4. Tag

Nach nur 30 Meilen hatten wir schon das Tagesziel Key West erreicht und das Auto am Guesthouse geparkt. Direkt gegenüber standen die Leute auf der anderen Straßenseite Schlange, um sich gegenseitig vor der großen Betonboje des Southernmost Point zu fotografieren. Wir folgten dann der Duval Street, vorbei an Geschäften, Pubs und Restaurants, zu ihrem nördlichen Ende am Mallory Square. Am Kai ankerten dort zwei große Kreuzfahrtschiffe und in einer alten Lagerhalle hatte ein Künstler zwischen Souvenirläden, einem Zigarrengeschäft und einem Restaurant eine kubanische Straßenszene nachgebaut. Diese erinnert daran, dass viele Kubaner in den 1870-er Jahren vor der Revolution in ihrer Heimat flohen und sich in Key West niederließen. Dabei brachten sie die Industrie der handgerollten Zigarren in die Stadt, die 1890 die größte von Florida war und 1900 aufgrund von 200 Zigarrenfabriken den Beinamen „Cigar City USA“ erhielt.

Wir folgten dann dem „Pelican Path“ ein Stück, der an insgesamt 51 historischen Gebäuden vorbeiführte. Diese waren aufgrund des tropischen Klimas früher auf Pfählen gebaut, damit die Luft darunter zirkulieren konnte, und hatten große, schattige Terrassen. Ein Haus an der Strecke war z.B. das Wall & Company Warehouse von 1879, erbaut von einem Nachfahre des englischen Schiffbrüchigen William H. Wall, der 1831 eine eigene Zigarrenproduktion gegründet hatte. Sehenswert ist auch das Audubon House, wo 1832 John James Audubon wohnte, der in und um Key West 19 neue Spezies für sein Monumentalwerk „Birds of America“ entdeckt hatte. Auf den Straßen laufen noch heute viele Hühner herum, die verwilderten Nachfahren des Geflügels, das die Leute früher in ihren Gärten hielten, während Ziegen und Kühe auf „Stock Island“ lebten, einer eigenen Insel vor Key West.

Zurück im Guesthouse machten wir eine Pause in den Hängematten im tropischen Garten, während noch immer eine Schlange vor der Boje stand. Um 16 Uhr begann dann die große Parade zum Veterans Day auf der Duval Street, bei der an die Zuschauer kleine US-Fähnchen verteilt und für die Kinder Süßigkeiten geworfen wurden. Teilnehmer des etwa 20 Minuten langen Zuges waren z.B. die Soldaten der örtliche Marine-Basis und der Küstenwache, mehrere Schulen, ein schottischer Verein und natürlich viele Veteranen. Diese saßen teilweise im Touristenbähnchen für Stadttouren, es gab aber auch einen Ex-Major in einem klapprigen VW-Bulli oder eine feine Dame in der Paradeuniform eines Fähnrichs aus dem 2. Weltkrieg in einem schicken, weißen Cabrio. Außerdem fuhr ein Pickup-Truck mit einem Hänger mit, auf dem das große Porträt eines 21-jährigen, im Irak-Krieg gefallenen Soldaten stand. Dahinter stand die ganze Familie, warf Süßigkeiten und freute sich scheinbar darüber mit der Aktion die Erinnerung an den Toten wach zu halten. Nach einem Glas Wein im Garten des Guesthouse machten wir uns dann auf den Weg in ein kubanisches Restaurant. Unsere Gastgeberin hatte uns das „El Siboney“ ebenso empfohlen wie unser Reiseführer, und auf die großen Portionen hingewiesen. Deshalb bestellten wir nur drei Gerichte für vier Personen, was dann genau passte, während viele andere Gäste oftmals die Hälfte des Essens in großen Schachteln mit nach Hause nahmen.

Guesthouse mit tropischem Garten in Key West.
Guesthouse mit tropischem Garten in Key West.

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