10. Tag

In der „Coastal Breeze“, dem kostenlosen Infoblatt von Everglades City und Umgebung, hatten wir am Vortag als Aufmacher auf der Titelseite das Porträt eines Kaninchenkauzes gesehen. Die Bildunterschrift berichtete, dass auf Marco Island die Nester der geschützten Bodenbrüter in verlassenen Kaninchenbauten nun abgesperrt worden seien. Einen Artikel dazu gab es jedoch nicht. Auf der Weiterfahrt machten wir aber trotzdem einen Umweg über Marco Island, die größte und nördlichste der Ten Thousand Islands, deren schöne Strände größtenteils mit exklusiven Ferienanlagen zugebaut sind. Unsere Nachfrage nach den Käuzen bei einem örtlichen Touranbieter blieb zunächst erfolglos. Der Angestellte war nur zum Arbeiten hergekommen und hatte keine Kenntnis von den Eulen, er empfahl uns aber uns am Tigertail Beach noch einmal zu erkundigen. Wir fuhren also die Straße zurück und kamen nach einem kleinen Stück wieder an der Marina vorbei, wo wir auf dem Hinweg schon auf der Wiese zwei mit Baustellenband abgesperrte Bereiche gesehen hatten. Die Dame im Kiosk der Sportbootvermietung bestätigte uns dann, dass dort Kaninchenkäuze nisteten. Und tatsächlich entdeckten wir in einer der sechs Höhlen ein Exemplar, das neugierig gerade so weit nach vorne gekommen war, dass es den Eingangsbereich einsehen und uns genau inspizieren konnte. Allerdings machte der Kauz keinerlei Anstalten auch nur einen Zentimeter weiter herauszutreten. Als wir zum Tamiami-Trail zurückfuhren, fielen uns noch weitere Absperrungen auf anderen Wiesen mitten im Ort auf.

Unser nächster Stopp war dann Naples, das der Südstaaten-General John S. Williams in Erinnerung an seine Dienste für den König von Neapel so getauft hatte. Zuerst sahen wir uns den Strand der Stadt an, in der das Durchschnittsalter der Einwohner bei 61 Jahren liegt. Der dortige, denkmalgeschützte Pier ragt 300 m weit in den Golf von Mexiko und wurde 1888 für Passagiere und Fracht errichtet. Nach Hurrikans in den Jahren 1910, 1926 und 1960 neu aufgebaut, ist er nun der Treffpunkt für Angler. An den Strand kommen jedes Jahr zwischen Sommer und Ende Oktober auch zahlreiche Meeresschildkröten zur Eiablage. Da heute die Sonne kräftig vom wolkenlosen, blauen Himmel herabschien, verließen wir den schattenlosen Strand aber bald wieder. Nach einem kurzen Stopp am City Dock mit vielen Booten und exklusiven Restaurants mit eigenem Anleger fuhren wir weiter zum Fischereihafen „Old Tin City“. Dort hatte Henry Espenlaub, der Schwager von Swamp Buggy-Erfinder Ed Frank, in den 1920-er Jahren begonnen sein Gebäude an die ersten hauptberuflichen Fischerfamilien zu verpachten. Diese errichteten dann Docks, weitere Häuser mit Zinndächern und eine Fabrik für Austern und andere Muscheln. 1977 wandelte man das Gelände in eine Shopping-Area um. Wir starteten von dort zu einer 90-minütigen Bootsfahrt über den Gordon-River, vorbei an den Stadtteilen Royal Harbour und Port Royal mit exklusiven Villen. Wir sahen z.B. das komplett aus Granit gebaute 65 Millionen Dollar-Anwesen des Chefs von Goldman Sachs und ein Designerhaus mit großer Glasfront, die einem Hurrikan der Stufe 5 standhalten kann. Außerdem passierten wir die Domizile von Geschäftsleuten, wie einem Viehbaron oder dem Tomatenkönig von Florida. Vorbei am Naturschutzgebiet der Mangroveninsel „Keewaydin Island“ fuhr das Schiff dann noch eine kleine Schleife im Golf von Mexiko, so dass wir im Norden Fort Meyers und im Süden die Apartmentblocks von Marco Island sehen konnten, und drehte dann um. Trotz des regen, sonntäglichen Schiffsverkehrs zeigten sich im Fluss sogar ganz kurz drei Delfine, die aber nach nur ein paar Sprüngen wieder verschwanden.

Kaninchenkauz in Nisthöhle auf Marco Island.
Kaninchenkauz in Nisthöhle auf Marco Island.

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