4. Tag

Während sich unser mitreisender Berufsfotograf mit dem Auto auf Motivsuche in Richtung des 350 km entfernten Vulkans Misti nahe Arequipa begab, nahmen wir an einer Bootsfahrt zu den schwimmenden Inseln der Uros im Schilfgürtel in der Lagune vor Puno teil. Die Wohninseln, Häuser und Boote der „Seemenschen“ bestanden ursprünglich komplett aus Totora-Schilf. Dieses traditionelle Baumaterial wird heute allerdings in erster Linie nur noch wegen der zahlreichen Touristen benutzt. Man braucht gar nicht allzu genau hinsehen, um auch Solarzellen, Wellblech, Plastikplanen oder Holzboote mit Außenbordmotor zu entdecken. Reinrassige Uros gibt es zwar keine mehr, ihre Nachfahren in traditioneller Kleidung bemühen sich allerdings die Illusion der „ursprünglichen“ Kultur aufrecht zu erhalten. Wir besuchten vier der zahlreichen Inseln, die beidseitig eines breiten Kanals im Schilf verankert sind und oftmals über einen Beobachtungsturm sowie in der Mitte über einen kleinen, von Netzen gesicherten Teich mit Zuchtforellen verfügen. Jeder Besucher durfte auch eine „Uro-Banane“ probieren: Wenn man von unteren Bereich eines Schilfstengels oberhalb der Wurzel die Schale abzieht, kommt das essbare Innere zum Vorschein. Der weiße, weiche Kern hat eine Styropor-ähnliche Konsistenz und ist geschmacklos bis leicht süßlich.

Zeitgleich mit uns traf auch unser Fotograf am frühen Nachmittag wieder in unserem Hostal ein. Er hatte an einer Kreuzung eine rote Ampel übersehen und war dafür von einem Polizisten gleich an Ort und Stelle mit 110 US$ zur Kasse gebeten worden. (Zu Hause erfuhr ich von meinem peruanischen Freund Jorge, dass man diese unangemessen hohe Summe nicht hätte zahlen, sondern darauf bestehen sollen zur Wache zu fahren. Allerdings hätten die dann nötigen Verhandlungen schlimmstenfalls einen ganzen Tag gekostet).

Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg nach Cuzco. Die Straße führte zuerst über eine Hochebene mit vielen Feldern, danach durch ein fast baumloses, mit hohem Steppengras bewachsenes Tal mit großflächig terrassierten Hängen und schließlich über den 4.338 m hohen La Raya-Pass, der eine Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik bildet. Dahinter nahm der Baumbewuchs sichtbar zu und begleitet von abendlichem Regen erreichten wir die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs. Schnell machten wir die Erfahrung, dass es keine gute Idee ist mit einem Geländewagen in die Altstadt zu fahren, der fast so breit ist, wie die dortigen schmalen Gassen. Erschwerend kam hinzu, dass sich die im Reiseführer eingezeichneten Straßen oft als Fußwege mit steilen Treppen entpuppten. Wir entschieden uns daher für ein Hotel etwas außerhalb des Zentrums mit einem bewachten Parkplatz in der Nähe.

Eine der schwimmenden Inseln der Uros im Schilfgürtel in der Lagune vor Puno.

2 thoughts on “12. April 2007 – Cuzco

  1. Ich war zur fast gleichen Zeit da. Peru war eines meiner ersten großen Reiseerlebnisse. Peru hat mich infiziert 😉 Danke für
    den Bericht, der lässt mich in Erinnerungen schwelgen.
    VG Markus

    1. Hallo Markus,
      freut mich, dass Dir der Bericht gefällt und danke für die Rückmeldung. Peru ist auch toll, die Nachbarländer aber ebenso. Jedenfalls warst Du ja dann auch noch zu einer Zeit dort, als man Machu Picchu noch ohne Restriktionen besuchen konnte. Kann ich ja verstehen, dass man Beschränkungen einführt, damit die Besuchermassen den Ort nicht zerstören. Aber mit weniger Touristen ist das zum einen nicht nötig und zum anderen wirkt der Ort ganz anders.
      VG zurück
      Stefan

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