5. Tag

Als wir gegen 6.30 Uhr aufwachten, ging vor unserem Panoramafenster gerade die Sonne über dem Park auf und färbte den Himmel in allen erdenklichen Rottönen. Etwa 50 m vor unserer Terrasse zogen auch bereits die ersten drei Giraffen und einige Wasserböcke den Hang hinunter.

Nach dem Frühstück luden wir das Gepäck ins Auto und stellten dabei fest, dass der linke Vorderreifen platt war. Das sehr hilfsbereite Team der Lodge bot gleich an den Reifen zu wechseln, damit wir mit den jungen Massai Emanuel in einem roten Umhang und Lucas in einem blauen Umhang sofort zu einem kleinen Nature Walk starten konnten. Die beiden zeigten uns zuerst einen Dornenbusch, der eine traditionelle Medizin ist. Piekst man seinen Stamm mit einer Dorne an, kann man den austretenden Saft auf eine Wunde auftragen, denn er fördert die Heilung und hält Fliegen fern. Aus der getrockneten Rinde kann man zudem einen Tee kochen.

Die nächste Station war ein Aussichtspunkt auf einer Klippe hoch über einem ausgetrockneten Abschnitt des Tarangire-Flusses. Von dort gingen wir weiter zu einem Elefantenpfad, der ganz in der Nähe den Hang hinab führte. Die beiden Massai erklärten uns, dass immer wieder Elefanten ihre Felder plündern würden. Da ihr Dorf aber keine 3 km Mindestabstand zum Nationalpark einhalte, zahle die Regierung keine Entschädigung. Emanuel versicherte jedoch, dass er Elefanten trotzdem möge, denn sie zögen Touristen an und das bringe Geld ins Land und somit Arbeitsplätze für ihn und andere Massai.

Anschließend sahen wir uns unten am Flussufer einen 3 m tiefen Brunnen an, den die Dorfbewohner dort gegraben hatten. Um das Grundwasser aus dieser Tiefe heraufzuholen, stand ein Massai im Brunnen und schöpfte Wasser in einen Eimer, den er an einen zweiten Massai nach oben reichte. Dieser entleerte den Eimer in eine aus Lehm gebaute Rinne, die als Viehtränke diente. Später sahen wir auch einige Hirten, die ihre Kühe und Schafe zum Trinken dorthin führten und später auf die 5 km entfernte Weide weiterzogen. Die Brunnen dienten zur Überbrückung der Trockenzeit. Wenn der Fluss wieder Wasser führe, würden sie von ganz allein einstürzen, erklärte man uns. Als nächstes zeigten uns unsere Führer, wie die Massai Feuer machen. Man nimmt etwas trockenen Elefantendung und verteilt ihn locker auf dem Boden. Dann sucht man sich ein gut einen Zentimeter dickes Stück leicht brennbares Holz, versieht es mit einer kleinen Mulde und schnitzt von dieser eine schmale Rinne für die heiße Asche bis zum Rand des Stocks. Nun nimmt man einen runden Stab, den man bei sich trägt, setzt ihn mit der Spitze in der Mulde an und dreht ihn so lange und so schnell, dass das Holz zu qualmen beginnt. Die Asche aus der Rinne klopft man dann auf den Elefantendung aus und pustet kräftig, bis dieser Feuer fängt. Legt man anschließend Blätter oben drauf, damit es ordentlich qualmt, kann man den Rauch auch nutzen, um die Bienen zu beruhigen, die gern sich in großen hölzernen Trommeln einrichten, die die Massai in einen Leberwurstbaum gehängt hatten. Da dieser gerade blühte, hatten es die Bienen nicht weit bis zur nächsten Nektarquelle.

Als letzte Station stoppten wir an einem 3 m hohen Termitenhügel. Emanuel und Lucas erzählten, wenn man die Insekten vertreiben wolle, müsse man die Königin ausgraben. Da sich diese aber bis zu 10 m tief unter dem Hügel aufhalten könne, würden die nötigen Erdarbeiten bis zu 14 Tage dauern.

Als wir die Lodge wieder erreicht hatten, war der Reifen gewechselt und unsere Lunchboxen standen bereit, so dass wir sofort starten konnten. Wir fuhren dann zurück bis Makuyuni und sahen dort an der Kreuzung nach Ngorongoro Josephat an der Tankstelle stehen. Wir stoppten also und er erzählte, er wolle nach Mto Wa Mbu. Also nahmen wir ihn mit. Als wir an der nächsten Kurve einen Gebäudekomplex rechts neben der Straße passierten, berichtete er, dass dieser einem reichen Massai gehöre, der dort mit 40 Frauen und über 100 Kindern lebe, für die er sogar eine eigene Schule habe bauen lassen.

Als wir das üppig grüne Mto Wa Mbu bald darauf erreicht hatten, wollte uns Josephat noch eine Werkstatt zeigen, die unseren Reifen flicken konnte. An der Tankstelle, die wir dazu ansteuerten, war aber gerade die Maschine zum Trennen der Reifen von den Felgen defekt, daher fuhren wir gleich weiter zu einer anderen Werkstatt in einer Nebenstraße. Dort entdeckte der Mechaniker drei Löcher in dem schlauchlosen Reifen, die er gleich verschloss, indem er das Gummi zuerst von innen mit dem Kronkorken einer Colaflasche aufrauhte. Dann trug er den Kleber auf, ließ ihn etwas antrocknen und drückte abschließend drei vorher zurecht geschnittene Gummistücke fest darauf, die er noch mit einer schweren Metallstange festklopfte. Nach einer halben Stunde war die Reparatur vollendet und wir bezahlten 20.000 TSh dafür. Josephat hatte zwar von 5.000 TSh Kosten gesprochen, aber es seien ja auch drei Löcher gewesen, hieß es zur Erklärung.

Wir fuhren dann weiter nach Karatu. Dort stoppten wir an einer kleinen Tankstelle und stellten fest, dass sich direkt dahinter die Ngorongoro Camp&Lodge mit einem kleinen Pool, einem Restaurant und einem kleinen Laden befand. Der freundliche Besitzer, der auch Touren anbot, lud uns ein bei ihm unsere Lunchboxen zu verspeisen, was wir bei einer kühlen Cola auch gerne taten. Danach ging ich noch einmal zum Post Office, wo ich bereits vergeblich gewesen war. Denn zur Mittagspause zwischen 13 und 14 Uhr hatte ich es nur verschlossen und verlassen vorgefunden. Im zweiten Anlauf bekam ich dann die Brief-marken für meine Postkarten, die etwa drei Wochen bis nach Deutschland brauchen sollten.

Am Lodoare Gate der NCA (Ngorongoro Conservation Area) zeigten wir anschließend unseren von der Autovermietung bei einer Bank in Arusha vorab bezahlten Voucher für den Eintritt ins Schutzgebiet und die Fahrt in den Krater vor und erhielten unser mehrseitiges Permit. Ab Januar 2017 soll man die Crater fee auch vor Ort per Kreditkarte oder PayPal bezahlen können, bisher kann man die 295 US$ aber nur bei zwei Banken in Karatu und Arusha bar einzahlen, weil mit Visa noch Verhandlungen über die 3% Gebühren laufen.

Nach einem Stopp am Viewpoint erreichten wir um 16 Uhr die Rhino Lodge am Kraterrand auf 2.200 m Höhe. Dort durfte man aktuell das Gelände gar nicht verlassen, weil am offenen Tor der Zufahrt gerade ein großer Elefantenbulle aufgetaucht war. Dieser suche Wasser und Futter erklärte uns Lodge-Managerin Elen. Sie stammte aus Belgien, hatte dort eine Reiseagentur geleitet und auch selbst Touren nach Tansania geführt. Dabei hatte sie sich in das Land und die Natur dort verliebt. Und weil es keine anderen Stellenangebote gab, hatte sie das Management der Lodge übernommen. Elen berichtete dann noch, dass der Elefant vor zwei Wochen erst da gewesen sei, Durst gehabt, aber den Trick mit dem Wasserhahn nicht gekannt habe. Deshalb hatte er kurzerhand die ganze Wasserleitung aus der Wand gerissen. Weil der Elefant nun wisse, wo er Wasser finde, könne das jederzeit wieder passieren. Für die Lodge-Gäste wäre seine Besuche aber eine tolle Sache, darum könne man ihn nicht einfach verjagen. Stattdessen gab es Überlegungen einen elefantentauglichen, ausreichend großen Wasserhahn für ihn einzubauen.

Für die Serengeti empfahl uns Elen einen Ranger mitzunehmen, der die Aufenthaltsorte der Tiere und das Streckennetz einfach besser kenne. Im Park sei nichts ausgeschildert und es gebe unzählige Nebenstrecken. Auch regne es dort gerade, aber so lange die Schauer nicht den ganzen Tag andauerten, wären die Pisten problemlos befahrbar. In Karatu hatte der Lodge-Besitzer ergänzend berichtet, sein Fahrer sei am Vortag erst mit Gästen in der Serengeti gewesen und würde sich immer über die katastrophale Piste zum Naabi Hill-Gate beschweren. Wir sollten in ein paar Tagen noch selbst erfahren was er damit meinte.

Beim Abendessen stand auf unserem Tisch ganz selbstverständlich ein Schild mit der Aufschrift „Private Client, Stefan x 3 + 1 Driver Guide“. Selbstfahrende Reisende waren also wohl eher selten. Auf der Wiese vor dem Restaurant hatte sich in der Dunkelheit inzwischen eine kleine Büffelherde eingefunden, die sich laut Elen zum Schutz in der Nacht auch gerne mal unter die Terrasse legt. Gegen 21 Uhr kam dann auch der Elefant zurück, drehte eine Runde durch den Garten im Innenhof, knabberte an ein paar Scheiten Feuerholz, kostete einen Happen von verschiedenen Sträuchern, erleichterte sich anschließend noch direkt vor dem Haupthaus und verschwand wieder in der Dunkelheit.

Der große Elefantenbulle ist ein regelmäßiger Besucher der Rhino Lodge am Ngorongoro-Krater.

2 thoughts on “17. November 2016 – Ngorongoro Conservation Area

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