13. Tag

Als wir in Florenz bei strahlend blauem Himmel zur Piazza della Signora kamen, war dort der Palazzo Vecchio, der imposante Regierungspalast der Medici, für ein Treffen italienischer Politiker mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker weiträumig abgesperrt. So konnten wir nicht an der Loggia die Lanzi mit ihren großen Skulpturen vorbei gehen, dem ehemaligen Stützpunkt der Landsknechte, die das Vorbild der Münchner Feldherrnhalle ist. Über einen kleinen Umweg gelangten wir aber trotzdem bald zu den Uffizien. Der U-förmige Palast beherbergte früher die Stadtverwaltung der Medici und heute die weltgrößte Sammlung mittelalterlicher italienischer Kunst. Wer kein zeitgebundenes Ticket vorreserviert hat und nicht bei den fliegenden Händlern den doppelten Preis bezahlen möchte, muss sich in eine Schlange stellen, von der alle 30 Minuten 40 Wartende zur Kasse vorgelassen werden. Wir mussten nur etwa eine Stunde anstehen und hatten dann unsere Eintrittskarten für je 20 Euro in der Hand. Da auch die Besucherzahl im Museum recht überschaubar war, hatte man nach kurzer Wartezeit selbst auf die berühmtesten Gemälde einen freien Blick. Dazu zählt zum Beispiel Sandro Botticellis „Die Geburt der Venus“ von 1485. Die Museumsführer wussten nicht nur, dass der Künstler von Homer zu diesem Motiv inspiriert worden war, sondern hatten für deutsche Besuchergruppen auch gleich einen aktuellen Bezug dazu parat: Die Werbeplakate für die aktuelle Staffel von GNTM. Darauf entsteigt Model Heidi Klum splitternackt einer großen Muschel, allerdings im Gegensatz zum Vorbild in einer jugendfreien Pose. Das historische Model Simonetta Vespucci war da etwas freizügiger. Unglücklich verheiratet mit dem Cousin des berühmten Entdeckers Amerigo Vespucci, galt sie als die schönste Frau von ganz Florenz und war die Geliebte von Guiliano de Medici, dem Bruder von Lorenzo di Pierfrancesco de’ Medici. Weitere besondere Ausstellungsstücke sind das einzige Leinwandbild Michelangelos sowie einige Werke von Leonardo da Vinci, die der Meister auch vollendet hatte, was bei dem vielbeschäftigten Universalgenie nicht selbstverständlich war. Ein Beispiel dafür ist die „Anbetung der Könige“, die der Künstler 1481 begann, aber nie fertigstellte. Das Gemälde wurde nach sechsjähriger Restaurierung 2017 separat ausgestellt und ermöglicht seitdem einen einmaligen Einblick in die Arbeitsweise da Vincis. Neben den Gemälden, den Büsten und den Skulpturen sind in den Uffizien aber auch die detaillierten Deckenmalereien der langen Gänge sehr sehenswert.

Der achteckige Saal, Tribuna genannt, wurde von Francesco I, dem Sohn von Cosimo I de’ Medici in den Uffizien eingerichtet, um seine wertvollsten Objekte auszustellen.

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