20. Tag:

Heute standen wir erst um 6 Uhr auf, gingen zuerst zum Wasserloch, wo sich nur ein paar Impalas zeigten, und erst dann zum Frühstück. Beim dritten Besuch von Goas war eine größere Zebraherde dort. Auf der weiten Ebene um Springbokfontein und Okerfontein grasten und ruhten große Gnu-, Zebra-, Springbok- und Impalagruppen mit weit mehr als hundert Tieren. Bei Kalkheuwel waren Warzenschweine, Kudus, Zebras und einige Kuhantilopen zu sehen, aber kein Leopard oder andere Raubkatzen. Obwohl Dayne die Aussage des Naturreiseführers „Südliches Afrika“ bestätigt hatte, dass diese Wasserstelle die beste des Parks sei, um Leoparden zu sehen. Er hatte allerdings geraten, nicht am Wasserloch selbst, sondern auf den 2 km Piste davor Ausschau nach dem scheuen Jäger halten. In Chudob konnten wir dann aber, wie vom Reiseführer prognostiziert, einigen Giraffen beim Trinken zusehen, bevor wir gegen 13.30 Uhr in Namutoni ankamen.

Im kleinen Museum des Camps erfuhren wir, dass Etosha schon vor der Kolonialzeit ein wichtiges Jagdrevier gewesen war. Die im Gebiet lebenden Haillom, deren Volk zu den Buschleuten gezählt wurde, waren Jäger und Sammler gewesen. Auch die Bewohner des nördlich davon liegenden Ondonga, einem traditionellen Königreich der Ovambo, kamen jährlich in der Regenzeit zwischen März und Juli zum Jagen. Die Erlaubnis dazu konnte aber nur der Omnkwaniilwa geben, der König selbst. Mit den Europäern nahm die Jagd dann jedoch so stark zu, dass der Entdecker und Händler James Chapman in den 1860-er Jahren schätzte, dass jährlich zwischen 6.800 und 9.000 kg Elfenbein von Etosha über den Hafen von Walvis Bay exportiert wurden. Dabei war das Elfenbein, das über Land zum Kap oder in die angolanischen Häfen gelangte, noch garnicht eingerechnet. Außerdem kamen jährlich 2.500 Strauße aus dem Ovamboland in den Handel. Als Etosha 1907 zum Schutzgebiet wurde, war die Jagd fortan verboten, nur die ansässigen Haillom durften dort noch bis 1954 ohne Feuerwaffen jagen, dann mussten auch sie den Park verlassen.

Das erste kleine Fort in Namutoni errichteten die Mitglieder der Deutschen Schutztruppe im Jahr 1889. Dieses wurde aber schon 1904 von den Ovambo unter König Nehale Lya Mpingana vollständig zerstört. 1905 erbaute man die Festung dann neu, so wie sie bis heute zu sehen ist. 1915 eroberten südafrikanische Truppen Namutoni, die deutsche Besatzung von 190 Offizieren und Soldaten kapitulierte dabei ohne einen einzigen Schuss. Danach verfiel das Fort und ein Blitzschlag sorgte für zusätzliche Zerstörungen. 1947 wurde die Renovierung des Bauwerks beschlossen und 1950 wurde es zum National Monument. Seit 1957 sind die Pforten des Forts für Touristen geöffnet, eine erste Modernisierung erfolgte 1983 und bei der Renovierung 2007 wurden die Gästezimmer in ein neues Gebäude verlegt. Das Aussichtsdeck im Fort ist aber derzeit beschädigt. Eine Zählung im Park ergab 2007 die Zahl von 2.500 Elefanten und etwa 400 Löwen. Außerdem lebt dort eine der wichtigsten Spitzmaulnashorn-Populationen der Welt, die 1995 erfolgreich wieder angesiedelt wurde. Allein bis Juli 2015 fielen im laufenden Jahr aber schon 17 Tiere den Wilderern zum Opfer.

Auf der Nachmittagspirsch sahen wir zwar keine Nashörner, ein Südafrikaner informierte uns jedoch, dass auf der Strecke um die Fisher’s Pan in nur 2 km Entfernung zwei Geparde unterwegs seien. Wir entdeckten dann eines der Tiere, das nur 10 m neben der Straße im Schatten unter einem Baum lag. Als das dritte Auto anhielt, wurde es ihm aber zuviel, es stand auf, rannte einige Meter auf einen Springbok zu und bog dann zu einem weiter im Gelände liegenden Baum ab. Kurz nachdem sich die Gepardin dort niedergelassen hatte, tauchten aus dem hohen Gras zwei Junge auf und setzten sich neben ihre Mutter. Als sich alle drei hinlegten, waren sie kaum noch zu sehen. Auf der Weiterfahrt um die trockene Lehmpfanne sahen wir in den Bäumen einige Gelbschnabel-Tokos und Gabelracken sitzen. Bei Klein Okevi trafen wir dann auf eine kleine Elefantenherde, die nur 2-3 m neben der Straße durch das Gebüsch zog und uns zwar aufmerksam musterte, sich aber weder stören ließ noch aggressiv wurde. Die Piste zu unserer letzten Station, dem nur 2 km vom Fort entfernten Wasserloch Klein Namutoni, wurde offenbar so häufig und/oder schnell befahren, dass die umliegenden Büsche so dick mit hellem Staub bedeckt waren, dass das ganze Szenario fast wie eine verschneite Winterlandschaft aussah. Mittendrin sprangen drei schreckhafte, kleine Dik-Diks herum. Die 5-6 kg leichten Miniantilopen gibt es nur in Namibia. Die Buschmänner erzählen sich, dass sie ihre Hinterlassenschaften immer an dieselbe Stelle setzen, weil einst eines der Tiere über einen riesigen Elefantenhaufen gestolpert ist und den Dickhäutern nun umgekehrt dasselbe passieren soll.

Am Wasserloch von Namutoni waren wir nach dem Abendbuffet die Einzigen, es gab weder andere Besucher noch irgendwelche Tiere. Nur eine Fledermaus drehte ihre Runden um den Lichtmast. Bis wir um 21.15 Uhr zu Bett gingen, ließ sich auch niemand mehr blicken.

Gabelracke im Etosha-Nationalpark.
Gabelracke im Etosha-Nationalpark.

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