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Die Planung dieser Reise gestaltete sich vergleichsweise schwierig. Klar waren aber sofort die Stationen Atitlán-See, Antigua, Tikal und Copán im Nachbarland Honduras. Zudem sollte ein Abstecher nach Belize an der dortigen Karibikküste mit ihren schönen Stränden entlangführen. Dabei bot sich die Anreise über Livingston an der guatemaltekischen Karibikküste mit einem Hauch von Abenteuer an. Denn nach Livingston führt keine Straße, man kommt nur per Boot dort hin und kann dann mit einem weiteren Boot über die Amatique Bucht nach Punta Gorda in Belize übersetzen. Weil man zudem die örtlichen Nationalparks nicht, wie etwa in Nordamerika oder Afrika, mit dem Auto selbst erkunden kann, erschien mir zunächst eine Backpacking-Tour mit Bussen und Shuttles sinnvoll. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Fahrpläne der Busse oft zeitlich ungünstig und die Fahrtzeiten sehr lang waren. Die als Shuttles eingesetzten Minibusse entpuppten sich zudem als vergleichsweise teuer. Besonders „hochpreisig“ war zum Beispiel das Shuttle von Copán nach Rio Dulce für 60 US$ p.P., bei je nach Route nur 225 oder 280 km Fahrtstrecke. Auch seien die Shuttles mit Preisen von durchschnittlich 20-30 US$ p.P. oft vollgestopft mit Fahrgästen und häufig unzuverlässig, erklärte mir Lorena vom Dos Lunas Airport Hotel, das ich gleich zu Beginn der Planungen für die erste Nacht gebucht hatte, in einem längeren und sehr informativen Mailwechsel. Das war aber eine Ausnahme, denn es stellte sich leider heraus, dass man auf englische Mails an Unterkünfte oder Touranbieter in der Regel überhaupt keine Antwort erhielt. Der Google-Übersetzer entpuppte sich dann zwar als erstaunlich brauchbar, aber selbst auf Mails in Spanisch erfolgte oft keine Reaktion. Man konnte also nicht davon ausgehen im Land oft auf Leute zu treffen, die über brauchbare Englisch-Kenntnisse verfügten. Die Einholung von Auskünften über Abfahrtszeiten, Bushaltestellen und Umsteigeverbindungen würde sich also als kniffelig erweisen.

Daher verwarf ich Idee die einheimischen Transportmöglichkeiten zu nutzen recht schnell wieder und plante, wie gewohnt, eine Mietwagen-Rundreise, obwohl Nebenstraßen zum Ende der Regenzeit hin sehr schlammig sein können. Von vier Autovermietern erlaubte aber keiner einen Abstecher nach Belize, was daran liegen könnte, dass es zwischen Belize und Guatemala einen bis heute ungelösten Territorialstreit gibt. Denn Guatemala beansprucht seit 1821 die erst 1981 unabhängig gewordene, ehemalige britische Kronkolonie British-Honduras ganz oder zumindest teilweise für sich. Ein Grenzübertritt nach Honduras oder auch El Salvador war jedoch gegen eine geringe Zusatzgebühr kein Problem. Daher fiel die Strecke durch Belize weg und stattdessen kam ein Abstecher an die honduranische Karibikküste dazu, die ebenfalls einiges zu bieten hat. Wobei die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, die auch vor einer hohen Kriminalitätsrate mit häufigem Einsatz von Gewalt in Guatemala warnen, klar davon abraten: „Die Kriminalitätsrate in Honduras ist nach wie vor sehr hoch. Sie ist, besonders unter Drogeneinfluss, von hoher Gewaltbereitschaft und einer geringen Hemmschwelle beim Gebrauch von Schusswaffen geprägt. … Besondere Besorgnis erregen gewalttätige Jugendbanden (maras), denen sich nach Weltbankberichten in Honduras mittlerweile über 40.000 Jugendliche angeschlossen haben. Auch deutsche Staatsangehörige zählten in der Vergangenheit zu den Opfern. … Übergriffe auf Reisende werden insbesondere in den größeren Städten, auf der Strecke von San Pedro Sula zur Mayastätte Copán Ruinas, aber auch in den Naturparks und Wandergebieten gemeldet. Besondere Vorsicht wird an der Karibikküste empfohlen, insbesondere in und um Tela, La Ceiba und San Pedro Sula.“

Wir ließen uns aber nicht abschrecken und am Samstagmorgen um 8.30 Uhr fuhren wir dann endlich in Bochum los. Um 11.15 Uhr kamen wir beim Park&Fly in der Nähe des Amsterdamer Flughafens an. Dort stand passenderweise gerade ein abfahrbereiter Shuttlebus, der uns in zehn Minuten nach Schiphol brachte. Beim Einchecken geht die Selbstbedienung dort mittlerweile so weit, dass man sich nicht nur seine Bordkarte selbst ausdruckt, sondern auch sein Gepäck selbst aufgibt. Dazu legt man es in eine große Klappe. Es wird darin erst gewogen und dann nach hinten auf ein Transportband abgeklappt, nachdem man den Gepäckaufkleber selbst angebracht hat. Um 12.30 Uhr saßen wir so schon am Gate. Es hätte sogar für nur gut 550 € noch einen deutlich günstigeren KLM-Flug gegeben, allerdings mit dem Zubringerflug nach Amsterdam am Vorabend, so dass man dort hätte übernachten müssen und im Endeffekt einen ganzen Tag Zeit verloren hätte.

Zwei Stunden später startete der Flug pünktlich um 14.30 Uhr. Der ältere Jumbo mit Sitzabständen, die schon einer Zumutung glichen, und einem Entertainmentsystem mit Displays, auf denen im abgeklappten Zustand fast nichts mehr zu erkennen war, war dabei bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die ersten anderthalb Flugstunden war das Bord-Entertainmentsystem außer Betrieb. Nach einem Reboot funktionierte es dann aber doch. Der Flug verlief trotz angekündigter Turbulenzen recht ruhig und so landeten wir um 18.55 Uhr in der Dunstglocke der 10-Millionenmetropole Mexico-City, deren Häusermeer sich fast bis zum Horizont erstreckte. Im Flughafen bildete sich sehr schnell eine lange Schlange vor den Einreiseschaltern. Es gab nur zwei Hinweisschilder mit der Aufschrift „Mexikan“ und „Foreigner“, zu Transferflügen gab es keinerlei Informationen. Es stellte sich dann heraus, dass man auch im Transit sämtliche Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen musste und sogar sein Gepäck neu einchecken. Am Ende der Halle gab es zwar eine Reihe von Terminals zur SB-Einreisekontrolle, aber das Sicherheitspersonal entschied völlig willkürlich, wer diese nutzen durfte und wer nicht. Von uns dreien war es nur einer, obwohl wir alle drei das gleiche Ticket hatten. Es zeigte sich schnell, dass die knapp drei Stunden bis zum Weiterflug aufgrund der unorganisierten Verhältnisse am Flughafen auch bitter nötig waren. Die Mitarbeiter hinter den Einreiseschaltern waren dann immerhin hilfsbereiter und auch kompetenter. So fragten wir uns zum richtigen Gepäckband durch und erfuhren auch, dass wir mit der Flughafenbahn noch zum anderen Terminal fahren mussten. Letztendlich waren wir aber rechtzeitig am Gate und flogen um 21.45 Uhr Ortszeit in der Dunkelheit noch einmal anderthalb Stunden weiter nach Guatemala-City. Der Flughafen der Hauptstadt mit einer Million Einwohner war deutlich kleiner und die Abläufe geordnet. An der Passkontrolle gab es fast keine Wartezeit und als wir über die Treppe im Parkhaus den vereinbarten Treffpunkt auf der Abflugebene erreicht hatten, kam nach wenigen Minuten Alex vom Dos Lunas Airport Hotel und brachte uns für 4 US$ „Nachttarif“ zu unserer Unterkunft in der benachbarten Gated Community. Dort wurden wir von Besitzerin Lorena begrüßt und lagen dann bei 7 Stunden Zeitverschiebung um Mitternacht Ortszeit endlich in unseren Betten, nach fast 24 stündiger Anreise.

In der Hauptstadt Guatemalas bemerkt man die 2,5 Mio. Einwohner auch auf der Straße. Außerhalb wird es dann deutlich besser.

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