14. Tag

Um 4.45 Uhr klingelte der Wecker. Als wir zur Rezeption kamen, lagen dort aber nicht die zugesagten Sandwiches als Frühstückspaket, sondern drei Hotelangestellte auf Matratzen schlafend auf dem Boden. Wir fuhren dann mit dem Tuk Tuk durch die noch menschenleeren Straßen zum Bahnhof, vorbei an kleinen Gruppen von Kühen, die sich in einigen Ecken zusammen hingelegt hatten. Um 6 Uhr startete dort unser Zug nach Jaipur. Wir hatten das Guesthouse schon am Morgen des Vortags gebeten uns zwei Tickets für die Sleeper Class zu buchen. Als wir abends zurückkamen, war aber noch nichts passiert. Wir hakten nach und erfuhren, dass ein Mitarbeiter gerade unterwegs sei und die Tickets gleich bringen würde. Eine halbe Stunde später war er aber noch nicht da. Ich setzte mich daher demonstrativ an die Rezeption und nach einigen Telefonaten des Geschäftsführers kam dann tatsächlich jemand mit dem Ticket. Die Schlafwagen seien ausgebucht gewesen, daher hätten wir nun zwei Plätze in der zweiten Klasse. Von den 1.000 INR, die wir am Morgen bezahlt hatten, bekamen wir deshalb 100 INR zurück. Im Bahnhof erfuhren wir dann, dass wir das Ticket dort für 155 INR pro Person selbst hätten kaufen können. Unser Reiseführer hatte also wohl noch untertrieben, denn dort stand für die Dienstleistung des Ticketbuchens würde gern das Doppelte des tatsächlichen Preises aufgeschlagen.

Der Zug war schon nach wenigen Minuten rappelvoll und die mit 30-minütiger Verspätung begonnene Fahrt ins knapp 400 km entfernte Jaipur war wieder ein Erlebnis. Im Wagen wuselten die Leute umher und mehrfach mussten Fahrgäste ihre Bänke räumen, als die rechtmäßigen Sitzplatzinhaber kamen. Auch fliegenden Händler waren wieder zahlreich vertreten und boten sogar Kopfhörer und Socken im Zug an. Zudem zogen erstmals auch viele Bettler durch die Wagons. Zuerst kam ein Blinder mit Stock, der recht sicher durch den Zug lief, es folgten eine alte Frau und ein zerlumpter Mann mit einem kleinen Mädchen. Der Mann rutschte sitzend über den Boden und wischte darauf ein bisschen mit einem dreckigen Lappen herum. Erst meinte man, er könne nicht laufen, aber letztendlich stand er auf und ging weiter in den nächsten Wagon.

Die indischen Reisenden waren zudem erstaunlich gut für die Reise ausgestattet. Ein älteres Ehepaar, das uns gegenüber saß, begann gegen Mittag seinen Proviant auszupacken. Zuerst lege die Frau einen Bogen alte Zeitung auf die Sitzbank, damit diese sauber blieb. Dann holte sie eine Kunststoffdose hervor. In einem Fach darin waren zusammen gerollte Chapatis und daneben waren zwei Vertiefungen für zwei kleine Dosen, gefüllt mit dicker Sauce und mit Chillies. Dazu gab es eine Nussmischung aus der Plastiktüte und als Nachtisch Äpfel und Bananen. Deren Schalen und alle anderen Reste samt Zeitung wurden nach Beendigung der Mahlzeit kurzerhand in die Plastiktüte gesteckt und diese einfach aus dem Fenster geworfen.

Zur Fahrkartenkontrolle kam dieses Mal ein fünfköpfiges Team, bestehend aus zwei Polizisten und drei Bahnmitarbeitern. An einer offenen Wagontür ertappten sie prompt einen Schwarzfahrer. Nach lauten Diskussionen sprang der junge Mann einfach hinunter auf die Gleise, da der Zug gerade an einem Bahnhof hielt. Er wurde aber von weiteren Polizisten gefasst und bekam als erstes vor den Augen der anderen Fahrgäste, die sich an Fenstern und Türen versammelt hatten, eine schallende Ohrfeige. Dann wurde er abgeführt.

Um 14 Uhr erreichten wir schließlich Jaipur und wurden vor dem Bahnhof gleich von Babu angesprochen. Er brachte uns mit seinem Tuk Tuk zum Hotel und nach einer kurzen Pause fuhren wir von dort zum Ji Tempel von Galta am Stadtrand. Er ist Hanuman, dem Gott der Affen geweiht, die dort zu Hunderten leben Die gut 3 km lange Fahrt durch den dichten Verkehr dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Dann standen wir auf einer Straße mit grobem Pflaster, die in Kurven den Hang hinauf führte. Unten hatte man uns gleich Erdnüsse als Affenfutter und die Begleitung durch einen „Affenexperten“ angeboten, da die örtlichen Rhesusaffen sehr bissig seien. Die ersten saßen schon auf den Mauern und Laternen. Sie ließen sich nicht davon abschrecken, dass diese mit Stacheldraht umwickelt waren, wichen aber zurück, wenn man sich auf weniger als zwei Meter näherte. Oben auf der Hügelkuppe angekommen, wo ein paar Häuschen und ein Tempel standen, ging es auf der anderen Seite sogleich wieder hinunter zum Ji Tempel. Dieser steht am Grund einer schroffen Felsschlucht. Das Hauptgebäude erinnerte irgendwie an den Tempel von Deshnoke, es war nur deutlich größer und von Affen statt Ratten bevölkert. Aber hier wie dort roch es streng, man musste eine Kameragebühr bezahlen, alles war ziemlich verwahrlost und es gab auch einige kranke oder verletzte Tiere. Zudem war in Galta der Boden ebenfalls mit Futter übersät, genauer gesagt mit Erdnüssen, Bananen und extra von den Priestern für die Affen gebackenen Chapatis. Die Tiere zankten sich, paarten sich und stopften sich die Backen voll. Zudem posierten zwei Männer mit ihnen und bugsierten einen Affen auf Wunsch auch auf die Schultern der Besucher. Plötzlich brach in der großen Horde Panik aus und alle flüchteten auf der einen Talseite hinauf in die Felsen. Einer der beiden Männer deutete auf den Kamm auf der anderen Seite, wo sich in etwa 200 Metern Entfernung ganz oben kurz und schemenhaft ein Leopard zeigte.

Der Ji Tempel von Galta liegt versteckt in einer Schlucht. Er ist Hanuman, dem Gott der Affen geweiht, die dort zu Hunderten leben.

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