1. Tag

Das üppige Frühstücksbuffet umfasste unter anderem das ägyptische Nationalgericht „Foul“, bestehend aus Wasser, Saubohnen und Linsen, die über Nacht in einem geschlossenen Gefäß auf kleiner Flamme geköchelt hatten, in heißem Öl gebackene Falafeln aus weißen Bohnen und Karkadeh, ein Erfrischungsgetränk aus aufgebrühten Hibiskusblättern und viel Zucker. Gut gestärkt besichtigten wir dann den Luxor-Tempel, das Herz der alten Hauptstadt Theben. Der Bau des Tempels wurde von Amenophis III. (1402-1364 v.Chr.) begonnen, um 300 n.Chr. machten die Römer ein Heerlager daraus, und später errichteten die Muslime im ersten Innenhof die Moschee des Stadtheiligen Abu’l-Haggag. Die Tempelwächter saßen hauptsächlich herum, einige posierten auch mit einem dekorativen Besen für ein Bakschisch als Fotomotiv. Die Spitzen der Säulen mit ihren Kapitellen war fest in der Hand der Tauben, die den Tempel mit ihren Hinterlassenschaften unübersehbar „gezeichnet“ haben. Große Drahtgitter schützen deshalb die Zugänge zu den gut erhaltenen, teilweise noch farbigen Reliefs in den Innenräumen.

Vor der Toranlage des erstens Pylons beginnt eine Sphingen-Allee, die als Prozessionsweg diente, der ursprünglich bis zum 3 km entfernten Karnak-Tempel führte und zurzeit auf vielen Abschnitten wiederhergestellt wird. Ein älterer Tempelwächter mit langem weißen Bart hatte dort ein cleveres Geschäftsmodell entwickelt. Er wartete am Anfang der Allee darauf, dass Besucher den gepflasterten Hauptweg verließen, um über die geschotterten Randstreifen näher an die Sphinx-Statuen heranzugehen. Dann behauptete er, es sei nicht wie im Tempel selbst erlaubt, den Schotter zu betreten, drückte aber für ein Bakschisch gerne ein Auge zu. Als die Sonne gegen Mittag hoch am wolkenlosen Himmel stand, wurde es richtig heiß, später bewölkte es sich aber leicht und die Temperatur war nur noch angenehm warm.

Auf dem Rückweg zum Hotel stiegen wir über eine Treppe zur Ladenzeile an der Anlegestelle hinab und betraten unbehelligt über die ausgelegten Stege die Nilschiffe, die dort in mehreren 4-er Reihen parallel zueinander vertäut waren. Um das letzte Schiff zu erreichen, mussten erst die drei davor durchquert werden. Als wir nach einer freien Kabine fragten, erfuhren wir, dass das erste Schiff noch ganz neu sei und erst am 27.12. auf Jungfernfahrt gehe. Im zweiten Schiff sprach der Mann an der Rezeption kaum Englisch, versicherte aber, dass der Manager in fünf Min. da sei und bat uns solange auf einem Sofa in der edlen Lobby mit einem imposanten Treppenaufgang Platz zu nehmen. Er nahm dann aber keinerlei Notiz mehr von uns, auch nicht als wir nach gut 10 Min. aufstanden und gingen.

Zurück an Land fragte uns ein Händler freundlich welches Schiff wir denn suchen würden. Wir erklärten, dass wir gerne in den nächsten Tagen nach Assuan mitfahren wollten, daraufhin bat er uns in seinen Laden, den „Egyptian Cotton Club“, zückte sein Handy, begann zu telefonieren und ging hinaus. Als er zurückkam führte er uns auf das 5 Sterne-Schiff „Aurora“, das am übernächsten Tag mit einer 70-köpfigen deutschen Reisegruppe ablegen sollte, stellte uns dem Manager vor und ließ uns eine Kabine, das Sonnendeck und das Restaurant zeigen. Die Fahrt mit drei Übernachtungen und täglich drei Mahlzeiten sowie Kaffee und Kuchen sollte 210 US$ kosten. Als wir nachfragten, ob pro Person, sagte er pro Kabine und empfahl uns dem Manager nie eine solche Frage zu stellen, wenn wir einen guten Preis haben wollten, außerdem sollten wir auf einer Quittung bestehen. Auf dem Schiff davor, der „Regina“ mit ebenfalls 5 Sternen, sollte die Kabine pro Tag 120 US$ kosten.

Als wir wieder in seinem Laden waren, den er seit neun Jahren betrieb, erzählte der 45-jährige Mando, dass er aus Assuan stamme, aber eine Frau aus Luxor geheiratet habe und mit ihr auf die Westbank gezogen sei. Dann gab er uns noch zwei Restaurant-Tipps und schrieb die arabischen Namen auf einen Zettel, damit wir Passanten nach dem Weg fragen konnten. Wir verabschiedeten uns und mussten ihm als seine neuen „Freunde“ versprechen nocheinmal vorbei zu kommen. Zurück im Hotel nutzte ich den fast verwaisten Pool für eine kleine Abkühlung. In den Wochen vor Weihnachten seien in der Regel kaum Touristen da, erfuhren wir später, und sahen unseren Eindruck voll und ganz bestätigt.

Am Nachmittag besuchten wir das Luxor-Museum, zu dessen effektvoll ausgeleuchteten Ausstellungsstücken auch 16 von 24 Statuen zählen, die Archäologen erst 1989 im Sonnenhof des Luxor-Tempels zufällig bei der Entnahme von Bodenproben entdeckt hatten. In zwei kleinen Nebenräumen liegen die Mumien von Pharao Ahmose (1560-1525 v.Chr.), dem Begründer der 18. Dynastie, und eines weiteren Priesterkönigs, der Ramses I. sein könnte. Die Identität ist unklar, weil sich die Mumie Ende des 19. Jh. im Museum von Niagara Falls befand, wo sie lange unbeachtet blieb, bis sie in ein Museum in Atlanta kam und von dort 2004 als Geschenk nach Ägypten zurückkehrte.

Sehenswert sind auch zwei Kolossalköpfe von Amenophis IV. (1352-1336 v.Chr.), dem Gemahl von Nofretete und späteren Ketzerkönig Echnaton, mit seinen etwas fremdartigen Gesichtszügen, sowie eine Reliefwand aus Karnak. Diese bestand aus 283 Steinblöcken und wurde nach Echnatons Sturz abgerissen und dort als Füllmaterial für den 9. Pylon verwendet.

Der Luxor-Tempel mit der Moschee des Stadtheiligen Abu’l-Haggag bei Nacht.
Der Luxor-Tempel mit der Moschee des Stadtheiligen Abu’l-Haggag bei Nacht.

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