21. Tag

Auf der Fahrt nach San Francisco (auch Frisco genannt) waren die Mittel- oder Seitenstreifen der Highways bis zur Interstate 5 fast durchgehend mit bunten Oleanderbüschen bepflanzt. Zunächst führte die Strecke wieder durch Obstanbaugebiete mit Mandelbäumen, sowie Kirsch- und Orangenhainen. Die drei Orangen, die wir von einem Baum pflückten, schmeckten aber nicht besonders aromatisch und enthielten auch nur wenig Saft. Dann veränderte sich die Landschaft, die Hügel zu beiden Seiten der Interstate waren nur noch mit trockenem Gras bewachsen. Auf einer Kuppe befand sich auch ein größerer Windrad-Park.

Über die zweietagige Oakland Bay-Bridge erreichten wir schließlich die Innenstadt von San Francisco und bezogen dort gegen 15 Uhr unser zentral an der Market Street gelegenes Hotel. Nachdem wir den Wagen zum Spottpreis von 28 US$ + Tax pro Tag auf dem hoteleigenen Parkplatz abgestellt hatten, bummelten wir die Market Street bis zum Fähranleger hinab. Dabei führte uns ein kurzer Abstecher in die Stockton Street im Einkaufsviertel Union Square, wo sich neben den vom Rodeo-Drive bekannten Nobelboutiquen auch große Jeans-Stores von Levis und Diesel befanden. Die wenig engagierten Verkäufern stellten zwar sofort die übliche „How are you?“-Frage, setzten dann aber nur hinzu, dass sie keine Hosen mit 38-er Länge hätten. Bei Levis gab man mir immerhin noch eine Internetadresse und eine Telefonnummer für die Bestellannahme von Übergrößen. In einem großen Fotoladen in der Nähe sagte mir der Verkäufer ebenfalls nur kurz, dass er Carbonstative des US-Herstellers Induro nicht führe, weil so hochwertige Ware zu selten verlangt werde. Als ich nach einem Laden fragte, wo ich die Stative bekommen könnte, hieß es nur „Don’t waste your time“. Soviel zum Einkaufsparadies Amerika.

Vor dem Fähranleger am Embarcadero stand eine Golden Gate-Bridge aus Bohnen-Konservendosen. Auf einem Plakat war zu lesen, dass einer von acht Amerikanern nicht genug zu essen habe, und die Veranstalter „feeding america“ und „Windows Internet Explorer“ für jeden Download der 8. Version des Internetbrowsers acht Mahlzeiten spenden würden. Eine junge Dame am dazugehörigen Infostand erklärte der Aufbau der Brücke haben neun Stunden von 7 bis 16 Uhr gedauert und sie hätten auch schon in New York das Empire State Building aus Dosen nachgebildet. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass sie für eine Agentur arbeitete, die von Microsoft beauftragt worden war. Scheinbar soll jetzt also der Marktanteil des Explorers über die Wohltätigkeitsschiene erhöht werden.

Eine Golden Gate-Bridge aus Bohnen-Konservendosen am Embarcadero von San Francisco.

 

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