25. Tag

Nach dem Aufbruch um 6.30 Uhr ging es ab 11.45 Uhr fast nur bergauf. Zuerst stiegen wir zwar hinab ins Tal und überquerten den Fluss auf einer Hängebrücke, die erst 1992 erbaut wurde, als Ersatz für ein gespanntes Stahlseil, auf dem man vorher irgendwie über das Wasser musste.

Dann folgte jedoch ein steiler Anstieg nach Santa Rosa und nach einer Erholungspause ging es weiter hinauf nach Marampata. Als ich dort ziemlich erschöpft ankam, war Thomas schon seit einer Stunde da. Die Gegend um den Campingplatz herum erinnerte mit einer grünen Wiese, auf der ein paar Kühe weideten, an eine süddeutsche Alm. In der Ferne waren schon die Mauern von Choquequirao zu erkennen. Der Weg dorthin sollte nur noch eine weitere Stunde dauern und stand nach dem Mittagessen an.

Natürlich hatte der Berg letztendlich viel mehr Taleinschnitte als auf den ersten Blick erkennbar waren, aber schließlich erreichten wir die 1.500 m oberhalb des Rio Apurimac liegende alte Inkastadt. Die schwer zugängliche Anlage wurde vermutlich im 15. Jahrhundert unter dem Inka Pachacutec errichtet. Sie gilt als die letzte Bastion des Widerstandes der Söhne der Sonne gegen die spanischen Konquistadoren. Nach der gescheiterten Belagerung von Cusco im Jahre 1535 unter dem Rebellenführer Manco Cápac II suchten seine Truppen Zuflucht zwischen den mächtigen Mauern Choquequiraos.

Wir waren dort heute fast allein und Percy erzählte, dass pro Tag nur 10-15 Besucher kämen. Es wäre auch möglich gewesen direkt an den Ruinen zu zelten, aber dann wäre das Eintrittsgeld von 10 Soles für zwei Tage fällig geworden, was natürlich den Gewinn des Touroperators deutlich geschmälert hätte, denn auf den anderen Zeltplätzen am Weg lagen die Kosten pro Nacht und Zelt nur bei einem Sol.

Weil es in gut drei Stunden bereits dunkel sein würde, schlugen wir sofort den Weg zur „Hanan“, der Oberstadt ein. Dort trafen wir auf dem zentralen Platz einen Mann, der seit 12 Jahren nach Choquequirao kam. Er berichtete 1986 seien nach den ersten Ausgrabungen nur ein paar Mauern zu sehen gewesen, während inzwischen schon eine richtige Stadt mit den dazugehörigen Terrassenanlagen zu erkennen sei. Laut Percy sind vier peruanische Archäologen das ganze Jahr über mit weiteren Ausgrabungen beschäftigt. Doch noch immer sind erst rund 30-40% des 18 km2 umfassenden Geländes freigelegt. Die weniger bekannte „Schwester von Machu Picchu“ ist damit größer als die knapp 45 Kilometer entfernt liegende weltberühmte Inka-Stadt im Urubamba-Tal mit einer Gesamtfläche von 13 km2.

Um die aus hellen, ins Mauerwerk eingesetzten Schieferplatten bestehenden Lama-Figuren zu bewundern, kletterten wir über einen schmalen Pfad den Berg ein ganzes Stück hinab, bis zu einem kultivierten Hangabschnitt mit den typischen Terrassenmauern. Im ganzen Inkareich gibt es keine vergleichbaren Steinmosaiken, ganz Choquequirao war den heiligen Tieren gewidmet. Die Inka glaubten das Lama sei den Menschen von „Pacha Mama“, der Mutter Erde, geschenkt worden, um ihnen zu helfen, in den unwirtlichen Anden zu überleben. Die Lage der Stadt ist sogar nach seinem Sternbild „Yacana“ ausgerichtet. Die jahreszeitliche Wanderung des himmlischen Lamas half, Schlüsseldaten des bäuerlichen Lebens wie Aussaat und Ernte zu bestimmen oder auch Herden und Karawanen durch die Berge zu führen. Dem Sternzeichen folgten die Plejaden. Dazu notierte der spanische Priester Francisco de Avila zu Beginn des 17. Jh.: „Wenn sie hell erscheinen, sagen die Leute‚ dieses Jahr wird es Überfluss geben. Wenn sie aber weniger stark leuchten, sagen die Leute, wir werden Mangel leiden.“ Diese Vorhersagemethode der Inka war durchaus zutreffend: Das Klimaphänomen El Niño, das in Peru mit trockenen Sommern einhergeht, verursacht im Winter nachweislich eine dünne, hoch gelegene Wolkenschicht, welche die Plejaden blasser wirken lässt.

Wieder oben angekommen, reichte die Zeit gerade noch aus, um vom Aussichtspunkt auf der großen Zeremonialplattform im letzten Abendlicht den Blick über die Anlage zu genießen. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz sorgte das nur fahle Licht des Vollmondes für ein wenig Sicht und so kamen wir erst um 19 Uhr wieder im Camp an. In der Hütte, wo das Abendessen zubereitet wurde, liefen auch einige Meerschweinchen zwischen Gaskochern und Vorratskisten durch den Raum.

Die schwer zugängliche Inkastadt Choquequirao wurde vermutlich im 15. Jahrhundert unter dem Inka Pachacutec errichtet.

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