7. Tag

Gegen 11 Uhr erreichten wir Lanhydrock House, eines der schönsten Landhäuser in Cornwall in einer 300 ha großen Parklandschaft im Tal des Fowey. Bei sonnigem aber kühlem Wetter spazierten wir zuerst durch den tollen Garten mit Magnolien, Rhododendren und alten Baumriesen. Neben einem bunten Blütenmeer sahen wir auch mehrere Rotkehlchen und einen Fasan. In der Pfarrkirche von St. Hydrock, die auf dem Gelände steht, erfuhren wir, dass die Vorsilbe „Lan“ ein eingezäuntes Grundstück bezeichnet, das von ovalen Erdwällen umgeben ist. Außerdem seien im Mittelalter viele cornische Heilige als christliche Missionare zwischen Irland, Wales, Cornwall und der Bretagne hin und her gewandert. Einer davon war Ydrocus, der Bekenner, der unter dem Namen „St. Hydroc“ eine zeitlang vor Ort gelebt hatte.

Bis zur Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII gehörte das Anwesen zum Priorat St. Petroc in Bodmin. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb es schließlich der Kaufmann Sir Richard Robartes, der ein repräsentatives Haus errichten ließ, das erst sein Sohn John vollendete. Ein datierter Stein verweist dabei auf das Jahr 1651. Das ursprüngliche Ensemble bestand aus vier Gebäudeflügeln, rechtwinklig um einen Innenhof gruppiert, und einem Torhaus aus Granit. 1780 ließ George Hunt, der Ur-Urenkel von John Robartes den Ostflügel entfernen und schuf so einen modernen Grundriss in E-Form. 1881 zerstörte aber ein Feuer den Südfügel und beschädigte den mittleren Teil schwer. Der Nordflügel mit der 35 m messenden Long Gallery und einer der längsten Stuckdecken ganz Englands, ornamentreich verziert mit Szenen aus dem Buch Genesis, blieb aber unversehrt. Die Decke war immer nur mit Kalkmilch getüncht, die sich durch die Säure im Stuck mit der Zeit entfärbte. Da die Decke lediglich mit Drähten an den darüber liegenden Dachbalken befestigt ist, hätte sich ihr Gewicht gefährlich erhöht, wäre sie farbig bemalt worden.

Nach dem Brand ließ der zweite Lord Robartes das Haus mit allem modernen Komfort des viktorianischen Zeitalters wieder aufbauen und zog mit 80 Bediensteten und seinen zehn Kindern dort ein. Die Familie Agar-Robartes dezimierte sich dann aber im 20. Jh. sehr schnell und sehr deutlich, auch aufgrund der beiden Weltkriege. So heirateten nur zwei der zehn Kinder und nur eines bekam selbst Nachwuchs. Tommy, der älteste Sohn, erlag z.B. 1915 seinen Verletzungen aus dem Kampf von Loos, und Alexander, der jüngste Sohn, kam nie über sein Kriegstrauma hinweg und beging 1930 Selbstmord. Weil ihre Verehrer im Krieg umkamen, heiratete von den vier Töchtern nur Mary. Somit gab es in den 1950-er Jahren kein Familienmitglied, das das Haus übernehmen konnte. Also bot es der unverheiratete Francis Gerald Agar-Robartes dem National Trust an, der die Offerte 1953 annahm, und lebte dort noch mit seinen Schwestern Violet und Everilda, bis er 1966 starb.

Um beim etwa zweistündigen Rundgang durch die 50 Räume ein lebendiges Bild vom Leben der Oberschicht im 18. Jh. zu bekommen, sind diese bis ins Detail liebevoll eingerichtet. So gibt es zum Beispiel echte Blumen in den Vasen und selbst die Speisen, wie Kuchen, Früchte oder auch ein Teller mit Götterspeise sind keine Imitate und werden regelmäßig ausgetauscht, um authentische Gerüche und eine möglichst realistische Atmosphäre zu schaffen. Dazu trägt auch ein Butler bei, der von Zeit zu Zeit durch die Gänge schreitet.

Am Nachmittag fuhren wir dann weiter in den Dartmoor-Nationalpark. Die Straße führte durch eine karge Hügellandschaft mit Heideflächen, kleinen Zwergeichenwäldchen, gewundenen Bachläufen, vielen Schafen und einigen moortypischen Dartmoor-Pferden. Unterwegs sahen wir viele Wandergruppen mit großen Rucksäcken, Isomatten und Schlafsäcken in die Heide ziehen. In Princetown stoppten wir kurz am berühmten Gefängnis und fuhren dann weiter ins Dorf Moretonhampstead, wo wir in einem mittelalterlichen Haus unser B&B-Quartier bezogen. Auf den umliegenden Wiesen gab es ebenfalls viele Schafe und Lämmer, die jedes Jahr zwischen Anfang März und Mitte Juni zur Welt kommen. Unser Host Peter erzählte, dass auf dem Friedhof neben der Dorfkirche auch französische Offiziere begraben lägen, die im 19. Jh. in Kriegsgefangenschaft geraten waren und sich frei im Dorf bewegen, dieses aber bis zu ihrem Tod nicht verlassen durften. Außerdem berichtete er, dass das Gefängnis noch heute in Betrieb sei, aber vorwiegend für Drogendealer genutzt werde, während dort früher, als Dartmoor noch viel abgelegener war, die schweren Jungs einsaßen. Noch früher sei die Gegend zudem dicht bewaldet gewesen, unter Heinrich VIII sei das gute Eichenholz aber für den Aufbau der königlichen Flotte gebraucht und großflächig geschlagen worden. Für den Abend empfahl uns Peter den benachbarten Pub, in einem hübschen alten Haus, wo wir dann bei mäßigem Essen und dem Premier League-Spiel auf Sky dinierten.

Ein Zimmer im Lanhydrock House
Ein Zimmer im Lanhydrock House

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