6. Tag

Unsere Rundfahrt über die Halbinsel Penwith begann im Morgendunst, der um 9 Uhr noch über den Hügeln hing. Da die Megalith-Formationen beim Dorf Morvah nicht ausgeschildert waren, machten wir den ersten Stopp erst bei Carn Galver. Der Ort ist nach dem alt-cornischen „carn guilleor“, das bedeutet Steinhaufen mit Aussicht, benannt. Dort stehen die Ruinen einer alten Zinnmine, die mit Unterbrechungen von 1830 bis 1878 in Betrieb war und bis zu 100 Arbeiter beschäftigt hatte, unter ihnen Frauen und Kinder. Das dampfbetriebene Pumpenhaus zog das Wasser des nahen Meeres aus den tiefsten Stollen, während eine Winde das Erz in großen Körben nach oben beförderte. Es wurde dann in Karren zum Zerkleinern, Separieren und Einschmelzen zu den Zinn-Mühlen nach Bosigran gebracht.

Unsere nächste Station war die Geevor Zinnmine bei Pendeen, die als Museum vollständig erhalten geblieben ist. Zum Höhepunkt der Zinnbergbaus im Jahr 1850 deckte Cornwall zwei Drittel des weltweiten Bedarfs. Bis 1870 wurden aber die meisten Förderstätten stillgelegt, weil andere Länder das Erz inzwischen billiger lieferten.

Wir fuhren dann weiter nach Land’s End, den westlichsten Zipfel Großbritanniens. Die 50 m hohe Steilküste dort ist wirklich sehenswert, der Besitzer hat den Ort aber total kommerzialisiert. Neben Shops und Restaurants gibt es auf dem an ein kleines Outlet-Center erinnernden Gelände auch ein 4D-Kino und ein King Arthur-Adventure. Selbst ein Foto unter dem Land’s End-Schild sollte 10 ‎£ kosten. Kostenlos war hingegen die Ausstellung über diverse End-to-Ender, das sind Abenteurer, die auf verschiedenste Art und Weise vom nordöstlichsten Punkt des Landes zum südwestlichsten reisten. Manche zu Fuß, mit dem Rad oder dem Auto, andere z.B. auch nackt.

Bei Porthcurno stiegen wir später noch über ein kurzes Stück des Coast Path zum gleichnamigen Strand in einer kleinen Bucht hinab. Er ist einer der schönsten von ganz Cornwall und präsentierte sich mit tosender Brandung im strahlenden Sonnenschein. Das benachbarte Minack Theatre verbarg sich dagegen hinter einem hohen Palisadenzaun. Das Theater ist das Lebenswerk von Rowena Cade, die für das Gelände in den 1920-er Jahren 100 ‎£ bezahlt hatte und sich dort zunächst selbst ein Haus baute. Zusammen mit ihrem Gärtner legte sie dann gut 10 Jahre später in ihrem Garten am Hang eine Bühne und Sitzplätze an, auch mit Steinen vom Strand. 1932 wurde das erste Stück im neuen Theater aufgeführt und die Spielstätte dann bis 1983, als Cade 89-jährig starb, immer weiter ausgebaut. Da die Spielzeit des Theaters noch nicht begonnen hatte, verzichteten wir auf einen Besuch und machten auf der Weiterfahrt noch zwei kleine Abstecher. Zuerst nach Lamorna, einem kleinen Dorf im Wald, mit verwunschen aussehenden Häusern mit üppigen Blumengärten. Die kleine Straße führte dort weiter durch ein Tal mit einem kleinen Bach und dichter Vegetation aus Büschen, Farnen und Moosen zu einem Anleger im fortschreitenden Verfall. Der zweite Abstecher führte nach Mousehole, einen kleinen Fischerort wie aus dem Bilderbuch mit einer halbkreisförmigen Mole.

Um kurz nach 15 Uhr waren wir zurück in St.Ives und widmeten den Rest des Tages den kulinarischen Spezialitäten Cornwalls. Zuerst gab es im Cottage den von der Vermieterin spendierten Nachmittagstee mit Scones, Clotted Cream, einer fast zu Butter geschlagenen Sahne, und Erdbeer-Marmelade. Bei einem Stadtrundgang bestaunten wir dann die bunte Auslage eines Fudge-Geschäfts. Fudge ist eine beliebte Nascherei, die aus Fondant mit allerlei Zusätzen besteht, von Tee über Schokolade bis hin zu Kokosflocken oder Pfefferminz. Ein Stück weiter am Hafen feierte im Pub eine elegant herausgeputzte Hochzeitsgesellschaft feucht-fröhlich. Besonders dekorativ war der Fascinator der Brautmutter. Die Gäste zogen aber gerade weiter zu einem Strandcafé, wo es als Dinner Fish & Chips geben sollte, wie man uns erzählte. Für unser eigenes Abendessen kauften wir noch die berühmten Pasties, gefüllte Blätterteigtaschen. Wir entschieden uns für eine klassisch mit Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben und Zwiebeln gefüllte, sowie eine zweite mit Lamm, Kartoffeln, Zwiebeln, Erbsen und einem Hauch Minze. Die Geschichte dieser Pasteten geht bis ins 18. Jh. zurück. Zu dieser Zeit wurden sie zum bevorzugten Mittagsgericht der Minenarbeiter. Da die Arbeit anstrengend und die Wege weit waren, waren die Pasties genau die richtige, leicht zu transportierende Portion Fleisch, Gemüse und Kohlenhydrate. Dabei hielt der dicke Teigmantel die Füllung lange warm. Abergläubische Zeitgenossen warfen die knusprige Hülle beim Essen den „Knockers“ hin, cornischen Kobolden, die an die Wände der Bergwerke klopften. Mit der Opfergabe wollte man verhindern, dass diese Geister der Zinnminen den Arbeitern Arsen ins Essen mischten, ein unter Tage vorkommendes Gift.

Gevor Zinnmine bei Pendeen
Gevor Zinnmine bei Pendeen

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