling des Landes seine Fahrt auf die nur 6 km2 große Gefängnisinsel antrat, wo er 20 Jahre lang mit seinen Mitinsassen im Steinbruch arbeiten musste. 1991 entließ man dort die letzten politischen Gefangenen, 1996 die übrigen Sträflinge und 1999 erklärte die UNESCO die Insel zum Weltkulturerbe.

Nachdem wir im eleganten Vorort Constantia an Eichenhainen und großen, mit meterhohen Zäunen und privaten Sicherheitsdiensten gesicherten Anwesen und Herrenhäusern vorbei gefahren waren und zwei Wachleute vergeblich nach dem schlecht ausgeschilderten Weg  gefragt hatten, eskortierte uns schließlich eine hilfbereite südafrikanische Familie bis nach Groot Constantia. Das größte Weingut der Region hatte Simon van der Stel, der Gouverneur der jungen holländischen Kolonie, Ende des 17. Jh. auf fruchtbarem Land für sich errichten lassen. Eine Eichenallee führt bis zum kapholländischen Herrenhaus, daneben befindet sich in einem Nebengebäude ein Restaurant, das neben den edlen Tropfen aus eigenem Anbau auch erlesene Mittagsgerichte zu akzeptablen Preisen anbot. Nachdem wir im Innenhof  Freiland-Hähnchenbrust in Mandelkruste mit einer Füllung aus jungem Spinat und Ricotta auf Kartoffelpüree mit Pilzrahmsauce und sautierten Zucchinis verspeist hatten, fuhren wir weiter nach Simon’s Town am Ufer der False Bay. Aufgrund einer Baustelle auf der Küstenstraße und des nationalen Feiertags Woman’s Day, den scheinbar jeder Kapstädter für einen Strandbesuch nutzen wollte, standen wir jedoch zunächst eine Stunde auf dem am Hang entlangführenden Boyes Drive im Stau und erreichten erst gegen 16 Uhr unser B&B, wo wir sehr freundlich begrüßt wurden. Ich machte mich gleich auf den Weg zur Brillenpinguin-Kolonie am Boulders Beach, wo zahlreiche Vögel in den Büschen und in künstlichen, halb im Boden versenkten Bruthöhlen saßen. Zudem kamen immer wieder Elterntiere aus dem Meer zurück auf die Felsen am Strand, auch außerhalb des umzäunten Reservats. Einem Trupp von zehn Tieren konnte ich mich deshalb vorsichtig auf knapp 10 Meter nähern. Dann wichen alle bis auf den Mutigsten, der sich nicht von der Stelle rührte, hastig zurück und verkrochen sich unter einem Felsvorsprung. Nachdem ich mich ruhig auf einen Stein gesetzt hatte, lugten sie aber bald wieder neugierig hervor und beachteten mich kaum noch. In der Dunkelheit kletterten später ab 19 Uhr, genau wie von unserem Vermieter angekündigt, mehrere Zweier- und Dreier-Pinguingruppen über die Felsen hinauf zur Wiese an der Straße, zögerten dort, überquerten sie schließlich mit schnellen Watschelschritten und gelangten so zu ihren Schlafplätzen in der Hecke vor unserer Veranda. Beim Abendessen hörten wir sie immer wieder lauthals tröten.

Brillenpinguine kommen nur an der kühlen Westküste von Afrika vor. Weil sie essbar sind und auch ihre Eier gut schmecken, stellte man ihnen schon zu Zeiten des Guanoabbaus nach, so dass der Bestand heute auf weniger als 90.000 Tiere gesunken ist. Hoffnung geben aber die vergleichsweise jungen Kolonien auf dem Festland, wo die Vögel durch die nahen Feriensiedlungen vor Raubtieren sicher sind.

Die V&A Waterfront im sehr schön restaurierten Werft- und Hafenviertel von Kapstadt.
Die V&A Waterfront im sehr schön restaurierten Werft- und Hafenviertel von Kapstadt.

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