4. Tag

Die Fahrt nach Yellowstone führte zunächst durch weitere Wiesen und Äcker, ab Livingston folgte die Straße aber dann dem Yellowstone River durch ein grünes Tal mit Bäumen und vielen hübschen Häusern. Gegen 12 Uhr erreichten wir schließlich Gardiner. Im Nationalpark stand schon nach wenigen hundert Metern eine etwa 20-köpfige Bisonherde mit drei Kälbchen auf einer Wiese neben der Straße. Ein vorbeifahrender Ranger ermahnte alle Besucher, die dort gehalten hatten, mindestens 25 Yards (=22.86 m) Abstand zu halten.

Bei den Mammoth Hot Springs stand ein ganzes kleines Dorf mit Unterkünften und Shops. Das Nobelhotel und das Visitor Center befinden sich, wie weite Teile des Geländes auf inaktiven Sinterterrassen aus gelöstem Calciumcarbonat, das sich in Form von Travertin bzw. Kalkstein abgelagert hat. Während die inaktiven Terrassen weiß oder grau sind, leuchten die aktiven Regionen mit bis zu 74 °C heißen Quellen in bunten Farben, die verschiedene thermophile, also heißes Wasser liebende Mikororganismen erzeugen. Die Aktivität der einzelnen Terrassen ändert sich permanent und manchmal sehr schnell, bleibt auf das ganze Gebiet bezogen aber relativ konstant. Eine aktuell sehr schöne Stelle ist die Canary Spring. Die Mineralien aus den heißen Quellen sammelten Shoshonen und Bannock schon vor hunderten von Jahren, um daraus weiße Farbe herzustellen.

Etwa 10 km weiter südlich befindet sich das Sheepeater Cliff. Der Name erinnert an die Shoshonen, die in dieser Bergregion lebten und dort Bighorn Schafe jagten, was ihnen den Beinamen „Tukadika“ bzw. „Sheepeater“ einbrachte. Der so benannte Felsprung besteht aus 500.000 Jahre alten Lavasäulen aus Basalt, andernorts auch als „Orgelpfeifen“ bekannt. Auf den Säulen, die an einer hübschen Flussbiegung liegen, kletterten zwei Murmeltiere herum.

Zurück am Parkeingang waren die Bisons noch immer dort, und inzwischen auch einige Fotografen. Einer davon war Derek Holzapfel, ein deutschstämmiger Kanadier, dessen Eltern in den 50-er Jahren mit nur 4 Dollar in der Tasche eingewandert waren. Derek hatte in der Computerbranche und beim Spekulieren an der Börse gutes Geld verdient und daher mit 40 Jahren aufgehört zu arbeiten. Seitdem lebt er bescheiden auf South Pender Island, das zu den Southern Gulf Islands zählt und in der Georgia Straße zwischen Vancouver und Vancouver Island liegt. Die kleine verschlafene Insel ist über eine Brücke mit North Pender verbunden, auf beiden leben insgesamt 2.000 Einwohner, von denen viele Künstler sind. Derek zählt sich ebenfalls dazu und versucht sich mit seinen Bildern einen Namen zu machen. Sein Schwerpunkt ist die Unterwasserfotografie und unter www.naturediver.com hat er auch eine eigene Website. Der kommerzielle Erfolg lasse aber bisher auf sich warten, gab er zu.

Das Sheepeater Cliff im Yellowstone-Nationalpark.

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