22. Tag

Von unserem Hotel, das mit seiner prunkvollen Lobby Anfang des 20. Jh. erbaut worden und von 1912-1915 sogar zeitweise das Rathaus der Stadt gewesen war, fuhren wir bei grauem Himmel über den Embarcadero vorbei an den verschiedenen Piers zu einem großen, kostenlosen Parkplatz in Marina Green, nahe des Yachthafens. Von dort spazierten wir am Wasser entlang über den ehemaligen Militärflughafen Crissy Field zum „Gulf of the Farallones“ National Marine Sanctuary-Visitor Center. Dann ging es weiter zum Fort Point mit einer der drei alten Verteidigungsanlagen zum Schutz der Bucht. Ein Weg führte schließlich über einen blumenbewachsenen Hang hinauf zum Südende der Golden Gate-Bridge. Beim Überqueren der 2.739 m langen Brücke zeigte sich auch wieder die Sonne und wenig später war der Himmel strahlend blau. Auf dem Parkplatz am nördlichen Ende der Brücke stand einer der roten Doppeldeckerbusse, die inzwischen in vielen Metropolen der Welt Rundfahrten mit verschiedenen Haltepunkten anbieten. Mit einem Ticket kann man dann für 48 Std. beliebig oft aus- und zusteigen. Der Fahrer behauptete wenig überzeugend, dass wir unbedingt mit ihm für 10 US$ pro Person zurück nach Fisherman’s Wharf fahren sollten, da der Weg zur Fähre in Sausalito, einem kleinen noblen Ort am Nordufer der Bucht, viel zu weit sei. Der Reiseleiter eines anderen Touristenbusses war dagegen ehrlich und erzählte, dass der Fähranleger nur eine Meile entfernt sei. In Sausalito angekommen, fanden wir direkt an der Uferpromenade einen Italiener mit zivilen Preisen, wo wir mit Blick auf die Bucht und die entfernte Skyline von San Francisco zu Mittag speisten.

Auf einer Bank am Anleger saß ein Vagabund mit großem Hut, Gitarre und einem Dackel, der immer wenn Touristen vorbei kamen „The Dock of the Bay“ anstimmte, ein Lied, das nach seiner Aussage in Sausalito geschrieben worden war. Er kam aber nie weit über einige wenige Akkorde und „I left my home in Georgia…“ hinaus. Außerdem setzte er seinem Hund Brille und Hut auf, um, wie er sagte, ein wenig Geld für sein Bier zu sammeln. Wenn gerade kaum Leute da waren, gönne er sich aber auch schon mal einen Schluck Wodka, wie er uns fröhlich aber nicht betrunken bei einem schnellen Griff zur Flasche erzählte.

Zurück in Fisherman’s Wharf schlenderten wir an den vielen bunten Geschäften vorbei zur Pier 39, wo sich die zur Attraktion gewordenen Seelöwen sonnten. Meist liegen zwischen 100 und 500 Tiere auf den Holzpontons, im Sommer ziehen sie zur Paarung aber nach Südkalifornien und Mexiko. Dann sind sie nicht am K-Dock anzutreffen, wo sie sich seit dem Erdbeben im Herbst 1989 versammeln. Biologen vermuten, dass die Seelöwen den Pier für sich entdeckten, weil in der Umgebung viel Nahrung zu finden ist, die Docks vor Sturmwellen geschützt sind und ihre Feinde, Weiße Haie und Orcas, nicht in die Bucht kommen.

Der Weg zurück zum Auto führte uns an der Boudin Bakery vorbei. Dort transportiert ein Hängeschienensystem unter der Decke die frischen Backwaren in Körben direkt aus der gläsernen Backstube in den Verkaufsraum. Bekannt ist das Geschäft für die Clam Chowder, eine sämige Suppe mit Venusmuscheln, die in essbaren Brotschalen serviert wird.

Auf der Rückfahrt fuhren wir noch die Lombard Street mit ihren 8 terracottagefliesten Haarnadelkurven hinab und sahen uns die „Painted Ladies“, sechs viktorianische Häuser von 1894, am Alamo Square an, bevor wir gegen 20 Uhr wieder in unserem Hotel ankamen.

Der kleine, noble Ort Sausalito liegt am Nordufer der Bucht von San Francisco.

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