14. Tag

Um 4.30 Uhr kam der Weckanruf. Nach einer Tasse Tee und einige Keksen fuhren wir dann zum Gate der Kernzone Turia. Während das Filmteam in den insgesamt 12 Monaten Drehzeit den Tigern auf den Elefanten überall hin hatten folgen können, mussten wir auf den Pisten bleiben. Diese waren jedoch weniger staubig als in Kanha, obwohl es in Pench trockener und heißer ist. Der namensgebende Fluss Pench führt aber ganzjährig Wasser. Der Park ist zudem felsiger als Kanha und liegt tiefer.

Trotz der hohen Tierdichte, zu der auch je 100 Tiger und Leoparden zählen, sahen wir zunächst kaum ein Tier. Da der Himmel bedeckt war, war es aber etwas kühler als an den Vortagen. Camp-Naturalist Brabhir fuhr und führte uns und konnte sogar ein wenig deutsch. Zuerst zeigte er uns die Höhle eines Stachelschweins, dann einen Baum, an dem es ringsherum die Rinde abgefressen hatte und schließlich eine Stelle, an der viele Stacheln herumlagen. Dort hatte ein junger unerfahrener Tiger ein Stachelschwein angegriffen und sich dabei auch einige Stacheln im Gesicht eingehandelt.

In einer Baumhöhle direkt an der Piste saß ein Stück weiter eine Indien-Zwergohreule (Indian Scops Owl), auch Hindu-Halsbandeule genannt. Von einem hohen Damm sahen wir anschließend hinab zu einer Wasserstelle mit Bäumen und konnten dort sozusagen auf Augenhöhe einen Braunschwanz-Seeadler (Lesser fish eagle) beobachten, der auf einem Ast saß. Am Boden schlugen drei Pfauen schillernde Räder mit ihren prächtigen Schwanzfedern, die sie zum Ende der sommerlichen Paarungszeit abwerfen, wie ich 2017 schon in Ranthambore hatten sehen können. Brabhir entdeckte schließlich in der Ferne einen Leoparden, der ein Stück weit parallel zu uns durch den Wald lief und sich schließlich für ein Schläfchen hinlegte. Aufgrund der großen Entfernung gelangen aber selbst mit Konverter nur einige „Beweisfotos“. Direkt neben unserem Auto, das ganz allein auf der Piste stand, klappte derweil eine kleine Agame (Fan Throated Lizard) ihren Halslappen aus, der bei diesem Jungtier aber noch nicht bläulich schimmerte. Auf dem Picnicplatz standen später ein lebensgroßer Plastik-Mogli und eine Infotafel zu den realen Hintergründen zu Kiplings Dschungelbuch.

Auf der Rückfahrt zum Gate stand dann ein knappes Dutzend Gypsys auf der Piste. Das konnte nur eines bedeuten: Tiger in der Nähe. Es waren sogar zwei neun Monate alte, halbstarke Jungtiere einer fünfköpfigen Tigerfamilie. Allerdings waren sie genausoweit weg wie der Leopard und bewegten sich zudem noch in einem sandigen Graben, so dass sie nur gerade eben noch zu entdecken waren, als sie sich hinlegten. Wir verzichteten auf Fotos und fuhren weiter, um pünktlich um 11 Uhr wieder am Tor zu sein. Bei zeitlichem Verzug drohten sonst laut Brabhir 4.000 INR Strafe. Da inzwischen die Sonne herausgekommen war, war es wieder entsprechend heiß, so dass wir im Camp vor dem Mittagessen noch kurz in den Pool gingen.

Um 15.30 Uhr startete die Nachmittagssafari. Zuerst sahen wir eine noch ein wenig besser versteckte Indien-Zwergohreule, von der hinter den Blättern nur ein paar Federn zu erkennen waren. Dann fuhren wir wieder zu dem Wasserloch, wo am Morgen der Leopard gewesen war, der jedoch nicht mehr auftauchte. Auch die Suche nach einem anderen Leoparden blieb erfolglos. Als wir an einer Weggabelung an einem Wasserloch wieder ein Dutzend Gypsys stehen sahen, erklärte Brabhir, dass dorthin oft eine Tigerin mit ihren Jungen zum Trinken komme. Allerdings sei sie seit zwei Tagen nicht mehr da gewesen, deshalb entschlossen wir uns weiter zu fahren. Später kamen wir zu einer weiteren Ansammlung von Jeeps. In den umliegenden Bäumen und Sträuchern saßen viele Hanuman-Languren, die sehr aufgeregt waren und in einem „Affenzahn“ im Geäst herumsprangen oder über den Boden rannten. Der Grund für die Alarmstimmung blieb allerdings unklar.

Zurück im Camp nahmen wir dann um 20.15 Uhr noch an einem kurzen Night Walk über das Gelände teil. Im Licht der Taschenlampe des Naturführers zeigte sich dabei eine weitere Indien-Zwergohreule, die ganz frei auf einem Ast saß und hellwach nach Beute Ausschau hielt. Zudem sahen wir in der Ferne hinter dem Zaun einige Axis-Hirsche und ein paar Wildschweine durch das Unterholz ziehen.

In der Kernzone Turia des Pench-Nationalparks tauchte dieser Leopard in der Ferne auf und wir konnten ihn eine Weile beobachten.

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