27. Tag

Auf der letzten Etappe zurück nach L.A. verließen wir den Hwy 1 in Santa Barbara, um uns die dortige Mission in den Hügeln oberhalb der Stadt anzusehen. Sie wurde am 4. Dezember 1786, dem Festtag der Heiligen Barbara, gegründet, um den örtlichen Indianer-Stamm der Chumash zum Christentum zu bekehren. Die Anlage mit ihren üppigen Gärten stellten die Franziskaner aber erst 1820 fertig, vorher waren drei kleinere Adobe-Kirchen im Laufe der Jahre immer wieder durch Erbeben zerstört worden.

In Ventura mussten wir dann erst über die Küstenstraße einige Meilen an Motels und Shopping Malls vorbei fahren, bis wir das Büro von Island Packers erreichten. Am Schalter, wo ich die Tickets für die North Shore Wildlife Cruise nach Anacapa Island im Channel Islands-N.P. kaufte, saßen vier Damen an den Telefonen. Auf der um 13 Uhr beginnenden Schiffsfahrt, bei der der 2. Kapitän mit melodischer Singsang-Stimme mehrfach auf die kulinarischen Köstlichkeiten des Bordkiosks hinwies, näherten wir uns einer Schule von Gemeinen Delfinen (common dolphins). Von dieser Art, die sich nicht in Gefangenschaft halten lässt, leben ca. 28.000 Tiere im Santa Barbara Channel. Die für die Erläuterungen zuständige „Naturforscherin“ an Bord sagte, es sei besser hier Delfine in Freiheit zu sehen, als etwa eine Show von Sea World zu besuchen.

Auf der Insel, die im klaren Wasser ringsherum von großen Kelpwäldern umgeben war, leben unter anderem Braune Pelikane. Die Vögel gehören zu den bedrohten Arten, denn die Bestände vieler Seevögel sind in den 1960-er Jahren durch den großflächigen Einsatz des Insektizids DDT stark geschrumpft, weil die Chemikalie den Vogeleiern das Kalzium entzog, so dass in einem Jahr z.B. aus 3.000 Eiern nur 8 Küken schlüpften. Seit 1970 ist DDT deshalb in den USA verboten und die Populationen erholen sich langsam wieder.

Auf der Rückfahrt sahen wir die Delfine wieder und als das Schiff in weiten Kurven um sie herum fuhr, begannen sie mit offensichtlichem Vergnügen durch die Heckwellen zu pflügen.

An Bord war auch Horst aus Deutschland. Der gelernte Koch aus Viernheim war 1972 mit 27 Jahren in die USA gekommen, nachdem er sich erfolgreich auf eine Stelle als Koch bei Tza Tza Gabor beworben hatte. Durch die bei dieser Tätigkeit erworbenen Kontakte lernte er seine Frau, eine Offizierstochter, kennen und bekam auch einen Posten im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Später eröffnete er dann eine eigene Metzgerei mit zwei Filialen, die er nach sieben Jahren für gutes Geld wieder verkaufte. Heute züchtet er als Hobby Schäferhunde, seine bewegte Lebensgeschichte ist sogar schon als Bericht in der Bild-Zeitung erschienen.

Die letzten 65 Meilen zum Flughafen fuhren wir über den Pacific Coast Highway direkt am Meer entlang. In Malibu paddelten viele Surfer in den gewaltigen Wellen herum und in Santa Monica unterquerten wir schließlich die Fußgängerbrücke zum Pier, die wir am ersten Abend überquert hatten. Bei Alamo gab es nach der Auto-Rückgabe sogar einen Kundenshuttle zurück zum Hotel.

Am Abend traf ich Bob im Whirlpool des Hilton Airport-Hotels, der erzählte, dass er sehnsüchtig auf seine Braut aus China warte, die er im Juli heiraten wolle. Er hatte für seine Firma sieben Jahre in Südkorea und auch zwei Jahre in San Diego gearbeitet, wo ihm sein Vermieter sein Haus für 75.000 US$ zum Kauf angeboten hatte, als er dort eine feste Stelle hätte bekommen können. Er habe aber beides abgelehnt und sei wegen einer Frau nach Oregon zurückgekehrt. Nach der Heirat hätten sie einen Sohn bekommen und sich nach 15 Jahren wieder scheiden lassen. Das Haus in San Diego sei heute eine Million US$ wert.

Die christliche Mission in den Hügeln von Santa Barbara.

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