1. Tag

Um kurz vor 7 Uhr wurden wir von einem Hahnenschrei vor der Tür geweckt. Im Zentrum war aber noch alles zu. Die Bewohner und Besucher versammelten sich aber um 8 Uhr zum sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche, die dazu vernehmlich läutete. Das Café auf dem Gelände öffnete erst nach der Messe und wir bekamen ein leckeres Frühstück mit Danish rolls, unförmigen, aber schmackhaften Vollkornbrötchen. An einem Nachbartisch saß Ernest, der sich dort mit einer älteren Dame auf deutsch unterhielt, die im Zentrum gerade ein dreiwöchiges Praktikum angetreten hatte und überlegte von Deutschland ganz nach Tansania zu ziehen. Ernest war auch Tourguide und wohnte in der Nähe des Arusha-Nationalparks. Er bot an voraus zu fahren und uns den Weg zum Park und auf der Strecke noch einen Laden zu zeigen, wo wir Kekse und Wasser kaufen konnten. „Asante sana“ bedankten wir uns auf Swahili und standen bald vor dem Tor des Arusha-Nationalparks. Dort fuhren wir zuerst zum Ngurdoto Crater und steuerten die Aussichtspunkte am Kraterrand an. Der Ausblick war toll, aber Tiere sahen wir kaum. Lediglich eine kleine Antilope, vier Meerkatzen und eine Gruppe von schwarz-weißen Colobusaffen ließen sich blicken. Letztere saßen jedoch in den Wipfeln der Bäume und wir bemerkten sie erst, als sie sich bewegten, so dass Blätter raschelten und Äste knackten. Der Besuch des Kraterrandes lohnte aber allein wegen des Bergregenwaldes mit sehr dekorativen Würgefeigen und üppiger Vegetation, den viele bunte Schmetterlinge bevölkerten.

Auch die Caldera mit ihrem sumpfigen Boden sah recht verlassen aus, allerdings sahen wir schließlich eine große Horde Paviane durch die Wiese ziehen. Den besten Blick in den Krater bot der Leitong-Viewpoint, der mit 1.853 m auch der höchste war. Auch der Anblick des 4.566 m hohen Mount Meru wäre sicher toll gewesen, wenn der Gipfel nicht von dichten Wolken umhüllt gewesen wäre.

Am Nachmittag gab es dann einen gut halbstündigen Wolkenbruch, danach war die Luft einige Grad kühler und angenehm frisch. Außerdem wurde der Himmel blau und die Sonne kam heraus. Wir fuhren dann weiter in Richtung der Momella-Seen und bogen dabei auf den El nino-Loop ab. Die Piste dort war sehr schlecht, zwischen den Fahrspuren standen Gras und Buschwerk bis zu einem halben Meter hoch und es lagen viele größere Steine auf der Strecke. Durch die dichte Vegetation ringsum hatten wir auch keine gute Sicht und es ließ sich nicht ein einziges Tier blicken. Dafür entschädigte am Ende des Loops die Aussicht vom nahen Boma la megi-Viewpoint. Von dort hatte man einen tollen Blick auf die sieben salzhaltigen Seen im schönsten Nachmittagslicht. Wir sahen an einigen Ufern Zehntausende von Flamingos rosarot leuchten, außerdem hörten wir Hippos grunzen und entdeckten schließlich ein knappes Dutzend Giraffen, das an einer dekorativen, allein auf einer Hügelkuppe stehenden Schirmakazie vorbei ganz gemächlich durch den Busch schritt. Am Seeufer ließen sich dann ebenfalls drei Giraffen blicken und auf der Wiese in Wassernähe tauchten sechs Zebras auf. Aus ihrer Richtung heulte später auch eine Hyäne, die aber nicht zu sehen war. Selbst der Gipfel des Mount Meru zeigte sich kurz im Gegenlicht. Neben der Piste zum Momella-Gate sahen wir später noch eine etwa 25-köpfige Büffelherde.

Im Dunkeln kamen wir schließlich wieder an unserem Häuschen in Usa River an. Weil das Café des Zentrums schon längst geschlossen hatte, folgten wir einem der Askaris, die das Gelände bewachten, auf seinem Moped zu einem Restaurant im Ort. Es lag im Hinterhof eines Hotels, das sich noch im Rohbau befand, und war nur von Einheimischen besucht. Ein großer Holzkohlegrill verströmte einen angenehmen Duft und es gab ein Büffet für 10.000 TSh (etwa 4 Euro) pro Teller. Die Auswahl der Speisen reichte von Bohnen über trockene und fast geschmacksneutrale Kochbananen bis hin zu Reis mit einigen wenigen, recht zähen Fleischwürfelchen. Insgesamt sehr authentisch und auch sättigend, doch der Genusswert hielt sich in Grenzen.

Im Arusha-Nationalpark führt eine Piste über den Rand der Ngurdoto Craters. Dort bieten mehrere Aussichtspunkte einen tollen Blick in den Krater.

One thought on “13. November 2016 – Arusha-Nationalpark

  1. Hallo Stefan, wunderbar ausführlich
    und (fast zu sachlich ) deine
    Reisetagebücher. Ich vermisse –
    Moment nur den Kurswert von 10.000
    TSh pro Teller? Außerdem wäre eine
    Karte mit Route nicht schlecht (ich
    kann dir meine gerne zur Verfügung
    stellen).
    LG Albert.

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