3. Tag

Wir packten unsere Sachen und fuhren los in Richtung Arusha. Die Straße wurde gerade vierspurig ausgebaut und war nach einigen Kilometern fast eine einzige kilometerlange Baustelle. In Arusha bogen wir dann in Richtung Innenstadt ab. Auf das alte deutsche Fort und den Clocktower an einem Kreisverkehr genügte uns aber jeweils ein Blick aus dem Auto. Wir parkten dann, um noch einzukaufen, und standen gerade etwas unschlüssig vor einem Laden als uns Lodongu und Thomas ansprachen. Lodongu war Anfang 20, hatte gerade das College abgeschlossen und arbeitete nach eigener Aussage als Fremdenführer und Tourguide. Sein Freund Thomas sei Maler und Künstler. Der Fremdenführer bot freundlich an uns zu einem großen Supermarkt zu führen, unterwegs wiederholte er ständig den Spruch „Hakuna Matata“. Wir liefen dann immer weiter, vorbei am Unabhängigkeitsdenkmal, einem Park, einer Kirche und einer Moschee, bis wir ins indische Geschäftsviertel gelangten. Als wir schließlich fragten wo der Supermarkt denn nun sei, zeigte Lodongu auf ein großes Werbeschild in der Ferne. Auf unseren Einwand der Weg zurück zum Auto sei mit gut 2 km viel weit, um alle Einkäufe dorthin zu tragen, meinte er das sei kein Problem. Er würde seinen neuen Freunden gerne dabei helfen. Wir lehnten dankend ab und erklärten, wir würden zurück zum Auto gehen und dann damit zum Supermarkt fahren. Er wandte noch ein, dass es dort aber zu wenige Parkplätze gebe. Wir gaben den beiden ein kleines Trinkgeld, aber sie wollten zuerst Dollar und keine tansanischen Schillinge und diese waren ihnen dann auch noch zu wenig. Wir ließen sie daher einfach stehen.

Der Supermarkt war zwar tatsächlich groß, das Sortiment aber nicht umfangreicher als in den kleinen Läden, die wir bisher besucht hatten. Viele Produkte, wie z.B. Trinkjoghurt schien es also in Tansania einfach nicht zu geben. Wir drehten dann noch eine Ehrenrunde durch die Stadt, weil wir erst versehentlich auf die Straße zur kenianischen Grenze gekommen waren, erreichten aber schließlich die T5 in Richtung der Hauptstadt Dodoma. Die gut ausgebaute Asphaltstraße war recht stark befahren und führte durch eine karge Landschaft mit nur wenigen trockenen Bäumen und Büschen sowie vielen Erosionsrinnen, die teilweise das Ausmaß von kleinen Schluchten hatten. Später wurde die Vegetation etwas dichter und der Boden war nicht mehr kahl, sondern von trockenem Gras bedeckt. Wir sahen einige Hirten mit den typischen rot-karierten Massai-Umhängen und langen Stöcken, die ihre Rinder- und Ziegenherden anführten, sowie einige Esel, die die vom abgelaufenen Regenwasser üppig grünen Straßenränder abweideten und dabei ganz entspannt die Fahrbahn überquerten, als könne ihnen kein Auto etwas anhaben. Wir passierten auch einige Massaidörfer mit strohgedeckten Rundhütten und Dornenhecken für das Vieh. Dazwischen waren Frauen in bunten Wickelröcken unterwegs, die große Bündel Feuerholz auf dem Kopf trugen.

Nach einem kurzen und heftigen Regenschauer erreichten wir schließlich den kleinen Ort Kigongoni, wo eine Schotterpiste zum 7 km entfernten Tarangire-Nationalpark abzweigte. Die bunten kleinen Hütten beiderseits der Straße beherbergten viele kleine Shops, ein paar Restaurants und einige einfache Guesthouses. Hinter Kigongoni wurden diese von weiteren Massaidörfern und einzelnen Hütten abgelöst, die Kunsthandwerk anboten. Eine davon gehörte einer Fraueninitiative, wie wir auf einem großen Schild davor lasen.

Nachdem wir am Parkeingang eine Cola getrunken hatten, stiegen wir auf eine Aussichtsplattform, die um einen für die Gegend typischen riesigen Baobab-Baum herum gebaut worden war. Beim Blick in den Park sahen wir eine Warzenschweinfamilie, eine Sippe Zebramangusten, eine Gabelracke und einen Toko. Dann fuhren wir ein Stück zurück und bogen auf eine Sandpiste ab, die zu drei Lodges führte. Vorbei an zwei Dörfern und vielen imposanten Baobabs erreichten wir bald eine Schranke. Die Dame im Häuschen daneben sprach kein Wort Englisch, wollte aber ein Permit von uns sehen. Schließlich holte sie eine Kollegin, die ein wenig Englisch sprach, uns aber auch nicht genau erklären konnte, um welches Permit es sich handelte. Nachdem wir uns in eine Registrierliste eingetragen hatten, ließ sie uns schließlich einfach passieren. So erreichten wir bald darauf die Osupuko Lodge. Aus den Panoramafenstern der zwölf luxuriösen Rundhütten und von der großen Terrasse mit Infinity Pool hatte man einen tollen Blick hinab in den direkt angrenzenden Nationalpark, wo wir gleich einen Elefanten zwischen den recht grünen Bäumen entdeckten. Da gerade kein einziger Gast in der Lodge war, bot man uns einen Nachlass von gut 40% auf den Vollpensionspreis an. Weil keine Kreditkarten akzeptiert wurden und wir keine Dollars hatten, einigten wir uns letztlich auf 500 Euro für zwei Nächte, nachdem Josephat, der Verwalter und Koch, zuerst mit 1:1 einen deutlich zu hohen Umrechnungskurs angesetzt hatte. Wir checkten dann gleich ein und genossen schon wenig später im wohl temperierten Pool die schöne Aussicht.

Nach dem Essen saßen wir noch lange in der angenehmen Kühle des Abends am Pool, unterhielten uns mit Josephat, lauschten einem Frosch, der klang wie ein Mensch beim Sex, und beobachteten den Vollmond, der nur wenige Sterne leuchten ließ. Der Koch erzählte uns, seine Frau kümmere sich zu Hause in Karatu um die drei Kinder. Da er den Busch ja jeden Tag um sich habe, fahre er in seiner Freizeit außerdem lieber in eine große Stadt. Später eskortierten uns dann die zur Lodge gehörenden Massai, die mich am Nachmittag zu einer Partie Dame eingeladen hatten, die ich verloren hatte, über das Gelände zu unserer Hütte.

Von der Terrasse unserer Lodge hatten wir einen herrlichen Blick über die Weite des Tarangire-Nationalparks.

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