8. Tag

Nur 8 km hinter Moretonhampstead machten wir bei Steps Bridge einen Spaziergang durch die Dunsford Woods, immer am Ufer des Teign entlang. Auf den Wiesen blühten noch viele Narzissen und andere Blumen und der Fluss strömte recht rasch durch eine üppige Vegetation. Außer uns waren noch viele Leute mit ihren Hunden unterwegs.

Schließlich fuhren wir über die Autobahn M5 weiter nach Thornbury, kurz hinter Bristol. Dort steht Thornbury Castle, die einzige Burg aus der Tudor-Zeit, die heute ein Hotel ist. Die älteste Aufzeichnung über Thornbury und das dortige Manor stammt aus der Zeit von König Athelstan (925-940 n.Chr.). Dann wechselte das Haus zwischen mehreren Familien, am Ende gehörte es über 28 Generationen den Staffords, bis es William Stafford Howard, der Earl of Stafford, 1727 an seinen Cousin Thomas Howard verkaufte, den achten Duke of Norfolk, dessen Familie die Burg bis 1959 besaß.

Die Erlaubnis zum Ausbau des Manor zu einer Burg erhielt Edward Stafford, der dritte Duke of Buckingham im Jahr 1508. Als Heinrich VIII dem Thron bestieg, schätzte er den Duke sehr. Da dieser aber der Urenkel des jüngsten Sohnes von König Edward III war, hätte er in der Thronfolge gestanden, wenn Mary Tudors Nachfolge ablehnt worden wäre. Daher ließ ihn Heinrich bei der Rückkehr aus Frankreich verhaften, nach London bringen, dort wegen Hochverrats verurteilen und auf dem Tower Hill hinrichten. Danach war die Burg für 33 Jahre eine königliche Domäne, 1535 verbrachte Heinrich selbst dort zehn Tage mit Anne Boleyn. Auch Mary Tudor lebte einige Jahre als Prinzessin auf der Burg. Nach ihren Tod 1554 fiel Thornbury Castle an die Erben des letzten Duke zurück und verfiel in den nächsten beiden Jahrhunderten zur Ruine. Erst in den 1850-er Jahren wurde sie wieder zur Familienresidenz.

Abends kamen wir mit dem jungen Portier Darren Titcombe ins Gespräch. Er erzählte uns, dass er Fotografie studiert, aber keinen Job gefunden habe. Also kam er in seinen Heimatort Thornbury zurück und arbeitet seitdem im Burghotel. Er zeigte uns dann auch die Duke’s Bedchamber, in der Heinrich vor Jahrhunderten genächtigt hatte und die gerade unbelegt war. Dort stand ein großes Himmelbett und es gab einen offenen Kamin mit effektvollem Gasfeuer und Stofftapeten an den Wänden, die Darren an ein gemustertes Herrenjacket erinnerten. Damals habe Anne aber im Stockwerk darunter geschlafen, denn zu Tudorzeit verbrachte man nicht die ganze Nacht zusammen, erklärte er.

Thornbury Castle bei Nacht
Thornbury Castle bei Nacht

2 thoughts on “17. April 2016 – Thornbury

    1. Hallo Philippe,
      ich kann Thornbury Castle wirklich empfehlen. Es ist recht authentisch und nicht so ein verkitschtes Sammelsurium aus alt und neu, das Mittelalterklischees bedient. Glengorm Castle auf Eurem Blog macht aber auch einen guten Eindruck, wenn ich mal nach Schottland komme, sollte ich dort auf jeden Fall vorbei schauen 🙂

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