2. Tag

Wir fuhren über den Akamina Parkway, vorbei am Denkmal für die erste kommerzielle Förderanlage in Westkanada, die aber, 1901 gebaut, nur wenige Jahre sprudelte. Das erste Öl im Cameron Creek hatte John George Brown entdeckt, der, im Alter ironischerweise zum Naturschützer geworden, 1886 die Ausweisung von Waterton Lakes als vierten kanadischen Nationalpark erreichte.

Unsere Wanderung über den 5,2 km langen Rowe Lake Trail begann gleich mit der Durchquerung eines Schneefeldes, in das wir bis zum Knie einsanken, und in dem wir große Bärenspuren entdeckten. Die Konturen waren noch scharf und auch die Krallen konnte man deutlich erkennen, der Grizzly musste also erst vor wenigen Stunden dort entlang gelaufen sein. Nachdem das Tier dabei einige nachfolgende Schneefelder für uns „gespurt“ hatte, und wir leicht seinen Tritten folgen konnten, war der Bär dann jedoch ins Unterholz abgebogen und wir sollten ihn auch nicht zu Gesicht bekommen. Stattdessen erblickten wir ein weiteres ausgedehntes Schneefeld auf dem Weg. Als dessen Ende nach gut 50 Metern noch nicht absehbar war, machten wir kehrt, denn inzwischen war soviel Schnee in unsere Schuhe gerutscht, dass wir alle nasse Füße hatten. Auf dem Rückweg zum Auto entdeckten wir noch eine Fotofalle an einem Baum, und fuhren dann weiter zum Cameron Lake, der bis auf eine kleine Stelle noch komplett zugefroren war. Eine Hinweistafel neben einem Fernrohr wies darauf hin, dass auf dem gegenüberliegenden Hang, der schon auf US-Territorium liegt, häufig Grizzlies zu entdecken sind. Bei der Mittagspause auf den am Ufer gestapelten Holzplanken eines Steges trocknete die warme Sonne dann sehr schnell unsere Schuhe und Strümpfe, während einige Kanadier einfach mit Flip-Flops an den nackten Füssen vor uns durch den Schnee liefen.

Am Nachmittag folgten wir mit dem Auto dem Red Rock Canyon Parkway, der fast völlig schneefrei war, obwohl ihn nur eine Hügelkette vom Akamina Parkway trennt. Der letzte Abschnitt war allerdings gesperrt, da die Parkplätze und Waschräume am Red Rock Canyon gerade modernisiert würden, wie uns ein Ranger erklärte. Außerdem berichtete er, dass an der Straße häufig Bären zu sehen seien und er dort auch schon einmal für wenige Minuten einen Puma habe beobachten können. Auf der Rückfahrt machten wir eine 2 km lange Wanderung zum Crandell Lake. Der idyllisch gelegene See war an den Ufern schon einige Meter weit getaut, zur Mitte hin aber noch mit Eis bedeckt. Es wäre zwar möglich gewesen über einen Weg bis zum Akamina Parkway weiter zu laufen, wir kehrten aber um, und wurden so an der Hauptstraße kurz vor Waterton Village noch Zeugen eines Kampfes von zwei Dickhornschaf-Böcken. Die Kontrahenten standen zuerst nur 2-3 m neben der Fahrbahn auf einer kleinen Wiese und ließen sich weder von einem Dutzend wartender Autos, noch von den Zuschauern stören, die sich sicher hinter einem Brückengeländer postiert hatten. Phasenweise zupften beide ein wenig Gras, flemten oder blöckten und beachteten sich gar nicht, aber irgendwann stellten sie sich auf ihre kräftigen Hinterbeine, nahmen teilweise mehrere Meter hochaufgerichtet Anlauf und dann krachten ihre Hörner mit einem lauten Knall zusammen. Auch nach einer halben Stunde war der Kampf noch nicht entschieden.

Der Crandell Lake im Waterton Lakes-Nationalpark.

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