6. Tag

Die Frage, ob wir eine Walbeobachtungs-Bootstour machen sollten, beantwortete ein morgendlicher Blick aus dem Fenster: Draussen stürmte und regnete es. Also brachen wir bald auf und folgten zunächst der Küstenstraße entlang der Walker Bay, dabei sichteten wir von einem Aussichtspunkt bei De Kelders sogar kurz einen Wal, der aber das offene Meer ansteuerte und bald verschwand. Kurz hinter dem Ort bogen wir auf eine gut gepflegte Schotterpiste ab und fuhren durch eine grüne Landschaft mit sanften Hügeln, Äckern mit Getreide und Raps, sowie ausgedehnten Weideflächen, auf denen Kühe, Schafe und vereinzelt auch Strauße standen. Schließlich erreichten wir Struisbaai, einen für die abgelegene Lage erstaunlich großen Ort mit gepflegten Häusern, und wenige Kilometer weiter das Kap Agulhas. Dort, am südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, treffen der Atlantische und der Indische Ozean aufeinander. Die Atlantikküste im Westen mit ihrem trockenen Wüstenklima prägt der langsam nordwärts fließende Benguela-Strom und bringt nährstoffreiches, kaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche. Im 9-15°C kühlen Wasser leben nur wenige Arten, die sich aber wie die dortigen Kelp-Wälder durch eine hohe Produktivität auszeichnen. Im Osten führt dagegen der kräftige Agulhas-Strom 22-27 °C warmes Wasser aus den Tropen heran, das jedoch sehr nährstoff arm ist und nur wenig Plankton enthält. Die Artenvielfalt an den bunten, subtropischen Korallenriffen ist zwar hoch, die Produktivität aber deshalb eher gering. An der Südküste zwischen Cape Point und Port Elisabeth mischen sich beide Ozeane, so dass sich dort eine ganz eigene Fauna mit vielen endemischen Arten entwickelt hat.

Nachdem wir im leuchtturmeigenen Restaurant stilecht den Fang des Tages zu Mittag gegessen hatten, inspizierten wir noch das 2 km entfernte Wrack eines japanischen Schiffes. Eines von insgesamt 120, die in Sichtweite des Leuchtfeuers gesunken sind. Inzwischen hatte es auch aufgehört zu regnen und der Wind sorgte nicht nur für starke Brandung, sondern hatte auch die Wolken fortgeblasen, so dass die Sonne schien. Die Weiterfahrt zum Bontebok-Nationalpark, der 1931 zum Schutz der letzten 22 nur in der Kapregion lebenden Buntböcke gegründet worden war, führte uns wieder durch das Overberg-Farmland über Bredasdorp und Swellendam zum inmitten von Viehweiden und Weizenfeldern gelegenen Schutzgebiet. Auf dem Weg zu unserem Chalet mit Blick auf den Breede River sichteten wir aber nur vier der 300 Antilopen, die dem Park ihren Namen gaben. Am späten Nachmittag erkundeten wir noch ein Stück des 5,4 km langen Bushbock-Trails und liefen am Fluss entlang bis zu einer Aussichtsplattform, von der man aber keinen guten Blick hatte, weil sie auf beiden Seiten von dichtem Uferbewuchs gesäumt war.

Straße durch das Overberg-Farmland nach Kap Agulhas.
Straße durch das Overberg-Farmland nach Kap Agulhas.

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