9. Tag

Um 9.30 Uhr startete am Gulf Coast Visitor Center eine 90-minütige Bootstour durch die Ten Thousand Islands, die in Wirklichkeit 40.000-60.000 Inseln umfassen. Das Gebiet von der Fläche Luxemburgs ist zudem die zweitgrößte Mangrovenlandschaft der Welt und das Wasser ist sehr sauber. Seine bräunliche Färbung verursachen nur die ins Meer gefallenen Mangroven-Blätter, die Tanninsäure enthalten, welche sich durch das Salzwasser auflöst. Aufgrund der Strömungsverhältnisse im Golf von Mexiko hinterließ der „Oil Spill“ der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ von 2010 hier keine Schäden, während im weiter entfernten Miami sehr wohl Verschmutzungen auftraten. Auf den Inseln gab es einige Horste von Fischadlern, die im Winter dort brüteten, denn im Sommer sei es so heiß, dass es dann laut Captain Marthy nur „hard boiled eggs“ gebe. In der gesamten Bucht sind auch Waschbären heimisch, die in den Mangroven auf Krabbenjagd gehen und als gute Schwimmer bei Ebbe problemlos die Inseln wechseln können. Wir sahen zwar keinen, dafür aber einen jungen Großen Tümmler, der das Boot ein paar Mal neugierig umkreiste. Auf der Rückfahrt zum Hafen zeigte sich dann noch kurz ein Delfin-Weibchen mit ihrem Nachwuchs, bei dem bereits das nächste Tour-Boot gehalten hatte.

Nach einem Zwischenstopp in unserem B&B-Cottage fuhren wir am Nachmittag in den Fakahatchee Strand Preserve State Park nördlich des Tamiami-Trails. Dort führte der Jane’s Memorial Scenic Drive erst durch Sägegrass-Prärie mit einem See und vielen weißen Sumpflilien und dann in den „Amazonas Nordamerikas“ mit üppigem Pflanzenwuchs unter dem geschlossenen Blätterdach von Sumpfzypressen und Königspalmen. Über alte Holzfällerpisten, die von der holperigen Schotterpiste abzweigten, konnte man zu Fuß tiefer ins Gelände gelangen. Zuerst sahen wir überhaupt keine Tiere, doch mit der Zeit entdeckten wir auch hier einige Alligatoren und sogar Schildkröten, die sich auf Holzstämmen oder Steinen sonnten. Sie waren jedoch so schreckhaft, dass es unmöglich war sich auf Fotodistanz zu nähern. Die fünf Baby-Alligatoren, die wir etwas später beobachten konnten, waren da schon wesentlich mutiger. Zwei von ihnen ließen sich zwar sofort ins Wasser gleiten, die anderen blieben aber ungerührt auf einem Baumstamm sitzen. Etwa zehn Meter entfernt lag ein erwachsenes Tier, das bis zu den Augen und Nasenlöchern abtauchte, als es uns registrierte und auch nicht auf die Rufe der Kleinen reagierte, obwohl es möglicherweise die Mutter war.

Einen weiteren Einblick in das Gebiet erhielten wir dann am Big Cypress Bend, wo ein ca. 600 m langer Holzsteg in das dichte Grün führte und an einer Aussichtsplattform an einem Tümpel endete. Unterwegs sahen wir viele Höhlen und Löcher in den mächtigen Stämmen der großen, teilweise schon abgestorbenen Bäume. Allerdings ließ sich auch hier außer einem Specht kein Tier sehen. Wir hörten aber eine Eule und sahen den gewaltigen Horst eines seit Jahren hier ansässigen Weißkopfseeadlers, für dessen Beobachtung im Steg extra eine Ecke zum Aufstellen eines Stativs eingerichtet war.

Baby-Alligator im Fakahatchee Strand Preserve State Park.
Baby-Alligator im Fakahatchee Strand Preserve State Park.

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