5. Tag:

Der Weg aus St.Ives heraus war deutlich einfacher zu finden als hinein, daher erreichten wir schon nach halben Stunde Fahrt das Örtchen Marazion an der Mount’s Bay im Süden. Dort setzten wir bei Flut mit einem kleinen Boots-Shuttle zum St.Michaels Mount über, einen kleinen Inselberg 400 m vor der Küste. Im 6. Jh. wurde dort bereits ein keltisches Kloster errichtet, aus dem im Laufe der Jahrhunderte eine verschachtelte Burganlage geworden ist. Das kleine Dorf unterhalb an der Mole hatte zu den besten Zeiten, als 300 Leute auf der Insel lebten, allein drei Pubs, der letzte schloß aber bereits 1902.

Heinrich VIII hatte den Ausbau der Insel zur Seefestung befohlen und ab 1660 gehörte das Eiland der Familie von Sir St. Aubyn, die daraus ihr Privatdomizil machte. Viele Generationen später übergab Lord St. Levan den gesamten Besitz dann 1954 dem National Trust, sicherte seiner Familie, die bis heute in der Burg lebt, aber ein 1.000-jähriges Wohnrecht. Einen Teil der Räume kann man besichtigen, sie bieten ein buntes Durcheinander von Möbeln, Gemälden und Mitbringseln aus aller Welt, von einer ägyptischen Katzenmumie bis hin zu einer Serviette aus Damast, die Oliver Cromwell gehöhrt haben soll, oder einem Schild aus Krokodilleder aus dem Sudan. In der Waffenkammer sind neben Ehrensäbeln auch eine Reihe von Polizeiknüppeln und eine Samurai-Rüstung zu sehen. Ein Unikat stammt von Butler Henry Lee, der 49 Jahre in Diensten der Familie stand. Er hat in den 1930-er Jahren ein einen halben Meter breites Modell der Burganlage aus Champagner-Korken geschnitzt. Sein Nachfolger Stanley Ager, hatte nach dem 2. Weltkrieg, als die Wirtschaft schwächelte und ein weniger verschwenderischer Lebensstil die Zahl der Bediensteten sinken ließ, dann deutlich mehr zu tun. Nach seiner Pensionierung schrieb er zusammen mit der Lady des Hauses daher ein Buch über seine Arbeit: „The Butler Guide“. Darin erklärt er z.B. wie man Silber putzt, Koffer fachgerecht packt, Cocktails mixt, überzeugend Notlügen erzählt und natürlich auch wie man eine Zeitung bügelt.

Als wir dann von der Burg- zur Gartenbesichtigung übergingen, begann es zu regnen. Der Felsgarten wird von vier Gärtnern gepflegt und durch den Granit des Berges, die Burg darüber und die an den Strand brandende See definiert. Da diese durch den milden Golfstrom geprägt wird, kann der Garten trotz der salzhaltigen Luft und des zeitweise stürmischen Klimas überhaupt existieren, denn es gibt nur selten Frost und die Felsen wirken wie ein gigantischer Wärme-Pufferspeicher. Mit der Zeit wurde der Regen heftiger, aber der Bootsverkehr war aufgrund der einsetzenden Ebbe schon eingestellt. Daher mussten wir eine gute halbe Stunde in der rappelvollen Cafeteria warten, bis der gepflasterte Weg durch die Bucht zum Ufer vom Wasser freigegeben wurde, der dann auch gleich von einigen Autos befahren wurde. Wir fuhren dann auch zurück nach St.Ives, und erreichten um 17.45 Uhr wieder unser Cottage.

Die große Halle der Seefestung auf St. Michael‘s Mount
Die große Halle der Seefestung auf St. Michael‘s Mount

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