12. Tag

Bei der Abreise aus Montecatini Therme stoppten wir kurz am Kurpark. Am Zugang standen auf beiden Seiten lange Reihe von Verkaufsbuden, die alles mögliche anbieten. Der Kurpark selbst versprühte mit seinem alten Baumbestand den Charme vergangener Zeiten. Die Therme Torretta und eine weitere waren in desolatem Zustand und aufgrund ihrer Baufälligkeit geschlossen. Die Therme Tettucio war dagegen geöffnet, der Besuch mit Anwendungen kostete 15 Euro. Der Weg zum Eingang war ein Mini-Walk of Fame mit bierdeckelgroßen Plaketten im Boden. Darauf sind die Namen von Stars wie Pele, Charles Aznavour, Herbert von Karajan oder Mike Hucknall verewigt.

Nach einer knappen Stunde fuhren wir weiter und hatten nach 40 km auf der A11 bald Florenz erreicht. Durch die nördlichen Vororte ging es dann hinauf in die Hügel des Mugello und nach Fiesole. Der 14.000 Einwohner-Ort geht zurück auf die etruskische Siedlung „Faesulae“, die bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. existierte als im sumpfigen Tal des Arno noch nichts von Florenz zu sehen war. In Fiesole errichteten die Römer sogar Thermen und ein Ampitheater. 1125 zerstörten jedoch die Florentiner den Ort und gliederten ihn in die Provinz Florenz ein.

Wir folgten der Straße durch Fiesole hindurch ins Hinterland bis zum Weiler „Torre di Buiano“, wo wir ein Agritourismo B&B gebucht hatten. Der kleine Bio-Bauernhof stellte Olivenöl und Safran her. Dieses „rote Gold“ wird seit dem Mittelalter in der Toskana angebaut, vor allem um San Gimignano herum. Das Edelgewürz besteht aus den Blütenfäden des Safran-Krokus und wird zum Beispiel für Biscotti, Pasta oder Risotto alla Milanese benötigt. Unser Gastgeber Giovanni erklärte, dass wir für einen Besuch von Florenz an der Piazza Mino in Fiesole zu den kostenlosen Parkplätzen rund um die Area Archeologica fahren sollten. Dann zurück zum Dorfplatz laufen, wo bis Mitternacht etwa alle 20 Minuten ein Bus der Linie 7 zur Piazza San Marco im Universitätsviertel von Florenz fährt. Von dort sind es nur 10 Gehminuten zum Dom. Statt der oft überteuerten Restaurants im Zentrum von Florenz empfahl uns Giovanni zudem einen Besuch der kleinen Lebensmittelgeschäfte des Mercato Centrale, nur 500 m von der Piazza San Marco entfernt, auf halber Strecke zum Bahnhof, der ein kleines Stück nordwestlich der Altstadt steht.

Zurück in Fiesole stellten wir also das Auto wie empfohlen ab und liefen zunächst zur Aussichtsterrasse der Franzikanerkirche hinauf, mit einem tollen Blick auf Florenz. Am Nachmittag allerdings im Gegenlicht. Dann fuhren wir mit dem Bus für 1,20 Euro in 20 Minuten 300 Höhenmeter hinab nach Florenz. Die Renaissance-Metropole wurde 59 v.Chr. von Julius Cäsar als Siedlung „Florentina“ gegründet, benannt nach der römischen Göttin der Getreideblüte. Der Name war absolut passend, denn der Ort blühte sehr schnell auf. Im 15. und 16. Jh. hatte die Patrizierfamilie der Medici daran entscheidenden Anteil.

Unser erster Rundgang durch die Altstadt führte über die Ponte Vecchio, die älteste Brücke der Stadt an der schmalsten Stelle des Arno. Schon die Römer hatten dort für ihre Via Cassia eine Holzbrücke errichtet, die im Jahr 123 n.Chr. durch eine Steinbrücke ersetzt wurde. Die heutige Brücke stammt aus dem 13. Jh.. Zu dieser Zeit waren die Geschäftsräume zu beiden Seiten des Übergangs in der Hand der Fleischer, die ihre Abfälle so ganz bequem direkt in den Fluss entsorgen konnten. Aufgrund des damit verbundenen Gestanks, der auch den Verbindungsgang von den Uffizien zum Palazzo Pitti umwehte, ließen die Medici die Läden bald per Dekret räumen und siedelten dort Goldschmiede an. Der berühmteste unter ihnen, Benvenuto Cellini, hat heute eine eigene Büste auf der Loggia der Brücke.

Am anderen Ufer ging es dann weiter zur Piazza Michelangelo. Von der Treppe, die hinauf führte, machte ich noch einen kleinen Abstecher zum bunt blühenden Giardino delle Rose mit über 350 Rosenarten. Früher war der Garten nur im Mai geöffnet, inzwischen kann man ihn das ganze Jahr über besuchen. Oben auf dem Platz mit dem schönsten Blick über Florenz versammelten sich am Abend Tausende, um den Sonnenuntergang zu genießen. Für einen längeren Aufenthalt gibt es eine Etage tiefer auch ein Café mit einer großen Terrasse.

Als wir auf dem Rückweg zum Bus um 21.30 Uhr an der Basilica di San Lorenzo vorbeikamen, war die Tür noch offen, es drang Orgelmusik nach draußen und wir traten neugierig ein. Die Kirche ist eine der größten der Stadt und wurde 393 gegründet. Sie war 300 Jahre lang die Kathedrale von Florenz und die Pfarrkirche der Medici. Um das Jahr 1425 wurde das alte romanische Gotteshaus ersetzt, durch den Bau der ersten Kirche der Renaissance. Im imposanten Innenraum begrüßte uns ein älterer Herr mit einem Lächeln und gab uns Teelichter, die wir anzünden und uns etwas wünschen sollten. Er erklärte im Marienmonat Mai würden an drei Donnerstagen abends Andachten stattfinden und Maria gelte als Fürsprecherin der Menschen. Der Marienmonat beziehe sich auf alte Bräuche, die das Aufblühen der Natur im Frühling feierten. Im Zuge dessen würden Marienbilder oft mit Blumen geschmückt. Im Mittelgang der Kirche war stattdessen eine von zwei Kerzenständern flankierte Marien-Ikone aufgestellt.

Der kleine Ort Fiesole liegt in den Hügeln des Mugello 300 Höhenmeter über Florenz in der Ebene des Arno.

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